Madrid führt seine 'Abgas-Polizei' ein mit Bußgeldern bis zu 3.000 Euro
Die Stadtverwaltung von Madrid hat eine Kontrollstelle für Emissionen eingerichtet, die bereits in der Stadt operiert. Die Verkehrskontrolleure (Agentes de Movilidad) verfügen über drei duale mobile Stationen, die in fünf Sekunden die Emissionen von Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Kohlenwasserstoffen, Hexan-Äquivalent und Sauerstoff bei Diesel-, Benzin- und LPG-Fahrzeugen messen können. Die Maßnahme wird vom Verband der technischen Prüfstellen für Fahrzeuge in der Region Madrid, AEMA-ITV, unterstützt, der sie positiv bewertet.
Das Verfahren ist auf dem Papier einfach: Wenn das Gerät Emissionen über den Grenzwerten feststellt, erzeugt es automatisch ein Dokument mit den gemessenen Werten und das Fahrzeug muss innerhalb eines Monats zur Hauptuntersuchung (ITV). Geschieht dies nicht, liegt die Strafe zwischen 750 und 3.000 Euro. Artikel 31 der Verordnung über Luftqualität und Nachhaltigkeit erlaubt den Beamten zudem, das Fahrzeug stillzulegen, wenn es die zulässigen Höchstwerte überschreitet oder wenn der Auspuffrauch die Sicht anderer Fahrer behindert.
Die Zahlen, die die Stadtverwaltung bereits vorliegen
Seit Juli 2021 haben die Verkehrskontrolleure 9.944 Fahrzeuge auf den Straßen der Hauptstadt überprüft, hauptsächlich durch visuelle Inspektion. Davon überschritten 998 (10 %) die vorgeschriebenen Emissionsgrenzen und wurden mit einer Geldstrafe belegt, verbunden mit der Pflicht zur technischen Untersuchung. Die Kontrollen wurden an Posten entlang der wichtigsten Ausfahrten der M-30 durchgeführt: Pirámides, Virgen del Puerto, Conde de Casal, Plaza José María Soler, Plaza de Castilla, Puente de Ventas, Plaza de Legazpi, Kreisverkehr Santa María de la Cabeza, Puente de los Franceses an der Avenida de Valladolid, Plaza Cristo Rey und Kreisverkehr San Vicente.
Die neuesten Daten des Fahrzeugarchivs der Region Madrid, Stand November 2023, zeigen in dieselbe Richtung: Bei 8,95 % der in den Madrider ITV-Stellen geprüften Fahrzeuge wurden schwerwiegende Mängel im Bereich Schadstoffemissionen festgestellt. Die Spanne zwischen diesen 8,95 % und den auf der Straße ermittelten 10 % deutet darauf hin, dass der fahrende Fahrzeugpark nicht so sauber ist, wie die Umweltplakette vermuten lässt.
Eine bereits bestandene ITV schützt den Fahrer nicht
Hier taucht der erste Konfliktpunkt auf. Ein Großteil der Kritik bezweifelt nicht das Umweltziel, sondern die rechtliche Sicherheit der Maßnahme. Das Königliche Dekret 920/2017 regelt die ITV und legt die Fristen für die zur Fahrt auf öffentlichen Straßen erforderliche Untersuchung fest. Wenn ein Fahrzeug seine regelmäßige Überprüfung bereits bestanden hat, auf welcher Grundlage wird dann eine Wiederholung aufgrund einer Straßenmessung erzwungen? Einige argumentieren, dass die Mitteilung des Verkehrskontrolleurs ungültig sei, wenn der Fahrer seine Überprüfungen aktuell hält, und dass die einzige echte Konsequenz für das Nichtbestehen der ITV eine Geldstrafe wäre, keine Stilllegung.
Das offizielle Gegenargument stützt sich auf die kommunale Verordnung selbst, die die Beamten ermächtigt, das Fahrzeug stillzulegen, wenn die Emissionshöchstwerte überschritten werden, insbesondere während Verschmutzungsepisoden und solange die Ursachen der Nichteinhaltung nicht behoben sind. Der Dissens ist daher nicht technischer, sondern kompetenzieller Natur: Wie weit kann eine Stadtverwaltung in einem Bereich gehen, der durch staatliche Vorschriften geregelt ist?
Diesel und Intransparenz: Der Test, der nicht bei der ITV gemacht wird
Ein technisches Detail, das in den Kommentaren kursierte, verdient Aufmerksamkeit. Bei Dieselfahrzeugen misst die ITV kein CO2: Sie beschränkt sich auf die Prüfung der Rauchdichte (Opazität). Wenn die mobile Station der Stadtverwaltung andere Parameter als die der regulären Inspektion misst, hätte der Betroffene ein starkes Argument gegen die Strafe, da ihm ein Test auferlegt würde, der bei der aktuellen ITV nicht durchgeführt wird. Dies ist die Art von Schlupfloch, das eine Geldstrafe in ein langes Verwaltungsverfahren verwandelt, das auch für die Verwaltung teuer ist.
Hinzu kommt der Verdacht der Selektivität. Die häufigste Kritik lautet nicht, dass kontrolliert wird, sondern wen man kontrolliert: Die Angst besteht darin, dass sich die Beamten auf alte Autos und Fahrer konzentrieren, die sich einen Neukauf nicht leisten können. Die B-Plakette schützt nicht vor einer Anhaltung, und der Besitzer eines alten Fahrzeugs könnte trotz gültiger Papiere Angst vor dem Fahren bekommen. In der Praxis funktioniert die Maßnahme wie eine versteckte Steuer auf ältere Fahrzeuge unter dem Deckmantel der Umweltkontrolle.
Von Madrid Central zur Abgas-Polizei: Der Wandel der Erzählung
Der politische Schwenk ist nicht unbemerkt geblieben. Wer versprach, Madrid Central sofort nach Amtsantritt abzuschaffen, setzt nun eine spezielle Truppe ein, um Emissionen auf der Straße zu messen. Die Ironie geht in beide Richtungen: Jene, die die Einschränkungen lobten, als sie von der Vorgängerregierung eingeführt wurden, verteidigen sie nun mit demselben Enthusiasmus, und jene, die sie als Angriff auf die Freiheit verurteilten, setzen sie nun um. Das Argument, dass „alle gleich sind“, findet hier seine nächste Bestätigung.
Der Aufruf zu einer motorisierten Demonstration gegen Madrid 360 und die Verordnung für nachhaltige Mobilität, geplant für den 4. Februar 2024 vom Verein der von Umweltbeschränkungen betroffenen Fahrzeuge, zeigt, dass der Konflikt nicht nur in Foren bleiben wird. Die Frage ist, ob sich die Unzufriedenheit in Stimmen niederschlagen wird oder sich, wie schon oft zuvor, in der Resignation des zahlenden und schweigenden Fahrers auflöst.
Was die ITV-Daten nicht sagen
Die 10 % der auf der Straße gebüßten Fahrzeuge sind eine auffällige Zahl, aber sie sollte mit Vorsicht gelesen werden. Die Stichprobe von 9.944 Fahrzeugen ist nicht zufällig: Sie wurde an festen Posten an bestimmten Ausfahrten der M-30 genommen, zu Zeiten und unter Bedingungen, die die Stadtverwaltung nicht detailliert angibt. Ein alternder Fahrzeugpark mit einem nicht spezifizierten Durchschnittsalter kann diesen Prozentsatz ergeben, ohne dass die Stadt in allen Bezirken gleichermaßen verschmutzt ist.
Der Verband AEMA-ITV beziffert die jährlichen vorzeitigen Todesfälle, die durch die nationalen ITV-Stationen vermieden werden, auf 575 aufgrund von Partikelexposition, gemäß einer Studie der Universität Carlos III von Madrid. Dies sind ernsthafte Gesundheitsdaten, aber auch ein Argument, das jede Kontrollmaßnahme rechtfertigt, einschließlich jener, die Einnahmen generiert. Die Grenze zwischen öffentlicher Gesundheit und Steuereintreibung ist in dieser Angelegenheit absichtlich verschwommen.
Es bleibt abzuwarten, ob die Stadtverwaltung die Messergebnisse mit derselben Detailliertheit veröffentlicht wie die Bußgelder. Bis dahin hat der Fahrer nur eine Gewissheit: Wenn er angehalten wird und das Gerät über dem Grenzwert liegt, hat er einen Monat Zeit, zur ITV zu fahren, sonst drohen bis zu 3.000 Euro. Der Rest ist Interpretation.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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