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Kana Azuma: "Spanien muss sein gesamtes Bahnsystem überprüfen"
Kana Azuma, japanische Hochgeschwindigkeitsexpertin, erklärt, dass menschliches Versagen nicht ausreicht, um zwei Unfälle mit über 115 Toten innerhalb von neun Monaten in Spanien zu erklären.
Eine japanische Expertin macht das System verantwortlich, nicht den Fahrdienstleiter
Zwei Bahnunfälle mit mehr als hundert Toten innerhalb von neun Monaten. Adamuz, Urda. Die Zahl — mindestens 115 unwiederbringliche Verluste — ist keine isolierte Tragödie mehr, sondern ein Muster. Und die Erste, die das ungeschönt ausspricht, ist keine spanische Autorität: Es ist Kana Azuma, Gründerin des Instituts für Bahntrendforschung in Japan, dem Land, das seit sechs Jahrzehnten Hochgeschwindigkeitsverkehr ohne einen einzigen Todesfall betreibt. Ihre Diagnose zielt nicht auf menschliches Versagen. Sie zielt auf die vielfältigen Schutzebenen, die hätten verhindern müssen, dass dieser Fehler zur Katastrophe wird.
Menschliches Versagen ist nicht die Erklärung, sondern der Ausgangspunkt
Die erste Reaktion in Spanien war, den Fahrdienstleiter verantwortlich zu machen. Azuma zerlegt das mit elementarer Logik: "Menschen machen Fehler. Genau deshalb brauchen Züge mehrfache Sicherheitsmechanismen, die garantieren, dass ein einzelnes Versagen nicht in einer Katastrophe endet." Auch in Japan gibt es menschliche Fehler, aber die Untersuchung endet nicht dort. Die richtige Frage, sagt sie, lautet, warum die Organisation und ihre Systeme nicht verhindern konnten, dass der Fehler zur Tragödie wurde.
Das japanische Modell beruht auf eigenen, von konventionellen Strecken getrennten Gleisen, dem Fehlen von Bahnübergängen und der automatischen Geschwindigkeitsüberwachung durch das ATC-System. Aber etwas ist schwerer per Gesetz zu regeln: die Bereitschaft, Züge bei jedem Zweifel anzuhalten. Unerklärliche Geräusche, Personen auf den Gleisen, Regenfälle über dem Grenzwert, Erdbebenwarnungen. Jedes Signal stoppt den Betrieb. "Als Fahrgäste sind wir manchmal frustriert über Verspätungen, aber ich glaube, diese Unterbrechungen zeigen, wie tief das Prinzip verankert ist, die Sicherheit über alles andere zu stellen."
Wie viel ist Technik, wie viel Bahnkultur?
Beides, antwortet die Expertin. Die modernste Technik hängt an Menschen, die sie bedienen, überwachen und warten. Azuma betont die Sorgfalt, mit der japanische Bahnbeschäftigte Verfahren befolgen und Verantwortung übernehmen. Keines der beiden Elemente ersetzt das andere. Es ist eine verhüllte Warnung an alle, die glauben, der Kauf neuer Züge genüge.
Die Wartung ist der andere Pfeiler. Nach Schätzungen der Branche gibt Spanien nur die Hälfte des europäischen Durchschnitts für die Instandhaltung der Infrastruktur aus. Azuma lässt das nicht unkommentiert: "Wesentliche Instandhaltung darf niemals zugunsten von Kosteneinsparungen vernachlässigt werden." Vernachlässigte Inspektionen oder die Erneuerung von Gleisen, Signaltechnik, elektrischen Anlagen und Fahrzeugen führen zu schweren Unfällen. Die japanischen Unternehmen investieren erhebliche Summen in die Modernisierung ihrer Infrastruktur. Diese Diskrepanz, sagt sie, verdient eine gründliche Analyse.
Zwei Katastrophen in neun Monaten: Problem eines Unternehmens oder nationale Verantwortung?
Hier ist Azuma unmissverständlich. Es ist nicht das isolierte Problem eines einzelnen Unternehmens, es ist "eine nationale Verantwortung, die den Schutz von Menschenleben betrifft". Die Überprüfung muss das gesamte Bahnsystem umfassen: Wartungsbudgets, Zustand der Infrastruktur, Betriebsführung. Eine unabhängige Untersuchung muss klären, ob strukturelle Mängel bestehen, und ihre Ergebnisse in konkrete Verbesserungen umsetzen.
Und wenn so etwas in Japan geschähe? "Die Menschen wären wütend." Es wäre eine Angelegenheit von höchster nationaler Bedeutung, würde die Medien beherrschen und eine Welle der Kritik auslösen. Bahnmanager müssten sich verantworten. Das Verkehrsministerium müsste zu seiner regulatorischen Aufsicht Stellung nehmen. Der Präzedenzfall von 2005, mit 107 Toten bei einem Entgleisungsunfall, markierte einen Wendepunkt in der japanischen Sicherheitskultur.
Korruption als Variable, die Japan nicht kennt
Über dem spanischen Fall schwebt ein Verdacht, den die Expertin nicht anspricht, der aber jedes Gespräch über das Thema durchzieht: das Verhältnis der politischen Klasse zu staatlichen Unternehmen. Adif, Renfe, REE, Navantia. Solange die Ursache nicht beseitigt wird, bleibt die technische Diagnose zu kurz. Die Frage, die Azuma in der Luft lässt — an welcher Stelle die Systeme versagten — hat eine unbequeme Antwort, wenn das Versagen bei denen liegt, die sie entwerfen, finanzieren und überwachen.
Mit sechs Jahrzehnten ohne Todesfall im Shinkansen ist Japan kein perfekter Spiegel. Aber sein Prinzip, den Zug beim geringsten Zweifel anzuhalten, kostet nichts. Es hier anzuwenden würde mehr erfordern als ein Protokoll: es würde verlangen anzuerkennen, dass Pünktlichkeit nicht mehr wert ist als ein Menschenleben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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