Mao, der Große Sprung nach vorn und die Kulturrevolution: eine Bilanz

Der Große Sprung nach vorn tötete Millionen durch Hunger, und der Stahl aus den Hinterhoföfen war unbrauchbar. Chinas Aufschwung kam mit ausländischem Kapital, nicht mit Mao.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mao, der Große Sprung nach vorn und die Kulturrevolution: eine Bilanz
Großer Sprung nach vorn und Kulturrevolution: der Preis von Chinas Aufschwung

Ein Mann befiehlt, alle Spatzen des Landes zu töten. Ohne Vögel fressen Insekten die Ernten. Millionen Menschen verhungern. Das ist keine Fabel: Es ist eine der Episoden des Großen Sprungs nach vorn, das Kapitel, das zwei unvereinbare Lesarten des China des 20. Jahrhunderts trennt. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die behaupten, die Kommunistische Partei Chinas habe das Land aus einem Jahrhundert der Kriegsherren und einem Elend befreit, das sie als fünftweltlich bezeichnen. Auf der anderen Seite diejenigen, die erwidern, es sei ein Völkermord gewesen und der Inbegriff alles Pervertierten am Totalitarismus.

Vom China ohne Regierung zum industriellen China

Der Ausgangspunkt ist unumstritten: ein über mehr als ein Jahrhundert unter Kriegsherren geteiltes Gebiet ohne funktionsfähige Regierung. Die Kuomintang scheiterte neben ihrer extremen Korruption auch am Versuch, das Land zu modernisieren und alte Bräuche abzuschaffen, so die These, die die Notwendigkeit der KPCh begründet. Nur die Partei habe die Kraft gehabt, den asiatischen Riesen voranzubringen, so diese Strömung.

Die Erwiderung kommt schnell. China war nicht Afghanistan: ein seit Jahrtausenden im Wesentlichen zivilisiertes und wohlhabendes Gebiet mit Millionen qualifizierter Arbeiter. Allein durch vier Jahrzehnte Stabilität, die Beseitigung der gravierendsten Missstände und die Instandsetzung der Infrastruktur hatten die Kommunisten einen Großteil der Grundlagen für die spätere Entwicklung geschaffen. Das Verdienst ist, in dieser Lesart, geringer als behauptet.

Der Große Sprung nach vorn: Fehler, Ernten und Spatzen

Hier bricht der Konsens. Die mildeste Verteidigung räumt Fehler ein – etwa die Ausrottung der Spatzen –, behauptet aber, die Absicht sei positiv und der Weg der richtige gewesen. Das Schlussargument: China hatte seit seiner Gründung periodische Hungersnöte erlitten, und nach dieser Episode gab es keine mehr.

Die Widerlegung ist vernichtend. Millionen Menschen verhungern zu lassen erhöht in der Regel die Rationen der Überlebenden: In Europa erlebten die Überlebenden des Schwarzen Todes ebenfalls einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Und genau in jener Zeit verbreiteten sich weltweit die Fortschritte der Grünen Revolution – keine kommunistische Erfindung. Seit 1970 sind Hungersnöte fast überall auf der Welt verschwunden, nicht nur in China.

Das technische Detail, das meist fehlt: Hungersnöte entstehen nicht, weil zu wenig Nahrung produziert wird, sondern weil in einem Gebiet zu wenig vorhanden ist und es aus welchen Gründen auch immer nicht von anderswoher gebracht werden kann. Die chinesische Landwirtschaft war kaum mechanisiert; Reis lässt keine Skaleneffekte wie Weizen zu. Es war die Wiederherstellung der familiär-dörflichen Agrarstruktur, zusammen mit politischer Stabilität und Verkehrsverbindungen, die die Produktion förderte.

Hausgemachter Stahl, Kommunen und die wirtschaftliche Bilanz

Das industrielle Kapitel wird am häufigsten zitiert. Mao wollte die Stahlproduktion Englands übertreffen – ohne Investitionen und ohne Vorbereitung, allein mit Gewalt und Quoten, die jeder Kommunalverwaltung auferlegt wurden. Handgemachte Öfen, in denen Hacken, Pflüge und landwirtschaftliche Geräte eingeschmolzen wurden. Der daraus resultierende Stahl war wegen der Verunreinigungen unbrauchbar. In der Folge wurde Mao beiseitegeschoben und fähige Staatsmänner übernahmen die Regierungsgeschäfte.

Die eigentliche Bilanz ist für beide Seiten unbequem: Unter dem Maoismus blieb China fünftweltlich. Als Mao starb, war Indien etwas reicher als China. Die Kommunen und Kollektivfarmen waren ein weiterer Unsinn; der Aufschwung kam, als sich das Land von der marxistischen Toxizität befreite, zumindest wirtschaftlich und in den Werten, auch wenn die Partei weiter regierte.

Was vom Maoismus im heutigen China übrig bleibt

Die offizielle Ideologie ist heute der Sozialismus chinesischer Prägung: Der Staat kontrolliert Banken und strategische Unternehmen. Der amtierende Präsident Xi Jinping wurde während der Kulturrevolution zur Feldarbeit geschickt. Zehn Millionen Rote Garden starteten auf ihrem Höhepunkt eine Kampagne zur Umerziehung des Volkes und zur Beseitigung feindlicher Elemente. Das ist die beunruhigende Tatsache: Dieselbe Struktur, die diese Kampagne trug, regiert heute die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt.



Der Vergleich, den niemand gerne anstellt: Während man im chinesischen Festland noch mit Öllampen leuchtete, stellte Taiwan Uhren und Radios für die halbe Welt her. Chinas industrieller Aufschwung kam, als das große westliche Kapital Fabriken errichtete, angelockt von Millionen Arbeitern, die bereit waren, für einen Hungerlohn zu arbeiten. Die Industrialisierung, die Mao mit Hinterhoföfen verfolgte, vollendete drei Jahrzehnte später das ausländische Kapital.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (18 Antworten).

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