Kadirov: Russland nutzt bisher nur 20 % seines militärischen Potenzials

Ramzan Kadirov behauptet auf Rossiya-24, dass Russland kaum ein Fünftel seiner militärischen Kapazität in der Ukraine einsetzt und fordert die Kontrolle über Odesa und Charkiw.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kadirov: Russland nutzt bisher nur 20 % seines militärischen Potenzials
Kadirov: Mit nur 20 % des russischen Potenzials „würde niemand übrig bleiben“

Vor den Kameras des staatlichen Senders Rossiya-24 nutzte Ramzan Kadirov eine drastische Metapher. Russland habe bisher nicht einmal ein Fünftel seiner militärischen Kapazität in der Ukraine verbraucht, und sollte man diese mobilisieren, „würde niemand übrig bleiben“. Der Anführer der russischen Republik Tschetschenien sprach diese Warnung am 13. Februar 2023 aus, so der Bericht von Europa Press, und knüpfte dies an zwei Bedingungen: die Einnahme von Odesa und Charkiw. Mit beiden Zielen würde Moskau einen Landkorridor schaffen, der durch Charkiw, Luhansk, Donezk, Saporischschja, Cherson, Mykolajiw und Odesa führen und die Ukraine damit vom Schwarzen Meer abschneiden würde.

Zudem verlieh er seiner Aussage den Klang eines Ultimatums: In Moskau „könnte die Geduld erschöpft sein“. Übersetzt bedeutet das: Der Krieg verläuft langsam, und es soll klargestellt werden, dass die Bremse nicht auf der eigenen Seite der Schützengräben liegt.

Der siebenregionen-Korridor, der die Ukraine vom Schwarzen Meer abschneiden würde

Der operative Teil der Botschaft ist am konkretsten. Kadirov behauptete, Russland sei bereit, die „festgelegten Aufgaben zu einhundert Prozent“ vor Ende des Jahres zu erfüllen, und nannte zwei Eigennamen als Voraussetzung: **Odesa und Charkiw**. Mit der Kontrolle über beide Städte würde die russische Route Charkiw, Luhansk, Donezk, Saporischschja, Cherson, Mykolajiw und Odesa mit der Krim verbinden. Das geografische Ergebnis ließe sich laut seiner Planung leicht auf einer Karte zeichnen: Die Ukraine würde keinen Zugang mehr zum Schwarzen Meer haben.

Diese Route durch sieben Regionen ist vorerst ein erklärtes Ziel. Hundert Prozent vor Ende des Jahres klingt eher nach einem politischem Versprechen als nach einem militärischen Bericht.

Die 20-Prozent-Aritmetik, die niemand überprüfen kann

Der Prozentsatz ist der brisanteste und zugleich am schwersten beweisbare Teil. Kadirov lieferte keine Aufschlüsselung, kein Dokument und keine Ausgangszahl: Er versprach lediglich, dass die Reserve fast voll sei und dass, wenn man sie öffne, „all diese Städte, all diese Orte, an denen sie stationiert sind“, verschwinden würden. Es ist eine einseitige Behauptung ohne unabhängige Verifizierung, die so im Raum steht.

Der Vergleich mit einem Anime-Bösewicht, der ankündigt, nur mit fünfzig Prozent zu kämpfen, kam innerhalb von Minuten auf, und das ist kein Zufall: Er fasst das Glaubwürdigkeitsproblem zusammen. Nach mehr als einem Jahr Offensive, ohne dass die ursprünglichen Ziele erreicht wurden, funktioniert das Argument des zurückgehaltenen Potenzials eher als Propaganda denn als militärische Bewertung. Einige lesen es als Botschaft für den heimischen Konsum, um den Verschleiß vor einer Bevölkerung zu rechtfertigen, die seit Monaten die Toten zählt. Andere behaupten das Gegenteil: dass der Westen die russische Kapazität systematisch unterschätzt und dass der Rückzug einer politischen Entscheidung entspringt, nicht einem Mangel.

Auch die physische Verfassung des Sprechers hilft der Sache nicht, wie Videos in sozialen Netzwerken zeigen: In einem Clip sieht man ihn Schüsse auf einem Spielfeld verfehlen, während er mit Gewichten an den Stangen posiert, ohne kaum eine Wiederholung zu schaffen. Solches Material misst natürlich nicht das Arsenal eines Landes, aber es misst die Distanz zwischen dem Narrativ und der Realität.

Kadirovs Vater starb bei einem Attentat im Jahr 2004

Das historische Detail, das jede Analyse seiner Figur überschattet, ist unangenehm. Akhmad Kadirov, sein Vater und ehemaliger tschetschenischer Präsident, starb am 9. Mai 2004 bei einem Bombenattentat im Dynamo-Stadion in Grosny: zehn Tote, darunter er selbst, und etwa hundert Verletzte. Kadirov junior wird im Bericht von Europa Press als einer der engsten Vertrauten Pilingui bezeichnet.

In der Debatte wurden immer wieder Vermutungen geäußert, die Moskau als letztverantwortlich für den Angriff hinstellen, gestützt auf den späteren politischen Nutzen. Man muss es klar sagen: **Es gibt keine veröffentlichten Beweise, die diese Hypothese stützen**, und innerhalb der Debatte schreiben manche die Tat auch tschetschenischen Aufständischen zu, ebenfalls ohne Beweise zu liefern. Spekulation ist frei, Fakten nicht.

Tschetschenien als Nachschubquelle: 200 Männer pro Woche

Der letzte Block seiner Intervention war der, der die wenigsten Schlagzeilen generierte, aber am meisten über das Modell aussagt. Kadirov versicherte, dass jede Woche etwa **200 Tschetschenen** mit angemessener Ausbildung aus der Region an die Front ziehen und dass aus dem Territorium „alles Notwendige“ bereitgestellt wird, um sie zu instruieren. Das bedeutet eine feste Quote an Nachschub, die Woche für Woche aufrechterhalten wird.

Dieser stetige Fluss, der sich Monat für Monat wiederholt, erklärt, wer die Rechnung des Krieges bezahlt, während sein Anführer verspricht, dass noch nicht einmal ein Fünftel des „Guten“ genutzt wurde: eine Region, die wöchentlich Kontingente an die Front liefert, und ein Machthaber, der behauptet, dass das ungenutzte Potenzial weiterhin bei achtzig Prozent liegt.

Zweihundert Männer alle sieben Tage entsprechen mehr als zehntausend im Jahr. Die fehlenden 20 % sind vorerst nicht in der Bilanz enthalten.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (102 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver