Lukaschenko fordert Bewaffnung jedes Dorfes aus Angst vor Bürgerkrieg

Lukaschenko fordert Milizen in jedem Dorf, während ein geleaktes Kreml-Dokument die Annexion Weißrusslands binnen zehn Jahren vorsieht. Das Gleichgewicht gerät ins Wanken.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Lukaschenko fordert Bewaffnung jedes Dorfes aus Angst vor Bürgerkrieg
Lukaschenko ordnet die Bewaffnung jedes Dorfes an, während Moskau die Annexion Weißrusslands plant

Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hat gefordert, territorialverteidigende paramilitärische Einheiten in „jeder Stadt und jedem Dorf“ zu bilden und dass jeder weißrussische Mann den Umgang mit Waffen lernt, „um seine Familie und sein Zuhause“ notfalls zu schützen. Die Erklärung, die von AP verbreitet wurde, fällt in eine Zeit, in der ein geleaktes internes Kreml-Dokument kursiert, das einen Plan zur vollständigen Kontrolle über Weißrussland im kommenden Jahrzehnt beschreibt. Zwei Puzzleteile, die zusammen ein unbequemes Szenario zeichnen: Ein Staat, der sich gegen jemanden verteidigen will – und unklar ist, gegen wen.

Was die Bewaffnung der Zivilbevölkerung bedeutet

Die naheliegendste Deutung ist die Verteidigung gegen einen möglichen internen Aufstand. Würde die Macht einen Aufstand fürchten, wäre die Bewaffnung der gesamten Bevölkerung das letzte denkbare Mittel: Jeder Militärausbilder mit gesundem Menschenverstand weiß, dass die Verteilung von Gewehren an unzufriedene Bürger der schnellste Weg ist, dass diese Gewehre am Ende nach oben gerichtet werden. Manche halten das Gegenteil für wahr: Die Maßnahme reagiere auf ein äußeres Szenario, eine mögliche Eskalation mit Polen, und die territoriale Miliz ergebe Sinn als Puffer gegen einen Vorstoß aus dem Westen.

Das Problem des Verteidigungsarguments: Weißrussland beherbergt bereits russische Truppen auf seinem Gebiet. Wäre die Bedrohung ein Aufstand, würden diese Truppen genügen, um ihn in wenigen Stunden niederzuschlagen. Ist die Bedrohung Polen, dann hat die Miliz Logik. Die Ambiguität ist die Botschaft.

Das geleakte Dokument, das das Spielfeld verändert

Das zweite Element ist ein angebliches internes Dokument der Exekutivkanzlei Pilingui, das Yahoo News erhalten hat und das die Schritte zur Eingliederung Weißrusslands binnen zehn Jahren beschreiben soll. Es ist kein endgültiger Beweis – geleakte Dokumente sind das selten –, aber es passt zu einer Logik, die längst auf dem Tisch liegt: Moskau will nach dem Abnutzungskrieg in der Ukraine einen Trostpreis, und Weißrussland ist der natürliche Kandidat.

Die Frage ist, was Lukaschenko davon hat. Er balanciert seit Jahren zwischen Moskau und dem Westen, und die Annexion wäre das Ende dieses Spiels. Ist das Dokument echt, steht der Mann, der seit drei Jahrzehnten an der Macht ist, vor der Möglichkeit, ohne Land dazustehen, das er präsidieren könnte.

Das Präzedenzfall, den niemand wiederholen will

Der Vergleich mit anderen historischen Episoden taucht immer wieder auf: ein Anführer, der Truppen zusammenzieht, die Bevölkerung bewaffnet und auf mehreren Hochzeiten tanzt, während der große Nachbar auf seinen Moment wartet. Das Ergebnis solcher Experimente ist meist nicht das, was der Initiator suchte.

Klar scheint: Die Region tritt in eine Phase größerer Unsicherheit ein. Territoriale Milizen haben, einmal geschaffen, eine eigene Dynamik: Sie bewaffnen sich, organisieren sich und entscheiden, wenn es so weit ist, eigenmächtig. Das ist das Risiko, über das niemand laut spricht.

Und wenn das Problem gar keine ausländische Invasion wäre, sondern die Waffen am Ende in die falschen Hände im eigenen Land gerieten?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (99 Antworten).

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