Jordi Wild und Wohnraum: das Durcheinander um ein Asset, das keine Magic-Karte ist
Ein YouTuber mit Millionen Trinc sagt in einem Podcast, Wohnraum sei kein Asset. Und das halbe Internet fasst sich an den Kopf. Die Szene ist fast komisch: Derselbe Typ, der seit Jahren echte Verbrechen auf YouTube aufarbeitet, setzt sich hin, um über Wirtschaft zu urteilen, und lässt einen Satz fallen, der nach allgemeiner Empfindung wie Ketzerei klingt. Aber damit endet es nicht. Hinter der Figur steckt ein ernstes Problem, das seit Jahrzehnten verrottet: Wohnraum ist nicht mehr ein Dach über dem Kopf, sondern wurde zu einem weiteren Finanzprodukt. Und wenn das passiert, verhält sich der Markt nicht mehr wie ein Verbrauchermarkt, sondern wie ein Casino.
Wovon die Rede ist, wenn gesagt wird, Wohnraum sei kein Asset
Die Diskussion beginnt mit einem Tweet, der die Bemerkung verspottet. Von dort aus driftet das Thema zu etwas Interessanterem: Ob Wohnraum überhaupt jemals ein Finanzasset hätte sein dürfen. Manche halten dagegen, dass Gewerbeflächen, Industriehallen und Büros etwas anderes seien; aber Wohnraum zu einem Anlagefahrzeug zu machen, verwandle ihn in ein NFT, eine Magic-Karte oder Gold. Also in ein Objekt, das man nicht kauft, um es zu nutzen, sondern damit es im Preis steigt und an jemand anderen weiterverkauft werden kann. Unter Franco, so das Argument, machten Altmietverhältnisse den Wohnraum zu einer Verbindlichkeit, nicht zu einem spekulativen Asset. Der Vergleich ist grob, aber er zielt auf etwas Reales: Das Finanzregime des Immobilienmarkts änderte sich mit dem Gesetz von 1981, als die Banco de España (Spaniens Zentralbank) begann, 30-Jahres-Hypotheken zuzulassen und ausländisches Geld in den Markt kam.
Das Argument der Knappheit und des Bodens
Gegen die These, Wohnraum dürfe kein Asset sein, erscheint das klassische Argument: Was den Preis treibt, sind Knappheit oder Nachfrageüberschuss, zusammen mit einer außergewöhnlichen rechtlichen Unsicherheit. Und hier kommt der Boden ins Spiel. Es wird behauptet, der Staat verbiete Bebauung auf 94 % des spanischen Gebiets – eine Zahl, die in der Diskussion kursiert, ohne dass jemand sie überprüft, die aber zur Veranschaulichung der Diagnose dient: Es wird nicht gebaut, weil es nicht geht, nicht weil niemand will. Die gezogene Schlussfolgerung: Es braucht Investoren, Fonds und Gesetzesänderungen, damit gebaut wird. Es gebe Platz genug, sowohl in die Höhe als auch auf den Flächen rund um die Städte, heißt es. Und trotzdem sinkt der Preis nicht.
Werden leere Wohnungen zur Spekulation gehortet?
Einer der häufigsten Vorwürfe ist, dass es leere Wohnungen gibt, die auf Vermietung warten. Die Antwort ist deutlich: Niemand baut und hortet, um sie leer stehen zu lassen, denn das ist eine miserabele Investition. Man baut, verkauft und kauft, um eine Rendite zu erzielen. Und wenn jemand hortet, ohne sie auf den Markt zu bringen, so das Argument, dann aus purer Angst vor staatlichem Interventionismus, der ihm vorschreibt, wie und wann er sein Privateigentum verwalten muss. Die Diskussion verstrickt sich: Wie viele leere Wohnungen gibt es? Sind es viele oder gerade genug? Es gibt keine Zahlen in der Konversation, nur Eindrücke. Und dabei bleibt es.
Der Elefant im Raum: Einwanderung und Wohnraum
Mitten in der Wirtschaftsdebatte taucht das Thema auf, das nie fehlt: Einwanderung. Es wird argumentiert, dass die Ankunft ausländischer Bevölkerung die Nachfrage nach Wohnraum und öffentlichen Dienstleistungen erhöht. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: Die offiziellen Daten, so heißt es, zeigten, dass Einwanderer jung seien und das Gesundheitssystem weniger nutzten. Die Diskussion driftet zum Arbeitsmarkt: Einwanderung schwäche die Verhandlungsmacht der einheimischen Arbeitnehmer, während andere erwidern, das Problem des spanischen Arbeiters sei er selbst – mit nur 3 % Gewerkschaftsmitgliedschaft. Die Stimmung kocht. Und das Thema Wohnraum gerät paradoxerweise in den Hintergrund.
Die 30-Jahres-Hypothek als moderne Sklaverei
Einer der technischsten Punkte der Debatte ist die Rolle der Banken. Es wird behauptet, 30-Jahres-Hypotheken seien keine Geste der Banken, sondern eine Folge der Bezahlbarkeit: Ohne sie könnten viele Menschen, die sich jetzt ein Zuhause leisten können, dies nicht tun, selbst wenn es billiger wäre. Der Einwand: Genau diese Hypotheken halten die Preise hoch, denn ohne Kunden mit Zugang zu 30-Jahres-Krediten und ohne ausländisches Geld wären die Grundstücke nicht so viel wert. Ein paar Zinspunkte, so wird erinnert, bringen die ganze Branche ins Wanken. Die implizite Schlussfolgerung: Hypothekenmarkt und Bodenpreise speisen sich seit Jahrzehnten gegenseitig.
Der Abschluss: die verstörende Zahl
Am Ende kommt die Konversation zum Ausgangspunkt zurück: Ist Jordi Wild ein Ignorant, weil er sagt, Wohnraum sei kein Asset? Vielleicht. Aber die Debatte, die um ihn entsteht, beweist, dass das Problem nicht er ist. Das Problem ist, dass Wohnraum in Spanien zu einem Finanzasset geworden ist, das gekauft und verkauft wird, als wäre es Gold – und niemand weiß so recht, wie man das rückgängig macht, ohne den Markt zu zerstören. Währenddessen warten diejenigen ohne Wohnung weiter. Und die mit einer, spekulieren. Oder auch nicht. Kommt darauf an, wen man fragt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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