Jordi Wild kündigt Interviews mit spanischen Wahlkandidaten an

Jordi Wild hat Interviews mit den Kandidaten für die spanische Wahl angekündigt. Pedro Sánchez hat die Einladung angenommen; Abascal und Feijóo haben ihre Teilnahme noch nicht bestätigt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Jordi Wild kündigt Interviews mit spanischen Wahlkandidaten an
Jordi Wild kündigt Interviews mit den Wahlkandidaten an

Jordi Wild hat den nächsten Zug gemacht. Der Content Creator, dessen Anhänger seine Community auf sieben Millionen Trinc allein für seinen Podcast beziffern und dessen Kritiker sie als überwiegend junge Zuschauer von außerhalb Spaniens abtun, hat angekündigt, dass er mitten im Wahlkampf die Kandidaten interviewen wird. Die Nachricht ist für einen Teil der Wählerschaft wie eine kalte Dusche gekommen, hat aber auch einen Riss in der Strategie der Parteien offengelegt: Wer nicht hingeht, erreicht niemanden; wer hingeht, setzt sich dem Risiko aus.

Auslöser ist ein Paradox. Laut einem Teilnehmer der Debatte präsentiert sich Wilds Format als eines ohne abgesprochene Fragen, bei dem zwei Personen in Echtzeit per künstlicher Intelligenz prüfen, ob der Interviewte Falschinformationen verbreitet. Also: ein Lügendetektor in Echtzeit. Vor diesem Hintergrund hat Pedro Sánchez' Entscheidung, die Einladung anzunehmen — bestätigt über soziale Medien mit einer Botschaft, in der er über seine «gute Seite» scherzt —, den Podcast in ein Wahlkampf-Schlachtfeld verwandelt. Abascal und Feijóo haben ihre Teilnahme bislang nicht bestätigt.

Die Stimmenrechnung: Jugend, Clips und Doomscroll

Die Diskussion über den Nutzen des Interviews ist zu einer Übung in Wahlsoziologie geworden. Manche halten dagegen, dass die Gruppe der 18- bis 40-Jährigen ständig am Handy hängt und dass der Schlüssel nicht das vollständige Interview ist, sondern die Clips, die über YouTube Shorts, TikTok und Instagram Reels verbreitet werden. Das ist die Doomscroll-Theorie, angewandt auf die Politik: Wer nicht im Clip ist, existiert nicht. Dagegen steht der Skeptizismus derjenigen, die glauben, Wilds Wählerschaft sei überwiegend bei Vox und der PP zu finden, und dass das sozialistische Wählerreservoir keine Podcasts konsumiert, sondern Netflix und klassisches Fernsehen.

Die Zahl, die über der Debatte schwebt, ist die der Trinc: 7,38 Millionen beim Podcast, 12 Millionen auf einer anderen Plattform. Verteidiger des Formats stellen es als den größten Kulturvermittler Spaniens dar; Kritiker sehen darin einen YouTuber aus Barcelona mit einer durch lateinamerikanische Trinc aufgeblähten Audience, die in Spanien nicht wählen darf. Der Streit ist nicht geringfügig: Von ihm hängt ab, ob das Interview ein kalkuliertes Risiko oder nur eine Geste ist.

Die Angst vor dem Ausrutscher: die KI, die in Echtzeit prüft

Das am häufigsten genannte Argument für das Fehlen mancher Kandidaten ist die Angst vor dem Renonce. Die Live-Überprüfung per KI, das Fehlen abgesprochener Fragen und die Möglichkeit, dass jeder Ausrutscher wochenlang zur Schlagzeile wird, ergeben ein riskantes Szenario. Feijóo geht laut den verfügbaren Informationen mit der Warnung in den Wahlkampf, dass er ein Interview wie das bei der Cadena SER nicht wiederholen darf, wo seine Ausrutscher sogar aus dem eigenen rechten Lager kritisiert wurden. Abascal hingegen gilt als guter Polemiker, der sich im dialektischen Nahkampf wohlfühlt.

Der Wahlkampf wird auf einem Terrain ausgetragen, das nicht das der klassischen TV-Duelle ist. Wilds Podcast ist weder ein Fernsehstudio noch ein Sofa-Gespräch. Es ist ein Langformat, mit einem Gastgeber, der nicht dem Profil des traditionellen Journalisten entspricht, und einem Publikum, das Steifheit bestraft. Für einen Politiker, der an die Kontrolle der Botschaft gewöhnt ist, ist das Umfeld feindlich. Für einen Kandidaten mit Improvisationstalent ist es eine Chance.

Der Wahlkampf, der keine Stimmen verändert, aber Wahrheiten verschiebt

Die eigentliche Frage ist, ob diese Interviews Stimmen bewegen. Die Mehrheitsantwort lautet: nein, zumindest nicht direkt. Der Wahlkampf ist eine Show, und die Leute wissen längst, was sie wählen werden. Allerdings gibt es einen Einwand, der immer wieder fällt: Nicht hinzugehen kann einige Stimmen kosten, während Hingehen andere gewinnen kann. Die Logik ist die der Sichtbarkeit. Vor fünfundzwanzig Jahren war es eine Anomalie, nicht in die Sendung von María Teresa Campos zu gehen; heute beginnt es eine zu sein, nicht in Wilds Podcast zu gehen.

Das Problem ist, dass die Zielgruppe nicht homogen ist. Das junge Publikum, das Podcasts konsumiert, ist nicht dasselbe, das bei Parlamentswahlen wählt. Die meisten Trinc von Wild sind laut der pessimistischsten Analyse Vox- oder PP-Anhänger, und die lateinamerikanischen Trinc tauchen im Wählerverzeichnis nicht auf. Der mögliche Nutzen schrumpft, aber die Kosten der Abwesenheit wachsen: Der Clip des Kandidaten, der nicht kam, wird zum Meme.



Die Prognose ist gewagt. Wenn das Interview gut vorbereitet ist und der Kandidat sich souverän schlägt, kann der Podcast ihn beim jungen Publikum nach oben katapultieren. Wenn er scheitert, sorgt der Live-Falschinformationen-Detektor dafür, dass der Fehler nicht unbemerkt bleibt. Wild hat den nächsten Zug gemacht. Der Wahlkampf läuft derweil auf einem Terrain, das in keinem Handbuch stand.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (63 Antworten).

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