Konsummuster entlarven die falsche Mittelschicht in Spanien

In Spanien geben sich viele als Mittelklasse aus, finanzieren aber Autos, Schulen und Reisen über Kredite. Experten warnen vor der Verschuldung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Konsummuster entlarven die falsche Mittelschicht in Spanien
Leben auf Pump: Die Schein-Mittelschicht in Spanien

Es gibt eine Realität in Spanien, in der sich Menschen als Mittelklasse bezeichnen, während sie gleichzeitig einen Kredit mit zwanzig Jahren Laufzeit unterschreiben. Dies ist keine rhetorische Übertreibung, sondern das Ergebnis einer wirtschaftlichen Debatte über die Indikatoren, die jene enttarnen, die glauben, einer Klasse anzugehören, die sie nie erreicht haben. Das Fazit ist unbequem. Fast alles, was zum Angeben genutzt wird – die Schule, das Auto, der Schmuck, die Reise – wird auf Kredit finanziert.

Nicht so wichtig ist, was gekauft wird, sondern wie bezahlt wird. Schulden sind die eigentliche Uniform dieser "Salon-Mittelklasse" (clase media de salón), und ihre verbreitetste Form ist der kreditfinanzierte Konsum: Ratenzahlung für den Einkauf im Supermarkt, das Handy oder die Handtasche. Manche fassen das Muster in einem Satz zusammen: Schulden aufnehmen, um Konsum zu decken, ist das klarste Zeichen für finanzielle Rückschritte. Es ist keine Metapher. In derselben Diskussion werden Fälle von Menschen erwähnt, die auf Schuldnerlisten stehen, weil sie Einkäufe in Kaufhäusern finanzierten und die Raten nicht mehr zahlten.

Die halböffentliche Schule als Statussymbol

Kaum ein Thema löst so viel Kontroversen aus wie die Bildung der Kinder. Das beschriebene Muster ist das von Eltern, die ihre Kinder auf eine "concertada" (halbstaatlich subventionierte Privatschule) schicken, monatliche Gebühren zahlen – meist um die 250 Euro – und dies so darstellen, als handle es sich um eine reine Privatschule. Der Trugschluss ist doppelt: Einen großen Teil der Kosten trägt die autonome Regionalverwaltung, und die Ausgaben der Familie machen niemanden zu etwas anderem.

Als Beispiel wird eine concertada-Schule in Madrid genannt, die der Jesuitenorden betreibt und die in bestimmten Stadtvierteln begehrt ist. Manche argumentieren, dass diese Nachfrage die Immobilienpreise in Gegenden wie Chamartín erklärt, und behaupten, dort seien auch Kinder prominenter Amtsträger zur Schule gegangen. Dieser Teil der Erzählung vermischt Schulkarte, Quadratmeterpreis und Status, weshalb er die Debatte anheizt.

Ein 60.000-Euro-Auto mit 400-Euro-Reifen auf der Straße

Das Automobil konzentriert einen großen Teil des Porträts. Der häufigste Fall ist das teure, finanzierte Auto, das anschließend schlecht gewartet wird: Ein Fahrzeug für 60.000 Euro auf Raten, dem man chinesische oder gebrauchte Reifen montiert, weil jeder einzelne 400 Euro kostet. Den Abschluss bildet die Parksituation: Ein Luxusauto steht nachts auf der Straße, weil 60 Euro pro Monat für eine Garage zu teuer erscheinen.

Dies ist kein Angriff auf Finanzierungsmöglichkeiten an sich. Mehrere Stimmen verteidigen genau das Gegenteil: Den Kauf eines Fahrzeugs auf Raten abzuschließen, ermöglicht es, es loszuwerden, wenn es defekt ist oder wenn ein Umzug ins Ausland kompliziert wird. Die Linie zwischen Werkzeug und Schaustück ist dünn, und die Diskussion einigt sich nicht darauf, wo sie verläuft.

Leben nur ein oder zwei Gehälter von der Armut entfernt

Hier wird die Diagnose härter. Die am häufigsten wiederholte Definition orientiert sich nicht am Gehalt, sondern am Puffer: Wer keinen einzigen Euro gespart hat und mehr ausgibt, als er verdient, führt ein vorgetäuschtes Leben, egal ob sein Gehalt tausend oder zehntausend Euro beträgt. Eine in der Diskussion kursierende Berechnung setzt die Schwelle bei einem Verdienst unter 3.000 Euro pro Monat, um zu schlussfolgern, dass die überwiegende Mehrheit des Landes zur Unterschicht gehört, ob sie es zugibt oder nicht.

Jeden Monat etwas zurückzulegen, erscheint als das entscheidende Signal, wichtiger als die Marke des Handys oder das Viertel. Am anderen Ende der Skala werden schonungslos Familien beschrieben, die bei Lebensmitteln sparen, den ganzen Monat Reis und Mehl essen, um sich ein Luxusauto leisten zu können oder mit etwas anzugeben. Die Indikatoren erstrecken sich auf die Freizeitgestaltung: Das Einkaufszentrum als Familienausflug, der größte Fernseher, der ins Möbelstück passt, die auffällige Uhr für einen Job ohne Qualifikation.

Die Woche auf den Kanaren und die Operation, die zwei Jahre wartet

Die Reise funktioniert als Prioritätentester. Beschrieben wird das Muster von jemandem, der 3.000 Euro für eine Urlaubswoche auf den Kanarischen Inseln ausgibt und danach fast zwei Jahre auf einen kleinen Eingriff wartet, der in der Privatmedizin etwa 1.000 Euro kosten würde. Es ist kein medizinisches Urteil, sondern eine Frage der Ausgabenreihenfolge. Ähnliches passiert beim 200-Euro-Dinner, um die angeheiratete Familie zu beeindrucken, das als Ereignis gefeiert wird, während zu Hause nur Fertiggerichte stehen.

Die Liste wird durch alltägliche Details vervollständigt, die als Fieberthermometer dienen: Schmuck einer erschwinglichen Marke, Kleidung vom Ausverkauf oder vom Flohmarkt, die als Design verkauft wird, ein iPhone, das über drei Jahre finanziert wird, Einkäufe im Kaufhaus, gerechtfertigt durch die Finanzierungsoption. Kleine Signale, die zusammen eine soziale Position zeichnen.

Wo die Analyse feststeckt

Und hier gerät die Analyse ins Stocken. Denn es gibt eine wirtschaftliche Lesart – Schulden, fehlende Ersparnisse, Einkommen unter der Schwelle – und eine psychologische, die von Komplexen und Neid handelt, die sich nicht messen lässt. Eine Strömung behauptet, all dies sei pure Unsicherheit und jeder lebe, wie er möchte; eine andere antwortet, dass die Angst, gut dazustehen, genau das verhindert, was angespart werden sollte. Beides kann wahr sein, und dort bleibt die Diskussion offen, ohne abgeschlossen zu werden. Das Einzige, was keinen Zweifel zulässt, ist, dass die Distanz zwischen Schein und Sein jeden Monat, auf Raten, bezahlt wird.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (309 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver