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Mariupol: Zivilisten im Kreuzfeuer kommen zu Wort
Evakuierte aus Mariupol berichten von Schüssen auf fliehende Zivilisten und gegenseitigen Vorwürfen wegen menschlicher Schutzschilde. Acht Jahre Vorgeschichte des Konflikts…
Mariupol: Was Zivilisten erzählen, die es herausgeschafft haben
Mariupol, Frühjahr 2022. Eine eingekesselte Stadt, in der die offizielle Erzählung beider Seiten frontal mit dem zusammenprallt, was denen berichten, denen die Flucht gelang. Die in sozialen Medien gesammelten Zeugenaussagen — manche sehr hart, andere offen widersprüchlich — zeichnen ein Bild, in dem die Zivilbevölkerung zwischen dem russischen Feuer und den gegenseitigen Vorwürfen gefangen war, wer auf sie schoss, als sie zu fliehen versuchten. Die Zahl, die über der gesamten Debatte schwebt: acht Jahre vorheriger Konflikt im Donbas, den die meisten westlichen Medien kaum erwähnten, bis die Bombardierungen begannen.
Das Theater, die Toten und die unbequemen Fragen
Einer der am häufigsten zitierten Vorfälle ist das Theater von Mariupol. Die vorherrschende Version besagt, dass es mit Zivilisten im Inneren bombardiert wurde. Manche behaupten, das Gebäude sei leer gewesen und die Bilder von Leichen gehörten zu einem improvisierten Depot. Niemand nennt eine überprüfbare Zahl. Was in mehreren Aussagen jedoch auftaucht, ist der Vorwurf, Milizionäre des Asow-Bataillons hätten auf Kolonnen von Zivilisten geschossen, die in Richtung Wolodarsk fliehen wollten, Busse eingeschlossen. Eine Überlebende fasst es so zusammen: "sie wollten uns weiter als menschliche Schutzschilde benutzen".
Menschliche Schutzschilde: der Vorwurf, der alle Seiten durchzieht
Die These, die Bevölkerung sei als militärische Deckung benutzt worden, wird von Evakuierten und von Kiew-kritischen Analysten wiederholt. Angeführt wird, dass ukrainische Truppen sich in Privathäusern verschanzten und Zivilisten am Verlassen der Stadt hinderten. Parallel dazu besagt die Gegenversion, die russische Armee habe die Stadt dem Erdboden gleichgemacht und die Vorwürfe gegen Asow seien Teil einer Desinformationskampagne. Beides kann gleichzeitig wahr sein, und genau das ist das Problem.
Der Informationskrieg: wer wen füttert
Ein auffälliges Detail, das sich in die Diskussion einschleicht: die Schlangen von Bewohnern, die Lebensmittelpakete in Empfang nehmen. Das Fernsehen gab nicht an, wer sie verteilte. Für einen Teil des Publikums ist dieses Schweigen der Beweis, dass die Berichterstattung verzerrt ist. Für den anderen ist es irrelevant: Wer eine Stadt bombardiert, wäscht sich sein Gesicht nicht mit Brotverteilung. Die Diskussion driftet in ein breiteres Terrain: die Übersättigung mit Nachrichten, der erste Kriegstote — die Wahrheit — und das Gefühl, dass jede Seite ihr eigenes gefangenes Publikum hat.
Acht Jahre, über die niemand sprach
Das am häufigsten geäußerte Argument derjenigen, die die dominante Erzählung in Frage stellen, ist zeitlicher Natur: Der Konflikt begann nicht im Februar 2022. Er schwelte acht Jahre lang im Donbas, mit einem vorherigen Regierungswechsel in Kiew und einer Repression, die laut mehreren Aussagen direkter Angehöriger Selenskyj bei denen, die es aus nächster Nähe erlebten, schlecht dastehen ließ. Das rechtfertigt keine Invasion, aber es erklärt, warum ein Teil der lokalen Bevölkerung niemanden mit Blumen empfing.
Was bleibt, wenn die Kameras ausgehen
Mariupol wurde zu Trümmern und zu einander gegenüberstehenden Versionen reduziert. Die Zivilisten, die herauskamen, erzählen, was sie sahen; diejenigen, die nicht herauskamen, erzählen nichts. Die Frage ist nicht, wer in jedem Detail recht hat, sondern warum die Informationen, die jede Seite erreichen, so unterschiedlich sind, dass sie zwei verschiedene Kriege zu beschreiben scheinen. Wie viele Zeugenaussagen wie diese wären nötig, damit jemand, auf beiden Seiten, eingesteht, dass seine Version Löcher hat?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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