Stoltenberg fordert, dass China für die Unterstützung Russlands zahlt
Der NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat gefordert, dass China für seine Unterstützung Russlands im Ukraine-Krieg bezahlt. Die in sozialen Medien verbreitete Erklärung wird von der Warnung begleitet, dass bereits Sanktionen gegen Peking vorbereitet werden. Das ist kein Einzelfall: Es ist die Bestätigung, dass der Ukraine-Konflikt aufgehört hat, regional zu sein, und sich zu einem globalen wirtschaftlichen Machtkampf entwickelt hat. Und die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten.
Was Stoltenberg genau gesagt hat und warum es wichtig ist
Die Botschaft, die dem NATO-Generalsekretär zugeschrieben wird, ist unmissverständlich: China muss dafür bezahlen, dass es Russland im Krieg gegen die Ukraine unterstützt. Das Zitat, das von Accounts mit internationalem Nachrichten-Fokus verbreitet wurde, fügt hinzu, dass die Sanktionen bereits vorbereitet seien und sich die Welt auf eine neue Teilung zubewege, diesmal vom Westen vorangetrieben. Der zeitliche Rahmen der Diskussion rückt die NATO als Akteur in den Mittelpunkt, der über das Militärische hinausgeht und voll in die Handelspolitik eintritt.
Die erste Folge liegt auf der Hand: Wenn das atlantische Bündnis von der Rhetorik zu Zöllen übergeht, tritt der Welthandel in eine Phase ein, die noch niemand in diesem Ausmaß erprobt hat. China ist nicht Russland. Sein industrielles Gewicht, seine Fähigkeit zur handelspolitischen Vergeltung und sein Netz von Abkommen mit dem Globalen Süden machen jede Sanktion zum Bumerang. Die Frage, die über der Sache schwebt, lautet nicht, ob es eine chinesische Antwort geben wird, sondern wie lange es dauern wird und wem es mehr schmerzen wird.
Das Argument, das die Erzählung entkräftet: Der Krieg begann nicht 2022
Einer der am häufigsten wiederholten Stränge der kritischen Analyse verweist auf einen grundsätzlichen Widerspruch. Stoltenberg hat eingeräumt, dass der Konflikt 2014 begann, im selben Jahr, in dem die NATO begann, die ukrainischen Streitkräfte auszubilden und zu bewaffnen. Wenn das stimmt, hält das Etikett eines „unprovozierten" Krieges, mit dem die Sanktionen gegen China gerechtfertigt werden, kaum stand. Es geht nicht darum, Moskau zu entlasten, sondern festzuhalten, dass die offizielle Erzählung Löcher hat, die die NATO selbst offengelassen hat.
Manche halten dagegen, dass die russische Invasion in der Ukraine unabhängig vom vorherigen NATO-Verhalten nicht zu rechtfertigen ist. Dagegen steht das Argument, dass das Ignorieren des historischen Kontexts die Außenpolitik zu einer Übung in selektiver Erinnerung macht. Beide Ebenen existieren in der Debatte ungelöst nebeneinander, und genau diese Spannung nährt das Misstrauen gegenüber Institutionen, die von den Bürgern wirtschaftliche Opfer verlangen.
China, die BRICS und der Fehler, den Rivalen wie einen Untertanen zu behandeln
Die zweite Front der Debatte ist strategischer Natur. Sanktionen gegen China treiben es endgültig in die BRICS, einen Block, der nach dieser Lesart den Westen wirtschaftlich und technologisch irgendwann übertreffen wird. Die These ist nicht neu, aber sie gewinnt an Kraft, immer wenn eine Zwangsmaßnahme angekündigt wird. Das Verhältnis zu Peking wird als verpasste Chance dargestellt: Statt aus eigenem Interesse zu verhandeln, wählt man die Rolle des Krawallmachers.
Das Gegenargument ist ebenso klar: Sich mit einem anderen Land gut zu stellen bedeutet nicht, ihm alles zu erlauben. Die Diskussion verlagert sich daraufhin auf raueres Terrain, mit wechselseitigen Vorwürfen über doppelte Standards in der internationalen Politik. Wirtschaftlich relevant ist, dass die EU und China eine handelspolitische Interdependenz pflegen, die keine Sanktion in zwei Nachmittagen auflöst. Und dass die Kosten eines Bruchs in erster Linie die europäische Wirtschaft tragen würde.
Wer die Rechnung bezahlt: der europäische Bürger und die Energiewende
Die dritte Achse ist der Geldbeutel. Die Warnung, dass „wir Ruderer der freien Welt den anstehenden Zoll bezahlen werden", fasst die Angst zusammen, dass der geopolitische Machtkampf in höhere Preise, weniger Exporte und mehr Arbeitslosigkeit endet. Die Energiewende fügt eine weitere Ebene der Komplexität hinzu: Europa liegt beim Anteil grüner Energie vor China, aber China produziert absolut mehr grüne Energie als die gesamte EU zusammen. Den wichtigsten Hersteller von Solarmodulen, Batterien und kritischen Komponenten zu sanktionieren beschleunigt die Dekarbonisierung nicht; sie verteuert sie.
Die Debatte driftete auch zum spanischen Arbeitsmarkt ab, wobei die einen Positionen die niedrigen Löhne auf Überregulierung zurückführen und andere sie mit struktureller Prekarität verknüpfen. Die Diskussion über China wurde am Ende zu einer Diskussion über das eigene Wirtschaftsmodell. Das ist kein Zufall: Wenn sich der internationale Rahmen spannt, sieht man die inneren Nähte besser.
Was jetzt passieren kann
Das sich abzeichnende Szenario hat zwei Zweige. Der erste ist eine Eskalation der Sanktionen, die China zwingt, sich für eine Seite zu entscheiden, und eine in Handelsblöcke geteilte Welt zementiert. Der zweite ist ein rhetorischer Machtkampf, der bei der Drohung bleibt und Verhandlungen ermöglicht, ohne das ganze Spiel zu zerschießen. Die russische Wirtschaft wächst laut IWF um 3,8%, eine Zahl, die den Befürwortern der Isolation Moskaus schwer zu schlucken ist. Wenn Russland durchhält, lautet die Frage, warum China es nicht tun sollte.
Die Prognose, mit Vorbehalt: Wahrscheinlich werden die Sanktionen gegen Peking angekündigt, halbherzig angewendet und mehr Lärm als echte Wirkung erzeugen. Was nicht zurückkommen wird, ist die Globalisierung, wie man sie kannte. Und das bedeutet für den europäischen Bürger etwas sehr Konkretes: mehr für dasselbe zu bezahlen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (99 Antworten).