Krugman: Asimows „Stiftung“ inspirierte seine Ökonomie

Paul Krugman bezeichnet Asimows „Stiftung“-Reihe als Grundlage seiner Wirtschaftstheorie und kritisiert Ayn Rands „Atlas schüttelt ab“.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Krugman: Asimows „Stiftung“ inspirierte seine Ökonomie
Krugman: „Asimows Stiftung war die Basis meiner Ökonomie“

Ein Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften behauptet, das Fundament seines Denkens sei nicht in einem akademischen Büro entstanden, sondern in einer Science-Fiction-Trilogie der fünfziger Jahre. Paul Krugman legte dies im Vorwort zu einer neuen Ausgabe der Saga Stiftung von Isaac Asimov dar, ein Text, den die britische Zeitung The Guardian unter einer unmissverständlichen Schlagzeile wiedergab: Asimows Romane seien die Grundlage seiner Ökonomie gewesen. Überflogen klingt die Aussage wie eine Späßelei. Gründlich gelesen ist sie eine Erklärung der Methode.

Daraus ergaben sich zwei Diskussionen, die kaum etwas miteinander zu tun haben: ob ein ökonomisches Modell aus einem Roman entstehen kann, und ob Krugman wirklich verstand, was Asimov schrieb.

Was Krugman über Asimov, Rand und Tolkien sagte

In seinem Vorwort verteilt der Ökonom Lob und Tadel. Von Atlas schüttelt ab von Ayn Rand behauptet er, die „unrealistische Fantasiewelt, die sie darstellt, kann den Charakter eines Mannes für immer verzerren“. Von Tolkiens Der Herr der Ringe merkt er lediglich an, es gehe „um Orks“. Dem stellt er Stiftung als seine eigene intellektuelle Genealogie gegenüber: „Ich wuchs nicht mit dem Wunsch auf, ein kantiger Individualist zu sein oder einer heroischen Mission beizutreten; ich wuchs mit dem Wunsch auf, Hari Seldon zu sein, der mein Verständnis der Mathematik menschlichen Verhaltens nutzt, um die Zivilisation zu retten.“

Es gibt ein Detail, das oft übersehen wird. Krugman besteht darauf, dass Stiftung „keine Science-Fiction“ sei, und ordnet interstellare Reisen und galaktische Imperien der Kategorie sekundärer Details zu. Was ihn interessiert, ist die Psychohistorik: eine fiktive Wissenschaft, die das Verhalten menschlicher Massen durch Mathematik vorhersagen kann. Für einen Ökonomen ist das kein Dekor. Es ist die Gründungsfantasie seiner Zunft.

Stiftung gegen Atlas schüttelt ab: Der jahrzehntelange Streit

Der Vergleich mit Rand ist nicht harmlos. Beide Bücher teilen sich Epoche und Ambition: Sie beschreiben zerfallende Gesellschaften und schlagen einen Ausweg vor. Rand setzt auf den außergewöhnlichen Individuum, das sich zurückzieht und das System fallen lässt. Asimov setzt auf eine wissenschaftliche Elite, die ohne zu regieren den Verfall aus dem Schatten verwaltet. Es sind zwei gegensätzliche politische Fantasien, verkauft als Literatur.

Literarisch neigt sich die Waage zu Asimov. Für viele Leser ist Atlas schüttelt ab eher ein ideologischer Backstein als ein Roman; Stiftung funktioniert als Erzählung, selbst wenn die Nähte sichtbar sind. Die Ironie besteht darin, dass Rands Werk zum Katechismus eines Liberalismus wurde, den Krugman bekämpft, während Asimovs Werk, geschrieben von einem Autor ohne explizites politisches Programm, Metaphern für die sozialdemokratische Technokratie lieferte.

Rettet Hari Seldon das Imperium? Das Einwand, der die Analogie bricht

Nein, und genau hier liegt die Schwäche des Parallels. In der Saga fällt das Imperium dennoch, mit Kriegen und Jahrzehnten der Barbarei dazwischen. Seldons Plan zielt nur darauf ab, die Interregnumszeit zu verkürzen, nicht den Zusammenbruch zu verhindern. Ein Ökonom, der sich als Seldon versteht, gesteht implizit ein, dass er den Untergang akzeptiert und sich damit begnügt, die Nachwehen zu managen.

Der zweite Einwand ist grundlegend. Die Psychohistorik funktioniert mit Massen und Statistik, nicht mit Individuen. Und in den Büchern sprengen Individuen den Plan immer wieder: Das Auftauchen des Mul ist der berühmteste Beweis dafür, dass das Modell zusammenbricht, wenn ein unberechenbarer Akteur erscheint. Auf die reale Ökonomie übertragen ist die Warnung unbequem: Große Aggregate lassen sich modellieren, bis ein Schwarzer Schwan sie widerlegt.

Die historische Basis: Asimov kopierte das Römische Reich

Man sollte sich daran erinnern, was Asimov selbst anerkannte: Der Niedergang und Fall des Galaktischen Imperiums ist vom Römischen Reich abgekupfert. Das Rohmaterial ist also keine prospektive Entdeckung, sondern recycelte antike Geschichte. Wer die Klassiker gelesen hat, braucht, so könnte man sagen, keine Psychohistorik, um zu sehen, wohin eine sich zersetzende Gesellschaft steuert.

Dies ist der häufigste Vorwurf gegen die angebliche Inspiration: Wenn das theoretische Gerüst auf einem Roman basiert, der seinerseits auf Geschichte fußt, ist der Mehrwert des Modells geringer als angepriesen. Die Literatur leiht die Metapher; die Analyse, falls sie existiert, muss woanders herkommen.

Vom Nobelpreis zum Buchclub: Die Drift der Debatte

Wie es oft passiert, wenn ein berühmter Ökonom über Bücher spricht, endete die Konversation dort, wo niemand sie erwartet hatte: bei Leseempfehlungen. Namen tauchten auf, die selten auf Bestsellerlisten stehen. Olaf Stapledon, dem zugeschrieben wird, Ideen gesät zu haben, die andere später nutzten. Philip K. Dicks Der Mann im hohen Schloss. Ted Chiangs Kurzgeschichten, ein Autor weniger Erzählungen und keiner Romane. Connie Willis und ihr Passengers. Auch der Hinweis blieb, dass Asimov in Kurzgeschichten besser sei als in langen Romanen, wobei Die letzte Frage als sein Meisterwerk zitiert wurde.

Es ist eine fast unvermeidliche Wendung. Ein Nobelpreisträger gesteht, dass sein mentales Rahmenwerk aus einer Saga von Raumschiffen und Psychohistorik stammt, und die Antwort, die er erhält, ist keine methodologische Debatte, sondern eine Liste von Empfehlungen. Das sagt etwas über das Niveau, auf dem Ökonomie diskutiert wird.

Die offene Frage ist nicht, ob Krugman Asimov richtig las, sondern warum die einflussreichste Ökonomie des letzten halben Jahrhunderts ihre Metaphern in der Science-Fiction suchen muss, um sich selbst zu erklären.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (114 Antworten).

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