Spanische Bars trotz voller Tische insolvent

Steigende Kosten für Waren, Löhne und Steuern lassen spanischen Gastronomiebetrieben kaum noch Spielraum, selbst bei hoher Auslastung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanische Bars trotz voller Tische insolvent
Volles Lokal, leere Kasse: Weitere Familienbar schließt

Eine Bar mit besetzten Tischen kann Geld verlieren. Das behauptet der Inhaber eines seit Generationen geführten Betriebs, der ohne Vorwarnung, ohne Schild für die Übergabe und ohne Abschied geschlossen hat. Die Kunden sind nicht weg; die Margen sind es. Die Kosten für Kaffee, Getränke, Küche und Maschinenwartung ermöglichen keinen Gewinn mehr, sagt er, und Lebensmittel kosten doppelt so viel wie früher.

Auf dieser Grundlage türmen sich Personalkosten, steigende Sozialversicherungsbeiträge, Steuern und ein Punkt, der selten Schlagzeilen macht: Das Finanzamt (Hacienda) behält Steuererstattungen ein, die der Inhaber vorfinanzieren muss, sodass er monatelang auf dringend benötigtes Geld wartet. Sein Plan ist, das Lokal zu vermieten und Arbeitslosengeld zu beziehen. Von staatlichen Hilfen erwartet er wenig.

Die Kostenlawine, die die Marge auffrisst

Kaffee, Softdrinks, Getränke, Küche und Maschinenservice. Jede Position ist gestiegen, keine gesunken. Tapas anzubieten erfordert eine Köchin, eine feste Personalkost, die früher durch Volumen gedeckt war und heute nicht mehr tragfähig ist. Das Fazit des Inhabers ist simpel: Mit diesen Lieferantenpreisen und Lohnkosten ist das Geschäft nicht mehr rentabel, auch nicht bei täglicher Öffnung.

Die Schließung kommt in diesem Fall nicht durch eine vorübergehende Flaute, sondern durch jahrelang wachsende Summen in dieselbe Richtung.

Warum eine volle Bar unrentabel werden kann?

Weil Kunde und Besitzer unterschiedliche Indikatoren betrachten. Ein Lokal kann voll sein, aber die Kasse reicht nicht bis Monatsende, wenn die Gäste nur zwei Stunden mit einem oder zwei Getränken bleiben. Der Umsatz pro Tisch zahlt Gehälter, Miete und Strom; ohne Rotation ist die Fülle nur Dekoration. Man fasst es zusammen: Volumen ist Eitelkeit, Gewinn ist Vernunft.

Dazu kommt der Typus der Bar. Lokale, die vom unterbrochenen Arbeitstag abhängen, leben von Firmenmitarbeitern, die mittags essen oder zum Kaffee kommen. Ändert sich dieses Arbeitsmodell, schließen viele. Seit der Pandemie haben Bars ohne Außengastronomie einen Nachteil.

Vom Kaffee zum Drink: Was die Kasse wirklich trägt

Für Teile der Branche ist Kaffee das Produkt mit der höchsten Marge. Andere betonen das Gegenteil: Kaffee deckt die Strukturkosten nicht, andere Dinge halten die Bars offen. Sicher ist, dass große Lieferanten ihre Preise jährlich erhöhen — Bier und Softdrinks — und der Wirt entscheiden muss, ob er sie weiterreicht oder schluckt.

Der Vergleich mit vor zwei Jahrzehnten ist erschütternd. Damals deckten Spielautomaten und Tabak die Miete und Stromrechnung. Heute sind diese Einnahmen eingebrochen, und teils müssen Lizenz- und Spielsteuern bezahlt werden. Die Stromrechnung bleibt hoch wegen Kühltruhen und Kühlschränken, doch statt Klimaanlage wird oft die Tür offengelassen.

Die Ladenmiete, die ständige Last

Für viele im Gewerbe ist die Mietpreis der Hauptgrund für Schließungen und leere Erdgeschosse. Wenn die Miete jeden Gewinnszenario frisst, beginnt die Abwärtsspirale: Der Mieter hält Monate aus und gibt dann den Schlüssel zurück. Manche merken an, dass ein leerstehendes Lokal günstiger vermietet werden könnte und profitabel bliebe; Vermieter ziehen es jedoch oft vor, Grundsteuer zu zahlen, statt sich auf Probleme einzulassen.

10.500 geschlossene Bars seit 2020

Das Ausmaß hat Zahlen: Laut Berichten des spanischen Senders TVE wurden seit 2020 10.500 Bars in Spanien geschlossen. Im Sektor kursiert die Prognose, dass 30% bis 40% der Bars wegen steigender Löhne und Kosten sowie Preiswiderstand der Kunden schließen könnten.

Parallel taucht der Begriff Stagflation auf: Kosten steigen ohne Wachstum. Ein Gastronom kann das allein nicht lösen, was Ärger über die Steuerpolitik und Energiepreise schürt, zwei Faktoren außerhalb seiner Kontrolle.

Schwarzarbeit und die Arbeitslosigkeit der Selbständigen

Wenn das Geschäft nicht läuft, entsteht schnell die Versuchung, Umsätze nicht zu deklarieren. Befürworter sprechen von einer Überlebensökonomie im Untergrund, nicht von Bereicherung: Ohne diesen Puffer würde das Lokal schließen. Das Gegenargument ist unbequem: Würden diese Betriebe dichtmachen, würden Hunderttausende Selbständige und indirekte Jobs von Nettozahlern zu Leistungsempfängern.

Viele Kunden ignorieren die Realität nach der Schließung. Angestellte erhalten Arbeitslosengeld; Selbständige bekommen kaum etwas und tragen oft Schulden bei Lieferanten und beim Finanzamt.

Mit diesem Bild wäre eine Welle von Schließungen und eine Umwandlung der Stadtteilbars zu erwarten. Doch das passiert nicht immer: Kaum schließt eine Bar, öffnet innerhalb weniger Wochen eine neue am selben Ort, mit anderem Namen und demselben Problem.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (168 Antworten).

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