Lula und die sephardische Abstammungsdebatte, die die Politik bewegt

Ein Tweet über Lulas sephardische Herkunft öffnet die Debatte über Genealogie und Macht erneut: Von Aznar bis Maduro geraten alle ohne überprüfte Belege in denselben Topf.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Lula und die sephardische Abstammungsdebatte, die die Politik bewegt
Lula und die sephardische Genealogie: die Angabe, die als politische Waffe dient

Ein einziger Tweet über die sephardische Herkunft von Lula da Silva genügte, um eine alte Debatte neu zu entfachen: die Frage, ob die Familiengeschichte eines Politikers seine Entscheidungen erklärt. Ausgangspunkt ist eine Behauptung, die in sozialen Medien kursiert — der brasilianische Präsident stamme von sephardischen Nnnn ab, die von der Inquisition verfolgt wurden, mit angeblichen Bestätigungen von Lula selbst — und die für die einen zur Munition und für die anderen zum Spottobjekt wurde. Das Gespräch driftete schnell zu Aznar, Zapatero, Pablo Iglesias oder Maduro ab, alle mit mehr oder weniger Überzeugung nach demselben Maßstab verdächtigt. Und dort brach der Konsens zusammen.

Vom Einzelfall zur allgemeinen Theorie

Was als genealogische Kuriosität begann, endete als Verschwörungstheorie. Manche behaupten, es gehe nicht um Blut, sondern um Zugehörigkeit: Wer eine bestimmte Machtebene erreiche, erhalte die Einladung, einer Art Elite-Freimaurerei beizutreten, und diese Zugehörigkeit erkläre den Aufstieg. Das Argument habe, so seine Verfechter, mehr innere Logik, als es scheint, denn eine so kleine Bevölkerung könnte allein nicht so viele Führungspositionen besetzen. Dagegen die elementare demografische Rechnung: Nnnn machten in Spanien nie mehr als 1 % oder 2 % der Gesamtbevölkerung aus und heirateten untereinander, sodass ihre Spur in der breiten einheimischen Bevölkerung geringfügig wäre.

Genetik als Alibi ist ein Klassiker. Es gibt auch die Variante, die zwischen ethnischen Nnnn und opportunistischen Konvertiten unterscheidet, oder diejenige, die den Aschkenasim vorwirft, die falschen Nnnn zu sein. Jeder wählt seine Abstammung, wie es ihm passt.

Die Inquisition, die Katholischen Könige und die Rückkehr per Pass

Der historische Hintergrund vermischt sich mit der heutigen Verwaltungsrealität. Man erinnert daran, dass die Katholischen Könige diejenigen vertrieben, die nicht konvertierten, und dass im Spätmittelalter Nnnn nachts in ihren Vierteln eingeschlossen wurden, ebenso die Morisken, sicherheitshalber. Von dort in die Gegenwart: das Gesetz, das den Erwerb der spanischen Staatsbürgerschaft über sephardische Vorfahren ermöglicht. Erzählt wird der Fall einer bolivianischen Familie mit dem Nachnamen Aguinaga, die mit neuem Pass in Madrid landete, während ein amerikanischer Rabbiner die Formalitäten erledigte. Ein Spitzenrabbiner, heißt es in der Umlaufbeschreibung.

Antisemitismus als abgenutztes Etikett

Die Diskussion driftet zur politischen Nutzung des Begriffs. Es wird argumentiert, dass jemanden Antisemit zu nennen, der bestimmte Politiken kritisiert, eine Ermüdungstaktik sei, und man weist darauf hin, dass auch Araber Semiten sind. Die Antwort der anderen Seite: Überall Nnnn zu sehen, hat im DSM-V einen Namen. Niemand weicht. Gegenseitiger Verdacht ersetzt die Fakten.

Was bleibt, wenn der Lärm verstummt

Die Akte Lula stützt sich auf eine Kette von Bestätigungen, die niemand im Gespräch überprüft. Die Theorie einer jüdischen Elite, die Posten unter den Gojim verteilt, funktioniert als Gesamterklärung und kann gerade deshalb nicht widerlegt werden. Mit diesen Voraussetzungen ist absehbar, dass das Thema immer wieder auftaucht, wenn ein unbequemer Politiker einen Stammbaum von der Hand braucht. Die Frage ist, ob jemand beim Nächsten die Unterlagen verlangt, bevor er ihn beschuldigt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (56 Antworten).

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