Madrid: Selbstständiger schließt wegen Steuerlast
Eine Aussage fasst die Stimmung eines Teils der spanischen Wirtschaft zusammen: „Wenn kein unüberwindbares Unglück eintritt, mache ich dieses Jahr dicht.“ Der Verfasser ist ein selbstständiger Handwerker für kleine Renovierungen und Gebäudeinstandhaltung mit Sitz in Madrid, der das Familienunternehmen seit Jahren führt. Sein Fall ist keine statistische Ausnahme, sondern das Symbol eines Modells, in dem mehr Umsatz nicht mehr Gewinn bedeutet. „Je mehr ich fakturiere, desto schlechter geht es mir“, resümiert er. Das Problem ist nicht Arbeitsmangel, sondern die steuerliche und bürokratische Erstickung, die jeden Auftrag zu einem Hindernislauf macht.
Das Problem ist nicht Arbeitsmangel, sondern die Steuerlast
Der Betrieb läuft. Es gibt Aufträge, Kunden und Aktivität. Aber das Geld verschwindet, bevor es auf dem Konto eingeht. „Ich sehe keinen anderen Ausweg, als aus meiner eigenen Tasche vorzustrecken, bis die Kunden zahlen“, erklärt dieser Fachmann. Die Abfolge ist bekannt: Rechnungen vorfinanzieren, Provisionen zahlen, Kredite bedienen und auf Zahlungseingang warten. Währenddessen wartet das Finanzamt (Hacienda) nicht. Steuerdruck und Sozialversicherungsbeiträge machen den Tagesbetrieb zu einem finanziellen Überlebenskampf.
Die Aussage deckt sich mit der anderer Selbstständiger in der Diskussion. Einer davon, der ein Familienunternehmen führt, beschreibt eine identische Situation: „Ich habe wie verrückt gerudert, um das Sinkende zu retten, aber ich kann nicht mehr.“ In wenigen Monaten, sagt er, seien ihm graue Haare gewachsen, Augenringe entstanden und er könne nicht mehr durchschlafen. Der Vergleich mit einem Angestellten liegt nahe: „Zumindest schuftest du für etwas Eigenes“, bemerkt er, auch wenn der persönliche Preis extrem hoch ist.
Neue App für Be- und Entladen: Strafen bei Netzproblemen
Bürokratie beschränkt sich nicht nur auf Steuern. Der Sektor für Renovierung und Instandhaltung sieht sich neuen digitalen Kontrollschichten gegenüber. Die obligatorische App für Be- und Entladetickets wird zur Sanktionsquelle, wenn die Netzabdeckung fehlt. „Wenn du im Keller keinen Empfang hast, friert die App ein und du bekommst eine Strafe“, kritisiert der Experte. Das Ergebnis: Das Ticket verschwindet, die Bußgeldbescheid kommt trotzdem.
Hinzu kommen die Kraftstoffkosten. „Vergiss das Parken ohne dreiviertel Stunde Suchverkehr bei Dieselpreisen von 1,80 Euro“, fügt er hinzu. Die günstige Tankstelle am Stadtrand zu 1,56 Euro kompensiert die verlorene Zeit nicht. Jeder Weg ist eine Rentabilitätsrechnung, die selten positiv ausgeht.
„Arbeite halb so viel, verdiene halb so viel, aber lebe“
Die häufigste Antwort in der Diskussion ist kein Steuertipp, sondern eine Lebensberatung: Tempo drosseln. Ein Selbstständiger, der zu Beginn der Pandemie aufgegeben hat, fasst es so zusammen: „Arbeite die Hälfte, verdiene die Hälfte, aber genieße das Leben.“ Sein Argument: Der Betrieb steht nicht still, wenn man nicht elf Stunden täglich arbeitet. Ein anderer Teilnehmer, der früher Filialen eröffnen wollte, hat sich für einen Vier-Tage-Woche (Montag bis Donnerstag), Feiertage und den gesamten Sommer als Urlaub entschieden. „Den Rest soll seine Mutter machen“, urteilt er.
Der Konsens ist breit: Das traditionelle Geschäftsmodell mit fester Struktur und Personal ist für viele nicht mehr tragfähig. „Gesetzlich konforme KMU sind tot, sie werden angegriffen“, behauptet ein anderer Diskutant. Der unlautere Wettbewerb jener, die in der Schattenwirtschaft operieren, erzeugt einen Druck, der nicht ausgleichbar ist. „Du kannst preislich nicht mit ihnen konkurrieren. Das ist unmöglich“, gibt ein Dritter zu.
Die Rechnung, die den Mythos des Unternehmers entkräftet
Eine der detailliertesten Analysen widerlegt die Idee, dass Selbstständigkeit gleichbedeutend mit Reichtum sei. Ein Teilnehmer mit eigenem Unternehmen erklärt, dass sein Vorarbeiter mehr Nettoeinkommen habe als er selbst. „Der Vorarbeiter verdient mehr netto, und jede Überstunde oder nicht genommener Urlaub wird bezahlt, ebenso Krankengeld“, führt er aus. Währenddessen trägt der Unternehmer das Risiko, die Schulden und die Unsicherheit. „Solche Dinge können punktuell sein, aber sie werden zunehmend üblich, um das Unternehmen über Wasser zu halten“, fügt er hinzu.
Der Vergleich mit dem Angestellten kehrt immer wieder. Ein anderer Teilnehmer aus der Transportbranche stellt klar: „Wer verdient mehr? Würde er tauschen wollen? Ich nicht.“ Er erkennt an, dass er weit mehr arbeitet als sein Personal, aber auch, dass er dies für sich selbst tut. Die Grenze zwischen Berufung und Ausbeutung ist fließend.
Die Familie als emotionale Last
Die emotionale Komponente durchzieht die gesamte Diskussion. Der Autor der ursprünglichen Nachricht beschreibt, wie sich die Familie von ihm abgewandt hat. „Das Unternehmen war das meines Vaters, und nachdem ich mein ganzes Leben lang alles gegeben habe, bin ich jetzt derjenige, der leidet... nichts“, schreibt er. Die Erbschaft des Familienbetriebs wird zur Belastung, wenn die Dinge schlecht laufen. „Mein Vater hat mir gesagt, ich sei ein Faulpelz, weil ich das Unternehmen geerbt habe“, ergänzt er. Das Unverständnis der Familie verschärft eine ohnehin grenzwertige Situation.
Andere Teilnehmer teilen ähnliche Erfahrungen. Eine Frau beschreibt ihr eigenes Familienunternehmen als „schlecht geführt, aber gegründet in einer Zeit, als jeder mit null Finanzwissen leicht Kredite und Vorteile bekam“. Der Kontrast zwischen den damaligen und heutigen Bedingungen ist brutal. „Das existiert heute nicht mehr“, lautet ihr Urteil.
Die Frage in der Luft ist nicht, ob dieser Selbstständige schließen wird. Sondern wie viele andere insgeheim darüber nachdenken. Mit explodierenden Fixkosten, maximaler Steuerlast und Wettbewerbern, die andere Regeln spielen, wandelt sich die Entscheidung, die Rollläden herunterzulassen, von einer Niederlage zu einer Überlebensstrategie. Wie viele profitable Betriebe schließen nicht wegen fehlender Kunden, sondern wegen staatlicher Überregulierung?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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