F-16 in der Ukraine: Der Su-35-Abschuss, den niemand bestätigt

Ein brennender Su-35 am Boden reöffnet die Debatte: Wurde er von einer F-16 abgeschossen oder war es ein technischer Defekt? Die Bilder beenden die Diskussion über die ukrainische Flotte nicht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

F-16 in der Ukraine: Der Su-35-Abschuss, den niemand bestätigt
F-16 in der Ukraine: Der Su-35-Abschuss, den niemand bestätigt

Ein einsitziger Kampfjet, verschrottet, aber als Ganzes, brennend am Boden. Das ist das Bild, auf dem das gesamte Argumentationsgebäude derjenigen ruht, die bestreiten, dass eine F-16 einen russischen Su-35 abgeschossen hat. Wenn eine Rakete trifft, so heißt es, verteilten sich die Trümmer über einen weiten Radius. Das Flugzeug bleibt nicht liegen. Und trotzdem veröffentlichte die ukrainische Luftwaffe das Video des brennenden Apparats, und manche behaupten, eine AWACS-Besatzung hätte den Abschuss aus der Luft bestätigt.

Die Sache hat mehr Facetten, als es scheint. Nach einer Berechnung, die im Thread kursiert, verfügte die Ukraine über rund fünfzig F-16 und hätte seit Beginn vier Maschinen verloren. Bei diesem Tempo würde die Flotte weiter wachsen. Die Frage der Überschrift —wer erinnert sich noch an die F-16— beantwortet sich von selbst: Man erinnerte sich genau an dem Tag, an dem eine von ihnen angeblich das Feuer eröffnete.

Der Abschuss des Su-35: Was die Bilder zeigen und was nicht

Das Video zeigt einen brennenden Su-35 am Boden. Für einen Teil der Analyse schließt das einen Raketenabschuss aus: Ein AMRAAM- oder Patriot-Treffer lässt den Rumpf nicht unversehrt. Die alternative Hypothese ist ein technischer Defekt, der das Flugzeug ins Trudeln gebracht haben soll. Manche behaupten, russische Piloten hätten mit „vielen technischen Defekten“ zu kämpfen, vor allem wenn ukrainische Flugzeuge in der Nähe sind. Die Ironie ist das Markenzeichen des Hauses.

Demgegenüber behaupten manche, die offizielle ukrainische Version und die russischen Fachseiten —die unkontrollierten— hätten den Abschuss bestätigt. Eine F-16 kehrte zum Stützpunkt zurück, im Wissen, das Feuer eröffnet zu haben. Am selben Tag stürzte ein Su-35 auf russischem Gebiet ab, außerhalb der ukrainischen Kontrolle. Die zeitliche Übereinstimmung ist das stärkste Argument derjenigen, die den Abschuss bejahen — und zugleich das leichtest zu widerlegende: Zufälle gibt es.

Warum diskutiert wird, ob sich eine F-16 einem Su-35 nähern konnte

Hier kommt die Doktrin ins Spiel. Die Su-35 operieren nicht allein: Sie fliegen unter dem Schirm der S-400- und S-500-Systeme. Ihr Erfassungsradar soll 400 Kilometer reichen. Mit diesen Zahlen auf dem Tisch behaupten manche, es sei unmöglich, dass sich eine F-16 auf weniger als 300 Kilometer nähert, ohne entdeckt zu werden, und dass der Su-35 früher gefeuert hätte, sogar gegen die AWACS. Die logische Schlussfolgerung dieser Überlegung: Der Abschuss kann nicht stattgefunden haben.

Das Gegenargument ist weniger technisch und unbequemer: Wenn keine ukrainischen Flugzeuge in der Nähe waren, wer hat dann die Bilder des brennenden Flugzeugs aufgenommen? Die Frage bleibt in der Luft hängen. Der Vergleich mit dem indischen Fall —drei Flugzeuge unterschiedlicher Herkunft, die zur leichten Beute wurden, weil sie ohne Koordination operierten— zeigt, dass Doktrin zählt, aber den konkreten Fall nicht löst.

Die F-35 und die Wende der Debatte zum westlichen Schrott

Wenn der Austausch über den Su-35 erschöpft ist, springt die Konversation zur F-35. Nach einer veröffentlichten Information soll ein italienischer Pilot erklärt haben, dass die Erfassungs- und Warnsysteme des US-Kampfjets wiederholt ausgefallen seien und neu gestartet werden mussten. Die Info dient als Munition: Wenn die F-35 versagt, ist die westliche technologische Überlegenheit nur eine Erzählung. Die Antwort: Die F-35 ist kein Abfangjäger, und in diesem Kontext war sie nicht im Kampfeinsatz.

Die Liste des angeblich entscheidenden westlichen Materials wird mit Häme aufgesagt: die M777, die Storm Shadow, die PzH 2000, die Abrams, die Bradleys, die Leopards, die Patriots, die Caesar, die Guepards, die Challengers, die F-16. Die gezogene Schlussfolgerung: Der NATO-Schrott ist Schrott, und obendrein teuer. Das Argument hat ein Problem: Dieselbe Liste diente je nach Tag dazu, russische Niederlagen oder russische Siege zu verkünden.

Was seit der Ankunft der F-16 passiert ist

Der Thread beginnt mit einer Nachricht vom August des Vorjahres und fährt mit einer aktuelleren fort. Die Entwicklung spiegelt eine Debatte wider, die mit der Feier der Ankunft der Jets begann und damit endet, ob eines der Geräte überhaupt etwas abgeschossen hat. Die kursierenden Zahlen —fünfzig Maschinen, vier Verluste— deuten auf eine wachsende Flotte hin. Für manche ist das der Beweis, dass die russische Drohung, sie gleich nach der Ankunft zu zerstören, „eine Schwindelei“ war. Für andere ist es der Beweis, dass die F-16 nichts Relevantes leisten.

Die Pattsituation ist die gewohnte: Ohne unabhängige Bestätigung des Abschusses nimmt jede Seite die Deutung, die ihr passt. Das Video des brennenden Su-35 existiert. Was nicht existiert, ist eine Erklärung, die alle zufriedenstellt, wie es dorthin kam.



Technischer Defekt oder Rakete? Die Frage bleibt ohne abschließende Antwort — und wird es vermutlich auch bleiben.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (99 Antworten).

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