Mietanzeige in Madrid: „vorzugsweise lateinamerikanische Leute“

Ein Zimmer in Madrid für 460 € im Monat wurde mit dem Zusatz „vorzugsweise lateinamerikanische Leute“ und gültigen Papieren angeboten; das Portal nahm die Anzeige laut einem Nutzer zurück.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Zimmer in Madrid für 460 €: „vorzugsweise lateinamerikanische Leute“

Darf man in einer Mietanzeige verlangen, dass der Mieter aus einer bestimmten Herkunft stammt? In Madrid hat das jemand schriftlich festgehalten. Ein „neuwertiges, geräumiges und komfortables“ Zimmer für eine einzige Person wurde für 460 Euro im Monat inklusive Nebenkosten —Wasser, Strom, Gas und Internet— angeboten, mit einem Zusatz, der ins Auge stach, noch bevor man den Preis sah: „vorzugsweise lateinamerikanische Leute“. Die Wohnung liegt neben dem Bahnhof Entrevías, laut der auf dem Portal Idealista veröffentlichten Anzeige fünf Minuten von Atocha und zehn von Sol entfernt.

Was die Zimmeranzeige für Entrevías enthielt

Der Text versprach Heizung, neue Haushaltsgeräte, eine geräumige Küche mit Mitbenutzung des Essbereichs und ein Sicherheitssystem „für den Fall, dass Sie verreisen oder länger unterwegs sind“. Verlangt wurde eine Monatskaution, und es wurde darauf hingewiesen, dass in der Wohnung nur drei Personen zusammenleben, in einer „ruhigen“ Atmosphäre, mit der Erwartung, dass die neue Mitbewohnerin oder der neue Mitbewohner diesen Ton beibehält. Die genaue Angabe der Mitbewohnerzahl in einer Wohnung, in der einzelne Zimmer vermietet werden, liest sich als Werben um Stabilität. Der letzte Satz ließ keinen Spielraum: „Gültige Papiere werden verlangt. NICHT ANRUFEN, WENN SIE KEINE HABEN.“ Eine einzige Zeile in Großbuchstaben, die die doppelte Filterung zusammenfasste: bevorzugte Herkunft und nachweisbare Unterlagen.

Dass die Anforderung so explizit war, war genau das Problem. Nicht, weil es ungewöhnlich war, sondern wegen des genauen Gegenteils.

Die Meldung bei Idealista und das Verschwinden des Filters

Eine Person, die auf die Anzeige stieß, meldete sie bei Idealista wegen Rassismus. Laut diesem Bericht war die Reaktion schnell: Der Zusatz „vorzugsweise lateinamerikanische Leute“ verschwand in weniger als zehn Minuten. Von da an verlagerte sich die Diskussion auf rechtliches Terrain. Manche halten die Formulierung für anzeigewürdig, weil die Verfassung Diskriminierung wegen Ideologie, Religion, Herkunft oder Nationalität verbietet; andere entgegnen, dass das Streichen einer Zeile in einer Anzeige keine Sanktion gleichkommt.

Der Weg von der Formulierung einer Anforderung zur Benennung der gewünschten Gruppe ist kurz. Der Weg zum Löschen noch kürzer.

Wen bezeichnet das Wort „latino“ heute?

In der Anzeige stand „gente latina“, und genau dort begann der nächste Streitpunkt. Ein Teil der Debatte vertritt die Auffassung, der Begriff sei so verwaschen, dass er nur noch jemanden meint, der aus Lateinamerika kommt, obwohl streng genommen auch Spanier, Portugiesen, Franzosen oder Italiener Latinos sind: die Völker romanischer Sprachen. Andere Stimmen halten den geläufigen Sprachgebrauch für akzeptiert und meinen, das Label bedeute ohnehin nicht mehr viel. Übrig bleibt ein Etikett, mit dem man die einen einschließt und anderen nebenbei die Tür weist.

Das praktische Ergebnis: „latino“ funktioniert wie ein Passwort. Es hängt davon ab, wer es schreibt und wer es liest.

Papiere in Ordnung: ein Filter, den es auch in anderen Branchen gibt

Die Anforderung von Dokumenten beschränkt sich nicht auf den Mietmarkt. Eine Person erzählt, in einem Laden in einem Madrider Viertel ein Schild gesehen zu haben, das eine „Verkäuferin mit Papieren“ suchte; eine andere erinnert sich an ein Restaurant, das einen „Kellner mit Papieren“ suchte. Und ein Beitrag betont die Asymmetrie: Würde ein Einheimischer diesen Filter unterschreiben, ginge er direkt ins Gefängnis.

Die Bedingung, ob legal oder nicht, ist zu einer weiteren Zeile in der Anzeige geworden, fast so üblich wie der Preis.

Zusammenleben, Elitismus und das Geschäft mit dem einzelnen Zimmer

Eine Linie der Debatte rechtfertigt den Filter mit Gründen des Zusammenlebens: Ein Vermieter bevorzuge Mieter mit ähnlichen Gewohnheiten, um Reibereien zu vermeiden. Dagegen steht das naheliegende Argument, dass genau das die Diskriminierung ist, die das Gesetz verbietet, und dass die Ausrede der „ruhigen Atmosphäre“ genauso zur Auswahl von Mitbewohnern taugt wie für jede andere Siebung. Ein anderer Teil nennt es ohne Umschweife Elitismus: Wer Papiere hat, schaut am Ende von oben herab auf die, die sie noch nicht haben.

Darunter schlägt ein Markt. Das Untervermieten von Zimmern in einer gemieteten Wohnung ist zu einer der wenigen „Immobilieninvestitionen“ geworden, die sich ein schmales Budget leisten kann, und es wird argumentiert, dass es eine ganze Untervermietkultur gebe, die aus Südamerika importiert wurde, mit Vermietern, die an ihre eigenen Landsleute untervermieten. Die 460 Euro inklusive Nebenkosten, in einer Stadt, in der ein Single kaum um eine ganze Wohnung konkurrieren kann, erklären, warum sich das System von selbst reproduziert. Das Geschäft muss niemanden überzeugen: Die Nachfrage erledigt die Arbeit.



Am Ende verschwand der Filter in zehn Minuten aus der Anzeige, und alles sah sehr sauber aus. Seltsam wäre es zu glauben, am Telefon werde er nicht mehr angewendet.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (51 Antworten).

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