Linksradikale Aktivisten nach Steinwürfen in Ceuta polizeilich geschützt

Linksradikale Gruppe reist in spanische Enklave Ceuta wegen Flüchtlingsbehandlung ein, erlebt feindlichen Empfang und benötigt Polizeischutz.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Linksradikale Aktivisten nach Steinwürfen in Ceuta polizeilich geschützt
Linksradikale Aktivisten nach Steinwürfen in Ceuta polizeilich geschützt

Warum können sich Linksradikale in Ceuta mobilisieren, Rechte aber nicht? Diese Frage durchzieht den Vorfall von Anfang an. Eine Gruppe von Aktivisten aus dem Umfeld der radikalen Linken reiste in die autonome Stadt Spaniens, aufgrund dessen, was sie als beispiellose Gewalt gegen Flüchtlinge beschreiben. Der Empfang war nicht der erwartete. Bewohner von Ceuta bewarfen sie mit Steinen, und die Policía Nacional musste eingreifen, um sie zu schützen. Den Berichten zufolge wurden die Aktivisten mit Mitgliedern einer baskischen Hilfsorganisation verwechselt, die Migranten humanitäre Hilfe leistet. Das Ergebnis: ein zerstörtes Auto, sowie die ceutische Abgeordnete Julia Ferreras und der malaguische Aktivist Rafa Borrego im Kreuzfeuer.

Was geschah bei ihrer Ankunft in Ceuta

Die Gruppe betrat den Hafen und stieß auf eine unerwartet feindselige Reaktion. Laut gesammelten Zeugenaussagen wurden die Neuankömmlinge von Anwohnern mit Steinen beworfen, die sie als Teil eines Netzwerks identifizierten, das angeblich den Migrationsdruck auf die Stadt verschleiert. Die Policía Nacional eskortierte schließlich die Aktivisten, um Schlimmeres zu verhindern. Aufnahmen eines Teilnehmers zeigen den Moment, in dem Verwirrung in Aggression umschlägt.

Manche weisen darauf hin, dass die radikale Linke institutionelle Unterstützung und öffentliche Finanzierung für Mobilisierungen hat, während die Rechte diese Infrastruktur nicht besitzt. Andere argumentieren das Gegenteil: Die Rechte muss nicht auf die Straße gehen, weil sie die Wirtschaftsmacht hat. Der Kontrast zum Vorfall mit Núcleo Nacional, der sofort nach seiner Ankunft vom Hafen verwiesen wurde, nährt die These einer ungleichen Behandlung.



Warum die Linke mobilisiert und die Rechte nicht

Die am häufigsten wiederholte Erklärung in der Analyse ist das Geld. Organisationen der Linken – Gewerkschaften, NROs, Kollektive – leben von öffentlichen Subventionen. Wer aus dem Haushalt bezahlt wird, hat Zeit und Ressourcen, um sich an einem beliebigen Dienstag in Ceuta niederzulassen. Die Rechte hingegen arbeitet. Diese Version gewinnt bei Beobachtern des Phänomens von außen an Gewicht.

Der Gegenpunkt ist nicht einhellig. Manche behaupten, die Rechte mobilisiere nicht, weil sie es nicht müsse: Sie kontrolliere das Kapital und damit die Erzählung. Die straßenpolitische Linke wäre der nützliche Arm des Systems, nicht sein Feind. Eine These, die ins Extreme getrieben, Aktivisten zu Angestellten genau jener Macht macht, die sie zu bekämpfen vorgeben.

Die vollständige Berechnung mit Namen und Subventionszahlen ist Material, das man in offiziellen Zusammenfassungen nicht findet. Wer die Aufschlüsselung wünscht, muss woanders suchen.

Die Verwechslung, die mit einem zerstörten Auto endete

Der meistdiskutierte Vorfall betrifft das angegriffene Fahrzeug. Eine Gruppe von Nachbarn verwechselte die Aktivisten mit Mitgliedern einer baskischen humanitären Hilfsorganisation und ließ ihren Zorn am Auto aus. Die Fehlidentifikation hinderte die Policía Nacional nicht daran, die Angegriffenen schützen zu müssen. Die Paradoxie ist offensichtlich: Wer kam, um Gewalt anzuprangern, wurde selbst Opfer davon.

Premierminister Pedro Sánchez äußerte sich zu den Ereignissen. In einer öffentlichen Botschaft verurteilte er die Normalisierung des Hasses und drückte seine Solidarität mit der Abgeordneten Ferreras, dem Aktivisten Borrego und der Anwältin Sofía Cánovas aus. Die institutionelle Reaktion beruhigte die Gemüter nicht.



Der Migrationshintergrund, den niemand betrachten will

Ceuta bleibt Epizentrum einer Spannung, die sich nicht durch Pressemitteilungen lösen lässt. Es wird behauptet, dass weiterhin Menschen über irreguläre Wege einreisen und niemand wisse, wie viele tatsächlich in der Stadt seien. Manche Berichte sprechen von Tausenden, die in Stadtteilen wie El Príncipe, in Privathäusern, Garagen und kleinen Räumen untergebracht sind. Die genaue Zahl ist ein Rätsel.

Die Diskussion wandte sich der Rolle Marokkos zu. Manche deuten den Migrationsdruck als Machtdemonstration des alawitischen Königreichs, um die Reaktionsfähigkeit Spaniens zu testen. Andere sehen darin ein Symptom extremer Schwäche des Staates. Beide Lesarten koexistieren ungelöst.



Wer steckt hinter dem Aufruf zur Mobilisierung

Unter den Organisatoren der Mobilisierung wird Abdellah Mustafá genannt, ein Aktivist aus Castillejos mit spanischem Ausweis, der einst von Risto Mejide interviewt wurde. Die Gruppe wird auch mit der vorangegangenen Mobilisierung gegen Núcleo Nacional, Alvise Pérez und Vito Quiles in Verbindung gebracht. Die Verbindung zwischen beiden Episoden stärkt die These eines organisierten Netzwerks mit Mobilisierungsfähigkeit.

Die schwebende Frage ist, ob diese Fähigkeit auf eine stabile Struktur oder eine Summe von Zufällen zurückgeht. Zum Zeitpunkt dieser Diskussion bleibt die Antwort offen.

Was noch zu klären bleibt

Der Fall lässt mehrere Unbekannte. Erstens, wie viele Menschen tatsächlich nach Ceuta eingedrungen sind und über welche Wege. Zweitens, ob der Migrationsdruck einer absichtlichen Strategie Marokkos folgt oder einem Kontrollzusammenbruch. Drittens, ob die radikale Linke erneut in der Stadt mobilisieren wird und mit welchem Empfang.

Inzwischen bleibt das Bild eines zerstörten Autos, einer eskortierten Abgeordneten und einer Gruppe von Aktivisten, die kamen, um Gewalt anzuprangern, und gingen, nachdem sie selbst Opfer geworden waren. Beim nächsten Mal, falls es eines gibt, sollten sie vielleicht die Nachbarn vorher warnen, wen sie besuchen werden.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (120 Antworten).

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