Michael Burry vergleicht Markt mit 1929 und löscht Twitter-Konto

Michael Burry vergleicht den aktuellen Markt mit 1929 und löscht anschließend sein Twitter-Konto. Seine Berechnung zum Handelsvolumen deutet auf einen Absturz hin, der noch nicht stattgefunden hat.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Michael Burry vergleicht Markt mit 1929 und löscht Twitter-Konto
Burry vergleicht den Markt mit 1929 und löscht sein Twitter-Konto

Michael Burry, der Anleger, der durch seine Vorhersage der Subprime-Krise berühmt wurde, veröffentlichte einen Vergleich des aktuellen Marktes mit dem Absturz von 1929 und löschte anschließend sein Twitter-Konto. Das ist nicht das erste Mal. Die wiederholte Geste hat die alte Frage erneut aufgeworfen: ernsthafte Warnung oder eine Figur, die zurück auf die Bühne muss? Geblieben ist der Inhalt der Botschaft, der dieser Tage in Screenshots kursiert, weil jemand ihn archiviert hatte, bevor er verschwand.

Der Vergleich, den er anstellt, hat es in sich. Laut der von ihm verbreiteten Analyse wurden bei Microsoft vom Hoch bis zum Tief eines Sturzes 5,2 Mal alle ausstehenden Aktien gehandelt. Heute hätten sich im bisherigen Verlauf nur etwa 0,5 Mal dieses Volumens bewegt. In der Sprache der Schützengräben: Wiederholt sich das Muster, steht dem Markt noch ein langer Weg voller Verkäufe bevor. Eine Rechnung, die Aktie für Aktive aufgeschlüsselt, einen Schwindel erzeugt, der in keinen Tweet passt.

Das Timing-Problem: Das Was richtig treffen heißt nicht, das Wann richtig zu treffen

Burry warnt seit Jahren vor einem Crash. Und darin liegt die klassische Falle des Gewerbes: die Prophezeiung so lange wiederholen, bis eine eintrifft. Die eigene Bilanz des Anlegers illustriert das. Er ging massiv short auf Tesla in der Hoffnung auf einen großen Absturz, und seitdem hat sich der Kurs praktisch verdoppelt. Es blieb nie klar, ob er mit dieser Position am Ende gewann oder verlor, und er gab später selbst zu, dass das Ausmaß des Einsatzes stark übertrieben dargestellt worden war.

Die Lektion ist die alte, und sie bleibt wahr, so abgedroschen sie klingt: Der Markt kann länger irrational bleiben, als Sie zahlungsfähig bleiben können. Ein Vermögenswert kann absurd überbewertet sein und trotzdem monate- oder jahrelang weiter steigen. Wer zu früh aussteigt, macht sich lächerlich, auch wenn er später recht behält. Das passiert jedem.

Wohin mit dem Geld, während die Inflation das Bargeld auffrisst?

Die eigentliche Debatte ist nicht, ob es eine Blase gibt. Sondern was man mit dem Geld macht, solange es sie gibt. In Cash auszusteigen klingt klug, bis die Inflation —mit 9% auf dem Tisch— einen überrollt. Zu Gold oder Immobilien zu flüchten löst das Problem ebenfalls nicht: Das Metall ist illiquide, sein Besitz kann verfolgt werden, und sein Preis ist seit Jahren von denen hochgetrieben worden, die sich vorher absicherten. Immobilien sind, wie der Markt gerade steht, ein weiterer Sprung ins Leere.

Daher das berühmte TINA (there is no alternative): Es gibt keine Alternative. Bei den aktuellen Zinsen verliert stillliegendes Geld jeden Tag an Wert, und konservative Anlagen gleichen das nicht aus. Wer zum Schutz verkauft, nimmt einen sicheren Verlust in Kauf, um einen möglichen zu vermeiden. Und das ist vielleicht die wirksamste Falle, die dieses Jahrzehnt gebaut hat.

Buffetts Warnung, die niemand hören will

Parallel dazu meldete sich eine andere gestandene Stimme zu Wort. Warren Buffett wies darauf hin, wie besugo viele Menschen Aktien handeln: Er kaufte 14% eines Unternehmens in zwei Wochen. Dieses Umschlagsniveau deutet auf einen Markt voller nervöser Hände hin, die jede Minute aufs Handy schauen, überzeugt, dass man Geld nur im aktiven Handeln verdient. Das ist keine Investition. Das ist etwas anderes.

Buffett selbst hortet derweil Liquidität: Nach seinen letzten Käufen hält er rund 85% in Cash, mit symbolischen Positionen in abgestraften Werten. Seine historische Logik: kaufen, wenn es fällt, verkaufen, wenn es steigt. Gesunden Menschenverstand anzuwenden, sagt er, sei alles, was nötig ist. Das Problem: Gesunder Menschenverstand ist Mangelware, wenn der Index Rekordhochs markiert.

Die Ökonomen und ihre sieben Krisen der letzten drei

Ironie zieht sich durch die ganze Diskussion: Die Ökonomen haben sieben der letzten drei Krisen vorhergesagt. Und doch steigt der Markt jedes Mal um einen weiteren Tick, wenn jemand mit Bilanz warnt. Die Statistik, diese Wissenschaft, Zahlen nach Gusto des Kunden zu biegen, erlaubt es, fast jede These zu verteidigen. Der S&P kann morgen crashen oder in fünf Jahren. Niemand weiß es.

Das Einzige, was sicher ist: Was steigt, fällt, und wenn der große Index abstürzt, wird der Rest es um ein Vielfaches spüren. Derweil dreht sich die Maschinerie weiter, die Warnungen häufen sich, und das Geld sucht einen Ort, an dem es sich vor einer Inflation verstecken kann, die keine Gnade kennt. Burry hat sein Konto bereits gelöscht. Er wird zurückkommen, wie immer. Die Frage ist, ob der Chart ihm diesmal recht gibt, bevor man ihm das Recht wieder nimmt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (63 Antworten).

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