Mercadona streicht Frischfisch-Theken und lässt Stadtviertel ohne Fischhändler zurück

Mercadona entfernt Frischfisch aus seinen Theken und ersetzt ihn durch verpackte Ware. Preise steigen auf 18 €/kg gegenüber 10 €/kg bei lokalen Händlern.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mercadona streicht Frischfisch-Theken und lässt Stadtviertel ohne Fischhändler zurück
Traditionelle Fischläden verschwinden zwischen Warteschlangen, Preisen und plastikverpackten Filets

Man betritt einen Mercadona, geht an der Fischtheke vorbei und es ist niemand mehr da. Keine Schlange, kein Personal, keine Ware. Die Kette von Juan Roig hat den traditionellen Fischservice in vielen Filialen abgebaut und bietet Fisch nur noch in Plastikschalen, tiefgefroren oder gar nicht mehr an. Das ist keine lokale Randnotiz, sondern der letzte Stoß für ein Handelsmodell, das seit Jahren vor sich hin dümpelte. Wer Seeteufel frisch geschnitten möchte, muss sich einen anderen Laden suchen. Und die werden weniger.

Mercadona tauscht Frischfisch gegen Schalen und Kunden merken es

Das offizielle Argument ist Effizienz. Eine Fischtheke erfordert Fachpersonal, tägliche Logistik von den Märkten, verderbliche Ware, die innerhalb von Stunden an Wert verliert, und Abfälle, die die Marge auffressen. Plastikschalen hingegen halten länger, füllen sich selbst nach und erfordern niemanden, der einem eine Dorade vor dem Reinigt. Das Ergebnis, wie jeder Preisvergleich zeigt: Dorade kostet 10 Euro pro Kilo beim Fischhändler und 18 Euro pro Kilo in der Plastikschale. Die Effizienz zahlt hier der Käufer.

Manche behaupten, Fisch sei zum Luxusartikel geworden. Das ist keine Übertreibung: Brassen wurden zu 50 Euro pro Kilo gesehen und 24 Stunden später zu 10 Euro pro Kilo, direkt auf dem Weg zum Müllcontainer. Sardellen wurden mit 9,80 Euro pro Kilo gehandelt, Makrele oder Hering mit 10 Euro. Mit diesen Zahlen konkurriert der lokale Fischhändler nicht mit der Schale, sondern mit Metzgereien, Hähnchen und Nudeln.

Warum schließen die Fischläden in den Stadtvierteln?

Weil die Kundschaft nicht nachwächst. Wer acht Stunden arbeitet, dazu geteilte Schichten und zwei Stunden Pendelzeit hat, putzt abends keine Sardellen fürs Abendessen. Man kauft etwas Schnelles, kocht es in zwanzig Minuten und fertig. Überlebende Fischläden finden sich auf Großmärkten und in Küstenorten, wo die Ware frischer und der Preis günstiger ist. In binnenländischen Stadtvierteln schrumpften die Stände so sehr, dass es sich nicht mehr lohnt, für vier Stammkunden hochzufahren. Ganze Märkte endeten als Parkplätze.

Die ständige Beschwerde betrifft nicht nur den Preis, sondern auch das Sortiment. Produkte, die früher verfügbar waren, fehlen nun: Kondensmilch, Markenjoghurt, Kekse, Tomatensauce, Milch im Tetra-Pak. Auch Eigenmarken haben laut langjährigen Kunden ihren Geschmack geändert. Obst sieht hübsch aus, wird aber unreif verkauft. Tomaten sind geschmacklos. Rindfleisch ist vergessenswert. Angesichts dessen wechseln zahlungskräftige Kunden zur Konkurrenz, andere müssen schlucken.

Frischfisch verschwindet nicht: Er wandert an die Küste und in Konserven

An der Küste leben lokale Fischläden weiter. Auf Großmärkten in Hafenstädten stehen Fisch und Meeresfrüchte denen in Madrits besten Fischgeschäften in nichts nach. Die Paradoxie besteht darin, dass viele Binnenländer glauben, der beste Fisch Spaniens werde in der Hauptstadt verkauft, obwohl die Hauptmenge, die in Madrider Viertel gelangt, nicht an die Qualität des fangfrischen Produkts vom Hafen heranreicht. Frischfisch ist zum Nahprodukt für Küstenbewohner und zum Luxusgut für alle anderen geworden.

Konserven bleiben, aber auch hier gibt es wenig Grund zur Freude. Das Angebot an guter Fischkonserve ist begrenzt und die Preise passen nicht. Makrelen in Tomatensauce können auf den Kanaren mehr als doppelt so teuer sein wie in Norwegen, laut kursierenden Vergleichen. Und kanarische Bananen, ein lokales Produkt des Archipels, sind bis zu doppelt so teuer wie importierte Bananen mit Zoll in Norwegen. Die Marktlogik wirft zumindest Fragen auf.

Die Fischerei kann nicht mehr: Quoten, Apps und Diesel

Das Problem beginnt nicht an der Theke, sondern auf See. Immer schmutzigeres Wasser mit weniger Fisch, Vorschriften, die die Arbeit erschweren – restriktive Zeiten, gesperrte Zonen, Quoten, Mindestgrößen, Apps zur Erfassung der Fänge – und Kosten, die nicht sinken. Der Dieselpreis ist gestiegen, sodass wenige Meilen rausfahren, entladen und wieder fahren sich bei den Großhandelspreisen nicht mehr rechnet. Wenn Fisch knapp und teuer ist, ist die Theke nur das letzte Glied einer gebrochenen Kette.

Das Ergebnis ist ein Fischladen, der von beiden Seiten stirbt: oben, weil die Ware teuer und knapp ist; unten, weil Kunden weder Zeit noch Lust zum Anstehen haben. Mercadona wählte das profitabelste Modell und überließ Frischfisch denen, die anderswo dafür zahlen wollen. Verbleibende traditionelle Läden können sich differenzieren, ja. Solange sie jemanden finden, der bereit ist, eine halbe Stunde zu warten und 18 Euro für etwas zu zahlen, das früher 10 Euro kostete.



Bei diesen Zahlen müsste es vor der Tür nach Frischfisch Schlange stehen. Tut es aber nicht. Stattdessen steht die Schlange an der Theke mit den Plastikschalen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (135 Antworten).

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