Madrid: 1,12 Mio. € für Apartment mit Innenhofblick

In Madrids Retiro-Viertel kostet ein 180-m²-Apartment 1,12 Mio. €. Mit Steuern und Renovierung steigt der Preis auf fast 1,3 Mio. €, doch der Blick geht nur auf einen Innenhof.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Madrid: 1,12 Mio. € für Apartment mit Innenhofblick
1,12 Millionen Euro für 180 m² im Retiro – aber nur Blick auf den Innenhof

Wie viel kostet es, den Parque del Retiro in Madrid nur einen Spaziergang entfernt zu haben, ihn aber nicht sehen zu können? Ein 180 Quadratmeter großes Apartment im Viertel Retiro, mitten im Zentrum von Madrid, steht zum Verkauf für 1.125.000 Euro. Die Immobilie ist repräsentativ, alt (erbaut 1913), hell, ohne tragende Wände und hat das Energieeffizienzlabel A, was auf eine bereits durchgeführte tiefgreifende Sanierung hindeutet. Hier endet die Fassade. Wer nach draußen schaut, sieht nur einen Innenhof.

Das Problem ist nicht nur der Einstiegspreis. Mit Steuern und einer Komplettsanierung belaufen sich die tatsächlichen Kosten laut Berechnungen, die die Diskussion auslösen, auf mindestens 1.300.000 Euro; Schätzungen gehen bis zu 1,5 Millionen. Dafür erhält der Käufer ein altes Gebäude mit 270 Euro monatlichen Gemeinschaftskosten und einer Terrasse, die auf eine Mauer blickt.

Was bekommt man für 1,12 Millionen im Retiro-Viertel?

Die Zahlen variieren je nach Messmethode. Manche sprechen von 173 Quadratmetern, andere runden auf 180. Was niemand bestreitet, ist die Lage: eine der teuersten und begehrtesten Gegenden im Zentrum von Madrid, direkt am Park, mit U-Bahn und Infrastruktur in der Nähe. Das Gebäude ist alt, mit breitem Treppenhaus und edlem Parkett; das Umweltlabel A lässt vermuten, dass jemand erheblich in Dämmung und Fenster investiert hat.

Tatsächlich kauft man teuren Boden, verpackt in Wände. Ein 60-Quadratmeter-Apartment in derselben Gegend würde etwa 380.000 Euro kosten, was zeigt, wie stark jeder zusätzliche Quadratmeter in einem Viertel wiegt, in dem der Quadratmeterpreis zwischen 6.000 und 7.000 Euro liegt.

Ausblicke, die keine Sanierung reparieren kann

Hier bricht der Konsens. Der Innenraum kann abgerissen, umgestaltet und in ein modernes Apartment verwandelt werden: Da es keine tragenden Wände gibt, ist die Sanierung frei. Der Ausblick nicht. Und der Ausblick ist ein Innenhof. Eine ähnliche Anzeige an der Avenida de Menéndez Pelayo verspricht unglaubliche Blicke auf den Parque del Retiro für 1.500.000 Euro, enthält aber kein einziges Foto dieser Aussicht. In diesem Markt sagt diese Auslassung mehr als jede Beschreibung.

Manche schlagen vor, das Problem mit Kunst zu lösen: Fotos beauftragen und die Fenster mit Folien abdecken. Andere sind klar: Für dieses Geld ist es nicht einmal zur Hälfte interessant. Die Helligkeit rettet die Bilanz, aber ein Wohnzimmer mit Licht und ohne Landschaft bleibt ein Wohnzimmer mit einer Mauer davor.

Ist der Preis fair? Der Kampf um den Euro pro Quadratmeter

Es hängt vom Vergleich ab. Ein ähnliches Apartment in der Nähe, mit echtem Ausblick und bereits saniert, wird für 16.500 Euro pro Quadratmeter angeboten; dieses hier, mit kaputter Aussicht, geht für 6.500 Euro. Die Differenz von 10.000 Euro pro Quadratmeter ist genau das, was der Ausblick kostet. So betrachtet wäre das Apartment mit Innenhofblick preislich gerechtfertigt, sagen die Gemäßigten.

Skeptiker antworten mit einfacher Arithmetik: gut gezählte fünfzig Nutzquadratmeter, über eine Million und noch eine Baustelle vor sich. Die Spanne reicht von den 250.000 Euro, die jemand dafür zahlen würde, bis zur Überzeugung, dass es nahe der Million verkauft wird und zwar in weniger als 30 Tagen. Im Zentrum herrschen Knappheit und Postleitzahl, nicht Geschmack.



Wer kauft so ein Apartment?

Es ist nicht der Erstkäufer. Das Profil deutet auf eine Zweitwohnung für jemanden hin, der finanziell unabhängig ist: ausländisches Kapital oder Unternehmer aus der Provinz, die eine Adresse im Zentrum wollen. Auch der reine Investor taucht auf: Die Aufteilung der 180 Quadratmeter in sechs Zimmer und deren separate Vermietung bringt mehr Rendite als die traditionelle Vermietung eines ganzen Hauses.

Und der unangenehme Verdacht schwebt im Raum. Ein Teil der Analyse besagt, dass solche Transaktionen dazu dienen, Geld unklarer Herkunft zu platzieren, wobei Immobilien als Vehikel genutzt werden. Dies ist eine Hypothese über die Funktionsweise eines Marktes, kein bewiesener Fakt über dieses konkrete Apartment, und als Hypothese sollte man sie lesen.

Pozuelo, Boadilla oder ein Chalet am Meer

Mit 1,5 Millionen auf dem Tisch tut der Vergleich weh. In Gemeinden nordwestlich von Madrid wie Pozuelo oder Boadilla – faktisch Stadtviertel mit voller Infrastruktur – finden sich Villen mit Garten und Ausblick für weniger. In Galapagar gibt es eine große Villa für 600.000 Euro, und es bleiben noch 500.000 übrig. Und in erster Linie an der Küste von Cádiz bewegte sich ein Chalet mit über 13.000 Quadratmetern und täglichem Sonnenuntergang in derselben Preisklasse.

Die结论 drängt sich auf: Für den Preis, einen Innenhof im Retiro zu sehen, kann man das Meer sehen. Was beide Fälle trennt, ist nicht das Material, sondern das Label des Viertels.

Mit diesen Fakten ist es seltsam, wenn jemand 1,12 Millionen für ein Apartment mit Blick auf eine Mauer verlangt. Seltsamer ist noch, dass es Leute gibt, die das immer noch 'Ausblick' nennen.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (244 Antworten).

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