La Palma: 85 Tage Eruption, 215 Mio. m³ Lava

Die Cumbre-Vieja-Eruption dauerte 85 Tage und förderte 215 Mio. m³ Material. Unter der Insel liegen 400 km³ Magma.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

La Palma: 85 Tage Eruption, 215 Mio. m³ Lava
La Palma: Als 85 Eruptionstage 1.500 Häuser begruben

Seit Tagen registrierten die Seismografen Hunderte von Bewegungen unter dem Kamm des Cumbre Vieja. Dann öffnete sich die Erde. Eine 85-tägige Eruption begann, bei der 215 Millionen Kubikmeter Material gefördert und über 1.500 Häuser unter der Lava begraben wurden.

Niemand bestritt die Schwere des Phänomens. Diskutiert wurde – heftig und kontrovers – was berichtet wurde. Offizielle Daten trafen verspätet ein, TV-Livestreams wurden für andere Themen unterbrochen, und Drohnen, die über den Lavastrom flogen, wurden von der Polizei beschlagnahmt. In diesem Informationsvakuum wurden Tausende zu Amateurvulkanologen und begannen, den Vulkan ohne Vermittler zu beobachten.

Die Zahlen einer Eruption, die nicht müde wurde

Die vom Cumbre Vieja hinterlassenen Zahlen – in digitalen Foren inoffiziell als „Paco“ bezeichnet – sind kaum vorstellbar. In 85 Tagen förderte er 215 Millionen Kubikmeter Material. Zur Einordnung: Erste Schätzungen gingen von 11 Millionen Kubikmetern aus. Danach folgten 17, 20 und 26. Die Endzahl lag weit über der ersten offiziellen Prognose.

Lava mit 50 Kubikmetern pro Sekunde und Fontänen von 60 Metern Höhe. Ein kontinuierlicher Strom, der nach Berechnungen eines Beobachters „2.500 gleichzeitige Tanklastwagen“ erfordert hätte, um ihn mit Beton zu ersetzen. Der Lavastrom fiel 6,5 Kilometer vom Krater zum Meer, tilgte Ortschaften wie Todoque von der Landkarte und bildete ein neues Delta dort, wo zuvor Ozean war. Die Eruption zwang zudem zur mehrfachen Sperrung des Flughafens und zur Aussetzung des Schulunterrichts in fünf Gemeinden wegen Asche.

Auch das Krisenmanagement hinterließ Zahlen. 6.000 Menschen wurden evakuiert, 8 % der Inselbevölkerung. Ein weit verbreiteter Vergleich machte dies deutlich: Hätte man diese Quote auf die Comunidad de Madrid übertragen, hätten eine halbe Million Menschen evakuiert werden müssen. Wo waren diese Leute? Wo schliefen, aßen oder duschten sie? „Wir haben syrische Flüchtlinge häufiger gesehen als palmerische Evakuierte“, fasste eines der meistgelesenen Updates zusammen.

Der ungewollte Informationsblackout

Kritik an den offiziellen Informationen zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Prozess. Lokale Medien mit minimalem Budget und Handykameras leisteten bessere Berichterstattung als große Sender. Televisión Canaria unterbrach sogar einen Livebericht über die Eruption, um Impfstoff-Themen zu senden. Und wenn es nicht das Fernsehen war, dann die Polizei: Ein Privatperson, die ihre eigene Drohne zur Aufnahme des Lavastroms eingesetzt hatte, sah sich diese beschlagnahmt.

„Sie liefern makellose Informationen. Um diese Uhrzeit befindet sich die Lava in der Nähe von Panama“, ironisierte ein Nutzer. Ein anderer, technischer, kritisierte die Intransparenz: „Wir wissen nicht einmal, wie hoch der Vulkankegel jetzt ist. Geschätzt 100–140 Meter.“ Er fügte hinzu: „Es gibt keinen Verantwortlichen, der Medien, TV und Presse informiert; sie sind verwirrter als Sardinen im Pazifik und geben veraltete Informationen von vor zwei Tagen weiter.“

Das Ergebnis war eine Art improvisierter kollaborativer Journalismus: Copernicus-Satellitenbilder, ausländische Übertragungen, Amateur-Drohnenbilder und Transkripte von Pressekonferenzen. Alles war willkommen, um zu erfahren, wohin die Lava fließt, bevor es in den Nachrichten kam.

Asche, Laze und Risiken, die nicht in den Schlagzeilen standen

Während sich die Fernsehsender auf das pyrotechnische Spektakel konzentrierten, wurden in Foren Warnungen zur Chemie des Vulkans verbreitet. Die sogenannte vulkanische „Asche“ sei keine Asche, hieß es: Es sei pulverisiertes Gestein, das sich beim Einatmen durch die Feuchtigkeit der Lunge in Schlamm verwandelt. Wenn Lava auf Meerwasser trifft, wird Sand durch Abkühlung zu Glas; diese mikroskopischen Fragmente steigen mit dem Dampf auf und bilden das sogenannte „Laze“, ein Aerosol aus Kristallen, das beim Einatmen Lungengewebe schädigt.

Kein Alarmismus. Offizielle Daten bestätigten Partikelwerte über 200 Mikrogramm pro Kubikmeter in mehreren Gemeinden, was zur Sperrung des Flughafens und zur Schließung von Schulen führte. Der Geruch nach faulen Eiern erreichte die Westküste erstmals seit Beginn der Eruption. „Mein Haus ist von diesem Geruch durchdrungen, hoffentlich ist er nicht sehr giftig“, schrieb ein Anwohner.

Einige warnten, dass langfristige Exposition gegenüber diesen Gasen und Partikeln besonders für Menschen mit bestehenden Atemwegserkrankungen riskant sei. Andere fokussierten auf Brunnen und Wasserqualität: Bis dahin, so hieß es, sei kein spezifischer Plan für Mineralwasserversorgung oder systematische Analysen des Grundwassers im betroffenen Gebiet öffentlich kommuniziert worden.

Der Tsunami, der nie kam

Eines der am häufigsten wiederholten Argumente in den ersten Wochen war die Theorie vom Kollaps des Cumbre Vieja und einem daraus resultierenden Megatsunami, der die Ostküste der USA treffen würde. Diese Hypothese stammte von einem kalifornischen Universitätsprofessor. New Yorker Notfallpläne sahen einen möglichen, von den Kanaren ausgehenden Tsunami vor, was einigen Sektoren reichte, um ihn als fast unmittelbar zu betrachten.

Von Anfang an gab es technische Gegenargumente. „Diese Eruption entstand an der Basis des Kamms, daher bestand keine Gefahr, dass er bricht und ins Meer stürzt“, erklärte ein erfahrener Analyst. „Die Beben treten am Teneguía auf, auf 439 Metern Höhe. Der Cumbre Vieja ist 1.949 Meter hoch. Die Apokalypse wäre eine massive Explosion am Gipfel gewesen, und das ist nicht passiert.“ Die Zeit gab ihnen recht. Das Lavadelta, das das Meer erreichte, hat Gewicht, aber es versenkte keine Insel.

Dieses Ereignis hinterließ jedoch eine unbequeme Lehre: Geologische Minderheitentheorien mit jahrzehntelanger Geschichte wurden zu Trending Topics, während offizielle Stellen weiterhin keine klaren Daten zur tatsächlichen Zusammensetzung des Untergrunds und zur Dynamik des Erdbebenschwarms lieferten.

Experten, die sich nie einig wurden

Die Liste gescheiterter Vorhersagen könnte ein Handbuch für Krisenmanagement sein. „Sonntag vor der Explosion: Kein Bedarf, die Warnstufe zu erhöhen.“ „Es bleibt bei einer leichten Bodenwölbung und sonst nichts.“ „Kein Problem, wenn es das Meer erreicht, nur ein paar Fische sterben.“ „Die Lava erreicht das Meer Montag um 7:00, nicht um 8:00, Dienstag um 8:00 wird sie es nicht tun.“ „Der Vulkan kann einige Tage, ein paar Wochen oder Monate aktiv bleiben.“ Solche Aussagen kursierten in den Forum-Updates, zugeschrieben Pressekonferenzen und Erklärungen von Experten und öffentlichen Amtsträgern.

Vom IGN (Instituto Geográfico Nacional) auf den Kanaren wurde zudem ein neuer Begriff geprägt: „strombolianische Eruption mit kontinuierlich effusiver Dominanz“. Diese Mischung ist in der Vulkanologie zumindest diskutabel, da strombolianisch und effusiv nicht immer in derselben Definition koexistieren. „Entweder wusste er nicht, wie man es beschreibt, oder er griff auf einen Eruptionstyp mit wenigen wissenschaftlichen Präzedenzfällen zurück“, merkte ein Analyst an.

Ende 2021 festigte sich die Zahl: 85 Tage, 215 Millionen Kubikmeter. Die Lava erreichte das Meer und bildete ein neues Delta. Der Flughafen wurde mehrfach geschlossen und wieder geöffnet. Und im Dezember verstummte der Vulkan endlich.

Was danach kam: Das System lebt weiter

Was viele als Happy End betrachteten, war tatsächlich ein Zwischenspiel. Im März 2022 detektierte das seismische Netz einen „kleinen Anstieg“ auf La Palma. Laut den zitierten Thread-Updates migrierte das Magma weiterhin in der Tiefe und füllte den Hohlraum, den die Eruption hinterlassen hatte. Im Juli verlagerte sich der Erdbebenschwarm zum Teide, mit über 630 hybriden Ereignissen, die vom INVOLCAN innerhalb weniger Stunden erkannt wurden, alle geringfügiger Magnitude und lokalisiert zwischen 9 und 12 Kilometern Tiefe. Im September lenkte eine neue Aktivierung erneut den Fokus darauf: Geräusche, atemungsunfähige bläuliche SO2-Gase im gesamten Valle de Aridane und Nachbarn, die Erschütterungen in ihren Häusern spürten.

Eine in Scientific Reports veröffentlichte Studie – getragen vom INVOLCAN, der Universität Granada und dem Trofimuk-Institut in Nowosibirsk – bezifferte das Reservoir teilweise geschmolzenen Magmas unter La Palma auf 400 Kubikkilometer, gelegen zwischen 7 und 25 Kilometern Tiefe. Dies ist eine konservative Schätzung. Anders gesagt: Was 2021 austrat, obwohl monumental erscheinend, ist nur ein vernachlässigbarer Bruchteil dessen, was unten liegt.

Und hier kommt die schockierende Zahl: Die 215 Millionen Kubikmeter, die der Vulkan in 85 Tagen förderte, entsprechen 0,215 Kubikkilometern. Das Reservoir unter der Insel wird auf 400 Kubikkilometer geschätzt. Somit ist das, was 1.500 Häuser zerstörte, Todoque begrub und ein neues Delta schuf, weniger als ein Tausendstel dessen, was darunter liegt. Niemand weiß, wann es wieder aufsteigen wird, aber das System bleibt aktiv.



Den vollständigen Analysebericht mit Karten der Lavafelder, Transkripten der Pressekonferenzen und Satellitenbildern finden Sie in der Originalquelle.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (34051 Antworten).

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