Madrid erlaubt Fahrten ohne Umweltplakette für Anwohner

Madrid genehmigt eine Änderung, die Fahrzeugbesitzern ohne Umweltplakette das Fahren in der Hauptstadt erlaubt, solange europäische Grenzwerte eingehalten werden.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Madrid erlaubt Fahrten ohne Umweltplakette für Anwohner
Madrid erlaubt Autos ohne Plakette und lässt Umsteiger alt aussehen

Ein Diesel-Pkw, zugelassen im Jahr 2000, der immer noch beim ersten Versuch anspringt. Sein Besitzer verkaufte ihn für einen Spottpreis, als der Ayuntamiento de Madrid (Stadtverwaltung) ankündigte, dass er nicht mehr in die Stadt fahren dürfe. Er kaufte einen Plug-in-Hybrid mit ZERO-Plakette, schloss ein fünfjähriges Darlehen ab und erfährt nun, dass der Ayuntamiento de Madrid diesen Monat eine Änderung der Verordnung über nachhaltige Mobilität genehmigen wird, die es Fahrzeugen ohne Umweltplakette, die in der Hauptstadt gemeldet sind, erlaubt zu fahren, sofern die europäischen Grenzwerte für die Luftqualität eingehalten werden. Die Genehmigung erlischt, wenn eine Messstation die europäischen Grenzwerte für Stickstoffdioxid überschreitet. Madrid hält die europäische Richtlinie zur Luftqualität seit vier aufeinanderfolgenden Jahren ein.

Die Überschrift des Threads fasst es mit Ironie zusammen: Glückwunsch den Madrilenen, die ihren unzerstörbaren TDI aus dem Jahr 2000 verkauften, um einen Plug-in-Hybrid zu kaufen. Die Maßnahme kommt, nachdem der Ayuntamiento vor Gericht Klagen im Zusammenhang mit den Umweltzonen verloren hat, wie in der Diskussion behauptet wird. Und sie kommt vor allem wenige Monate vor den Wahlen.

Was ändert sich genau für Autos ohne Plakette in Madrid?

Die Änderung betrifft Fahrzeuge ohne Umweltplakette, die in der Hauptstadt gemeldet sind. Sie dürfen durch die gesamte Stadt fahren, solange die europäischen Schwellenwerte für Stickstoffdioxid nicht überschritten werden. Es gibt keine definierte zeitliche Begrenzung: Die Genehmigung bleibt bestehen, solange die Richtlinie eingehalten wird. Allerdings haben spezielle ZBE (Zonas de Bajas Emisiones / Umweltzonen), wie die Plaza Elíptica, weiterhin ihre eigenen Regeln. Autos mit B- und C-Plakette dürfen durchfahren, aber Autos ohne Plakette müssen einen Umweg nehmen oder den Tunnel nutzen, wo ebenfalls Bußgelder verhängt werden. Im Zentrum von Madrid dürfen B- und C-Autos nicht durchqueren, obwohl sie in ein Parkhaus einfahren können.

Manche erinnern daran, dass die vorherige Verlängerung am 31. Dezember dieses Jahres auslief und dass die Genehmigung nun an die Einhaltung der Schadstoffgrenzen gebunden ist, ohne Ablaufdatum. Die Änderung ist daher nicht nur eine weitere Verlängerung: Es ist ein Wechsel der Kriterien.

Diejenigen, die bereits das Auto gewechselt haben: Die Kosten der Vorwegnahme

Der Vermögensschaden ist bereits eingetreten. Selbstständige und Privatpersonen, die sich verschuldeten, um sich an die früheren Vorschriften anzupassen, stellen fest, dass die Mühe unnötig war. Unternehmen, die ganze LKW-Flotten erneuerten, tragen nun Mehrkosten, die niemand ihnen erstatten wird. Die wiederkehrende Beschwerde ist die fehlende Rechtssicherheit: Was eines Tages Pflicht ist, ist am nächsten Tag verboten und umgekehrt.

Die Berechnung des Schadens ist nicht gering. Ein neuer Plug-in-Hybrid kostet rund 30.000 Euro; ein gut gepflegter TDI aus dem Jahr 2000 wurde für einen Bruchteil davon verkauft. Die Differenz, finanziert, wird über Jahre hinweg bezahlt. Und das alte Auto fährt derweil bei jemand anderem weiter.

Der juristische und wahltaktische Hintergrund des Kurswechsels

Die am häufigsten gelesene Interpretation ist, dass der Ayuntamiento vor Gericht Klagen gegen die ZBE verliert und dass die Änderung ein taktischer Rückzug ist, bevor die Justiz zu etwas Schlimmerem zwingt. Hinzu kommt der Wahlkalender: Der Urnengang rückt näher und die Regierungsmannschaft möchte im Wahlkampf sagen können, dass sie ihre Versprechen hält und ihre Meinung nicht ändert.

Es gibt eine andere Interpretation, eher ökonomisch als ideologisch: Die Aufrechterhaltung der Beschränkungen verursacht steigende politische und gerichtliche Kosten, und der Ayuntamiento hat entschieden, dass dies nicht lohnt. Umweltzonen sind Empfehlungen der EU, keine direkten Verpflichtungen, und die Stadträte entscheiden, wie sie umgesetzt werden. Das ist der Spalt, durch den der Kurswechsel schlüpft.

Gewinnen alte Autos an Wert?

Die kurioseste Konsequenz des Wandels ist die Auswirkung auf den Gebrauchtwagenmarkt. Wenn Autos ohne Plakette wieder in Madrid fahren dürfen, steigt die Nachfrage nach alten Gebrauchtwagen und damit die Preise. Wer einen gut gepflegten Diesel aus den 2000ern besitzt, könnte feststellen, dass sein Vermögen wertvoller ist als vor einem Jahr gedacht. Wer ihn verkauft hat, erleidet einen doppelten Verlust: den des Autos und den der Mehrkosten für das neue.

Nicht alle sehen das gleich. Ein Teil der Analyse behauptet, dass der Bestand ohne Plakette bereits marginal ist: Wenige Autos älter als zwanzig Jahre sind noch im Umlauf, und die verbleibenden sind klapprige Karren mit häufigen Problemen. Wenn das stimmt, ist die Maßnahme eher eine politische Geste als eine echte Veränderung der Luftqualität.

Was sich nicht ändert: Die Kameras bleiben dort

Auch wenn die Beschränkungen aufgehoben werden, wird das Überwachungssystem nicht abgebaut. Kameras und Kennzeichenleser bleiben installiert. Falls in Zukunft wieder beschränkt wird, ist die Infrastruktur bereits bezahlt und bereit. Dies ist das Argument, das diejenigen am meisten beunruhigt, die in der Maßnahme eine Klammer sehen, kein Ende.

Der Text der Änderung selbst liefert den Schlusspunkt: Die Genehmigung erlischt, wenn eine Messstation die europäischen Grenzwerte für Stickstoffdioxid überschreitet. Das heißt, die Erlaubnis dauert so lange, wie die saubere Luft anhält. Und Madrid hält die Richtlinie seit vier aufeinanderfolgenden Jahren ein. Vier Jahre. Genau die Zeit, die einige für ein Auto bezahlen, das sie nicht brauchten.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (131 Antworten).

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