Mercadona-Duschgel: 31 Inhaltsstoffe und der chemische Verdacht

Ein Eigenmarken-Duschgel aus dem Supermarkt weist 31 Inhaltsstoffe aus: Parabene, Farbstoffe und Duftstoffe. Die Debatte über seine Toxizität und Langzeitwirkung wird überprüft.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mercadona-Duschgel: 31 Inhaltsstoffe und der chemische Verdacht
Ein Ein-Euro-Duschgel mit 31 Inhaltsstoffen unter Verdacht

Wie viele Chemikalien kommen jeden Morgen vor dem ersten Kaffee mit Ihrer Haut in Kontakt? Ein Eigenmarken-Duschgel aus dem Supermarkt, als dermatologisches Produkt für empfindliche Haut mit pH 5.5 gekennzeichnet, weist 31 Bestandteile auf der Verpackung aus. Die Liste, wörtlich in einem Verbraucherforum kopiert, wirft eine unbequeme Frage auf: Wenn das schon in einem billigen Alltagsprodukt steckt, was wird dann über die Haut aufgenommen – und mit welchen Langzeitfolgen?

Die Aufschlüsselung umfasst alles von klassischen Tensiden wie sodium laureth sulfate über Konservierungsstoffe aus der Gruppe der Parabene (methylparaben, ethylparaben, propylparaben) bis hin zu synthetischen Farbstoffen (CI 19140, CI 15985) und einer Reihe von Duftstoffen —limonene, linalool, citronellol, geraniol—, die die europäischen Vorschriften gerade wegen ihres allergenen Potenzials zur Deklaration vorschreiben. Die Verpackung verspricht Hafermilch und Avena sativa-Extrakt. In der Praxis taucht der Extrakt fast am Ende der Liste auf, nach dem Konservierungsstoff und dem Parfüm.

Was die Inhaltsstoffliste sagt – und was nicht

Die Formulierung folgt dem branchenüblichen Muster: Wasser (implizit), Tenside für den Schaum, Glycerin als Feuchthaltemittel, Coco Glucoside und Cocamidopropyl Betaine als milde Hilfstenside, Natriumchlorid für die Viskosität und ein Cocktail aus Konservierungsstoffen für die Haltbarkeit. Nichts Exotisches. Es ist – mit minimalen Abweichungen – dieselbe Struktur, die Premiummarken verwenden, die dreimal so viel kosten.

Hier liegt der erste Punkt, der verunsichert: Wer behauptet, das Eigenmarken-Duschgel sei ein Chemieungetüm und das aus der Apotheke etwas ganz anderes, hat wahrscheinlich nie Etiketten verglichen. Der echte Unterschied zwischen einer Ein-Euro-Flasche und einer Drei-Euro-Flasche liegt meist im Parfüm, im Marketing und in der Marge. Nicht in der Grundchemie.

Sind die Langzeitwirkungen belegt?

Die Millionendollarfrage. Die ehrliche Antwort lautet: Die Toxikologie von Gemischen – wie 31 Verbindungen miteinander und mit den Medikamenten, die man einnimmt, interagieren – ist ein Feld mit mehr Unbekannten als Gewissheiten. Studien werden substanzweise mit kontrollierten Dosen durchgeführt, nicht mit der realen Kombination, die jeden Morgen den Abfluss hinuntergeht.

Es gibt eine öffentliche Datenbank, die des Environmental Working Group, die jeder einsehen kann, um die Toxizitätseinstufung jeder einzelnen Verbindung zu prüfen. Es ist das Instrument, das zitiert wird, um festzustellen, ob sodium laureth sulfate reizt, ob Parabene endokrine Disruptoren sind oder ob Limonen Sensibilisierungen auslöst. Was es nicht gibt, ist ein eindeutiges Urteil: Die europäischen Zulassungsbehörden halten diese Inhaltsstoffe in den zugelassenen Konzentrationen für sicher, während kritischere Stimmen mehr Studien zu chronischer und kumulativer Exposition fordern.

Vom Duschgel zum Anstieg von Autoimmunerkrankungen

Der argumentative Sprung ist gewaltig: von einem Duschgel-Etikett zur Zunahme von Allergien, Krebs, männlicher Unfruchtbarkeit, Aufmerksamkeitsdefizit, Autismus und seltenen Krankheiten im Westen. Wer diesen Zusammenhang aufstellt, tut dies als Verdacht, nicht als bewiesene Tatsache. Und man muss es klar sagen: Es gibt keine Belege, die ein bestimmtes Duschgel mit diesen Erkrankungen in Verbindung bringen. Was es gibt, ist eine offene wissenschaftliche Debatte über die kumulative Wirkung der endokrinen Disruptoren in Kosmetika, Kunststoffen und Lebensmittelverpackungen.

Die Diskussion verlagerte sich bald auf praktisches Terrain. Der chemischen Paranoia wurde die klassische Alternative gegenübergestellt: das gute alte Stückseifen-Produkt. Jabón de lagarto, ein Block aus Natriumsalzen mit alkalischem pH-Wert, hat Anhänger, die ihn seit Jahren für Körper und Haare verwenden. Er hat aber auch technische Kritiker: Sein pH-Wert ist hoch und die menschliche Haut ist nicht alkalisch, was austrocknen kann. Für die Haare taugt er schlicht nicht.

Das Hausrezept, das unter den Hartgesottenen kursiert

Wer genau kontrollieren will, was er auf seine Haut aufträgt, für den gibt es eine Methode, die immer wieder empfohlen wird: Seife zu Hause mit Olivenöl und Natronlauge herstellen, sie reifen lassen, nach drei oder vier Tagen, solange sie noch weich ist, reiben und mit Wasser am Feuer schmelzen, bis eine gelartige Paste entsteht. Das Ergebnis riecht nicht nach Hafermilch und enthält keine Farbstoffe. Und wenn man zu viel Wasser nimmt, wird es flüssig.

Auch Kokosöl taucht als beliebte Basis auf: Es schäumt reichlich und ist günstig. Die praktische Schlussfolgerung aus all dem lautet nicht, auf das Duschen zu verzichten – manche scherzen über das gegenteilige Szenario –, sondern zu akzeptieren, dass ein tägliches Hygieneprodukt eine Konsumentscheidung ist wie jede andere. Und dass man das Etikett liest, selbst wenn man es nicht versteht, ist schon mehr, als die meisten tun.

Am Ende verkauft die Industrie seit Jahrzehnten dieselbe Formel in anderer Verpackung. Bemerkenswert ist nicht, was im Duschgel steckt. Sondern dass sich jemand die Mühe gemacht hat, es zu erzählen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (69 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver