Junk-Silber: Alte Münzen erzielen Spotpreis oder Aufschlag

Junk-Silber – Silbermünzen mit einem Feingehalt unter 900 Tausendstel – wird inzwischen zum Spotpreis oder mit Aufschlag verkauft. Der Markt hat sich in einem Jahrzehnt verändert, die Raffinierung…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Junk-Silber: Alte Münzen erzielen Spotpreis oder Aufschlag
Junk-Silber: Wenn die alte Münze mehr wert ist als ihr Silber

Eine französische 50-Francs-Münze mit 90 % Silbergehalt wird für 22 Euro gehandelt, während das enthaltene Metall rund 19,5 wert ist, so die Preise, mit denen Liebhaber rechnen. Ein abgegriffener, geschwärzter Pakillo ohne sichtbaren Stern, so die Vertreter dieser Münzart, besitzt mehr inneren Wert als ein 500-Euro-Schein. Und doch bleibt das sogenannte Junk-Silber – Münzen unter 900 Tausendstel Feingehalt, von amerikanischen Dimes bis zu den spanischen Zwei-Peseta-Stücken – für den durchschnittlichen spanischen Anleger weitgehend unbekannt. Er zahlt lieber zweistellige Aufschläge für eine Feinsilberunze, als sich mit historischem Kleingeld die Hände schmutzig zu machen.

Das Thema ist nicht neu. Es wird seit über einem Jahrzehnt diskutiert: ob sich das Silber einer Münze unabhängig von ihrem Anteil raffinieren lässt – was möglich ist –, ob der innere Wert eines Stücks dem der enthaltenen Metalle entspricht, und ob es in einem Hyperinflationsszenario leichter wäre, einen Pakillo als einen Kookaburra bei einem Juwelier, einem Goldankauf oder dem Nachbarn loszuwerden.

Was ist Junk-Silber und warum wird es ignoriert?

Als Junk-Silber bezeichnet man jede Silbermünze in akzeptablem Zustand, die keinen numismatischen oder sammlerischen Wert über dem enthaltenen Metall hat. Die häufigsten Legierungen sind .800, .833, .625 und .500 Tausendstel, doch die Liste ist länger: .720 gibt es bei mexikanischen, ecuadorianischen und niederländischen Münzen, .835 bei den Schweizer 5-Francs-Stücken, .400 bei den Kennedy-Halbdollars von 1965 bis 1970.

Das Problem ist die Erkennbarkeit. Außerhalb seiner Herkunftsregion weiß kaum jemand, welchen Silberanteil ein bestimmtes Stück enthält. Man muss Kataloge heranziehen – den Krause, die World Coins –, um zu wissen, was man kauft. Dazu kommt der Zustand: schmutzige, zerkratzte, abgenutzte Münzen mit Schmutz, der auf der Waage ins Gewicht fällt. Eine unter Liebhabern kursierende Rechnung besagt, dass bei einem Beutel stark mitgenommener Münzen Schmutz und Abnutzung einen Teil des theoretischen Gewichts auffressen können.

Dennoch ist das Preisargument hartnäckig. Posten historischer Münzen wurden jahrelang zu Werten nahe dem Spotpreis erstanden, manchmal darunter. In Frankreich ist die bevorzugte Münze für Silberanlagen ausgerechnet Junk-Silber: die 50-Francs-Hercules, die 10 Francs und die 5-Francs-Semeuse. Reine Unzen gelten als zu teuer.

Der spanische Fall: Pakillos, Duros und Zwei-Peseta-Stücke

In Spanien sind die kanonischen Beispiele die Silbermünzen zu einer und zwei Peseten, die sogenannten Pakillos, in den schärfsten Forenkontroversen auch als guano („Dreckssilber“) umgetauft. Dazu die silbernen Duros, die 100-Peseta-Stücke Francos, und im Vereinigten Königreich die Florins und Kronen nach 1920, als der Feingehalt wegen des gestiegenen Metallpreises von .925 Sterling auf .500 sank.

Die Frage, die im Raum steht, ist, ob sich dieses Silber unabhängig von seinem Anteil raffinieren lässt. Die technische Antwort lautet ja: Im Schmuckhandwerk wird die Reinheit je nach Bedarf durch Schmelzen und Legieren erhöht oder gesenkt. Die Grenze ist nicht technischer, sondern wirtschaftlicher Natur. Spanische Goldschmiede wollen keine Münzen unter .800, weil sich die Raffinierungskosten nicht rechnen, so die Erfahrung eines Teilnehmers. Unter dieser Schwelle kann das Stück hängen bleiben.

Darin liegt die Falle der optimistischen Erzählung. Dass sich Silber gewinnen lässt, bedeutet nicht, dass jemand dafür zahlen will, es zu gewinnen. Der Goldankauf wendet Abschläge an, der Numismatiker zahlt nach Katalog, und die Marge schrumpft schnell, je niedriger der Feingehalt.

Der echte Preis: Spot, Aufschläge und Abschläge

Die Zahlen der Liebhaber zeichnen das Bild eines Marktes mit zwei Geschwindigkeiten. Vor einem Jahrzehnt waren Münzen mit .680 Feingehalt – die französischen 20- und 40-Francs-Turin – praktisch unverkäuflich: Nur ein andorranischer Käufer nahm sie 30 % unter dem Spotpreis ab, so die Schilderung eines Forennutzers. Heute zahlt derselbe Käufer für .900-Münzen 15,32 Euro, während der Spotpreis bei etwa 19,5 liegt, Privatleute dagegen zahlen 22, also über dem Metallwert.

Der Wandel ist beachtlich. Wer vor zehn Jahren fünf Kilogramm Münzen mit .650 Feingehalt – 3,25 Kilogramm Reinsilber – zum Spotpreis verkaufte, kann die Operation heute ohne den damals üblichen Abschlag wiederholen, so sein eigenes Zeugnis. Pakillos und Duros wechselten den Besitzer zum Spotpreis minus 3–5 %. Jetzt gibt es welche, die sie zum vollen Metallgewicht verkaufen.

Der Aufschlag greift auch bei Stücken mit Sammlerappeal nach oben. Die österreichischen 25- und 50-Schilling-Münzen, unbefristet gegen Euro eintauschbar, notieren mit Prämie. Die Schweizer 5-Francs-Stücke mit .835, postenweise für 4–5 Pfund gekauft, werden mit Gewinn weiterverkauft. Die Kennedy-Halbdollars von 1965–70, mit .400 Feingehalt, wechselten in Posten für 3 Pfund oder weniger den Besitzer.

Die Mad-Max-Frage: Taugt es als Notgeld?

Das Hyperinflationsszenario ist das Hauptargument der Befürworter. In einer extremen Lage, so ihre These, ließe sich ein Pakillo leichter verkaufen als ein Kookaburra: Die alte Münze ist erkennbar, klein, teilbar, und ihr historischer Nennwert macht sie für den Nachbarn intuitiv verständlich. Eine Feinsilberunze ist dagegen für die meisten Menschen ein fremdes Objekt.

Das Gegenargument ist ebenso stichhaltig. In einem echten Mad-Max-Szenario braucht man kein Silber, sondern ein Kalaschnikow oder ersatzweise eine Beretta 92 und viel Munition, so die Meinung eines Forennutzers. Silber funktioniert vor dem Kollaps, nicht währenddessen. Und in der Zwischenzeit hängt die Liquidität davon ab, dass es einen Käufer gibt: Juwelier, Goldankauf, Numismatik oder Privatperson.

Es gibt eine Asymmetrie, die man nicht vergessen sollte. Münzen aus minderwertigem Silber haben keine Nennwertabsicherung und sind nicht liquide wie ein Geldschein. Ihr Wert ist das Metall, und das Metall ist nur so viel wert, wie jemand im Moment des Verkaufs dafür zahlt.

Die globale Karte der Feingehalte und der Katalogfehler

Die Vielfalt der Legierungen ist enorm. Das Vereinigte Königreich prägte je nach Epoche in .925, .500 und .917. Mexiko durchlief .100, .300, .500, .595, .720, .800, .900 und .903. Portugal .650, .680, .800, .835 und .917. Die Niederlande .720 und .945. Österreich .640, .800, .835 und .900.

Diese Streuung zwingt zum Nachschlagen in Referenzwerken, und die Referenzwerke irren. Ein Liebhaber warnt, dass der Krause Fehler enthält: Bei einem Satz britischer Kronen aus .999-Silber nennt der Katalog falsche Gewichte und möglicherweise falsche Auflagen. Die tatsächlichen Stücke wiegen eine Unze, nicht die üblichen 28,28 Gramm von Kronen.

Die Lehre ist einfach und unspektakulär: Bei Junk-Silber wiegt das Wissen so viel wie die Waage. Wer nicht weiß, was er kauft, kauft das, was man ihm verkaufen will.

Was vom Markt zu erwarten ist

Der Markt für minderwertiges Silber hat sich in einem Jahrzehnt gedreht. Was unverkäuflich war, wird zum Spotpreis platziert; was zum Spotpreis minus 5 % gehandelt wurde, notiert jetzt mit Aufschlag. Die Frage ist, ob sich diese Normalisierung hält oder ob sie ein weiteres Symptom des Edelmetallfiebers ist, das dazu verleitet, für alles, was glänzt, zu viel zu zahlen.

Unterdessen liegt das historische Kleingeld weiter da, in Schubladen, Erbschaften und eBay-Posten, und wartet darauf, dass sich jemand die Mühe macht, den Feingehalt zu prüfen, das Stück zu wiegen und auszurechnen, wie viel Silber wirklich drinsteckt. Die vollständigen Informationen, Münze für Münze, mit Brutto- und Feingewichten, stehen in den Tabellen der Liebhaber. Wer sie nicht konsultiert, wird die Unwissenheit bezahlen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (85 Antworten).

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