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KI überflutet deutsche Gerichte mit 4.500-seitigen Schriftsätzen
Deutsche Sozialgerichte erhalten Klagen von 4.500 Seiten, geschrieben von KI. In Baden-Württemberg sind Eilverfahren in einem Jahr um 60 % gestiegen.
KI überflutet deutsche Gerichte mit 4.500-seitigen Schriftsätzen
Was passiert, wenn eine Maschine in Sekunden schreiben kann, wofür ein Anwalt Wochen braucht? Der natürliche Filter verschwindet. In Deutschland verzeichnen die Sozial- und Zivilgerichte einen beispiellosen Anstieg von KI-verfassten Klagen – endlose Dokumente voller juristischer Paragraphen und Fachbegriffe, die oft Urteile zitieren, die gar nicht existieren. Ein Richter erhielt kürzlich ein KI-generiertes Rechtsgutachten von 4.500 Seiten. Und anders als Joyces Ulysses konnte er es nicht ungelesen ins Regal stellen.
Der Richter kann die 4.500 Seiten nicht ignorieren
Das Problem ist nicht, dass die KI hyperintelligent ist. Es ist, dass sie Unsinn schneller produziert, als Menschen ihn widerlegen können. Vor den deutschen Sozialgerichten, wo jeder Bürger ohne Anwalt klagen kann, hat fast jeder Kläger inzwischen einen kostenlosen Rechtsassistenten: ChatGPT. Die KI erzeugt in Sekunden endlose Gutachten, geschmückt mit erfundener Rechtsprechung. Jedes Dokument muss vollständig geprüft werden, auch wenn man schon auf Seite 2 sieht, dass es Unsinn ist. Denn theoretisch könnte auf der vorletzten Seite noch ein kohärenter Satz stehen.
Das Ergebnis ist ein messbarer Kollaps. In Baden-Württemberg stiegen die Eilverfahren vor den Sozialgerichten um 60 % innerhalb eines Jahres, die Streitigkeiten um das Bürgergeld (die staatliche Grundsicherung für Arbeitslose in Deutschland) nahmen um bis zu 80 % zu. In Bayern stiegen die Klagen zu dieser Leistung im ersten Halbjahr 2026 um 60 %. Während die Richter sich durch Abschweifungen kämpfen, stauen sich die Fälle. Menschen, die gegen Renten- oder Pflegeversicherungen klagen, warten Monat für Monat. Der Rechtsstaat verspricht, in angemessener Zeit zu entscheiden. Die Realität sieht anders aus.
Was das Justizministerium vorschlägt
Der Bundesjustizminister plant eine Reform des Prozessrechts mit Regelungen zu Format und Umfang der eingereichten Schriftsätze. Die Idee ist nicht neu: Bei öffentlichen Ausschreibungen gelten seit Jahren Klauseln, die den Umfang von Angeboten begrenzen, um Dokumente von Hunderttausenden Seiten zu vermeiden, die niemand liest. Der EuGH hat in seinen Verfahrensregeln bereits Seitenbegrenzungen. Was sich durch die KI ändert, ist die Größenordnung: Früher kostete ein Schriftsatz von 4.500 Seiten Wochen anwaltlicher Arbeit; heute kostet er Sekunden.
Manche gehen weiter und schlagen vor, die Gerichte mit künstlicher Intelligenz auszustatten. Eine Maschine verfasst die Klage, eine andere fasst sie zusammen, eine dritte formuliert das Urteil. Die KI würde dann entscheiden. Im Namen des Volkes oder im Namen der Roboter? Die Versuchung, die Justiz zu automatisieren, hat Befürworter und Gegner. Ersteres argumentiert, ein Richter, der Urteile gegen den gesunden Menschenverstand fällt, aber „rechtskonform", bringe auch nicht viel. Letzteres erinnert daran, dass die KI nicht hyperintelligent sein muss, um Institutionen zu schwächen: Es reicht, wenn sie Unsinn schneller produziert, als wir ihn widerlegen können.
Erfundene Urteile haben bereits Präzedenzfälle
Das Problem der falschen Zitate ist nicht theoretisch. Der bekannteste Fall ist Mata gegen Avianca in New York im Jahr 2023: Ein Anwalt reichte ein Schriftstück mit Präzedenzfällen ein, die ChatGPT erfunden hatte, und der Richter verhängte eine Sanktion. Seitdem gab es ähnliche Fälle in anderen Ländern. Die Regel, die sich durchsetzt, ist einfach: Wer unterschreibt, haftet für jedes Zitat – ob er es selbst geschrieben hat oder eine Maschine. In Deutschland multipliziert die Kombination aus Klägern ohne Anwalt und kostenlosen KI-Rechtsassistenten das Risiko.
Die wahrscheinlichste Lösung sind Vorlagen und Seitenbegrenzungen bei Verfahren ohne Anwalt. Problem gelöst. Oder so sagen sie. Denn wenn die KI etwas bewiesen hat, dann, dass sie, sobald sich eine Tür schließt, ein anderes Fenster findet, um 4.000 Seiten hineinzuwerfen. Und jemand muss sie lesen. Im Namen des Volkes, natürlich.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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