IWF: Spaniens Produktivität sinkt trotz EU-Mitteln

Der IWF identifiziert Spanien als einzige große Volkswirtschaft der Eurozone, die seit 2018 Produktivität verliert, trotz 100 Milliarden Euro an europäischen Fonds.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

IWF: Spaniens Produktivität sinkt trotz EU-Mitteln
Sinkende Produktivität: Der spanische Fall, den der IWF nicht erklärt

Der Internationale Währungsfonds hat die Diskrepanz zwischen erhaltenen Geldern und wirtschaftlichen Ergebnissen quantifiziert. Spanien ist die einzige große Volkswirtschaft der Eurozone, die seit 2018 Produktivität einbüßt, mit einem durchschnittlichen Rückgang von einem Zehntel im Zeitraum 2018–2027, laut Schätzungen, die diese Woche in Bangkok veröffentlicht wurden. Im gleichen Zeitraum verbesserte sich Deutschland um 1 %, der Eurozonen-Durchschnitt stieg um einen halben Punkt, Frankreich legte um 0,3 % und Italien um 0,2 % zu. Das unbequeme Detail: Spanien waren seit 2021 mehr als 100 Milliarden Euro an EU-Fonds zugewiesen, die theoretisch der Wirtschaftstransformation dienen sollten.

Was die IWF-Daten über Spanien sagen

Die Institution prognostiziert für 2025 einen Produktivitätsrückgang von 1,4 %, ein Jahr, in dem Wachstum und Fonds das Gegenteil hätten erwarten lassen sollen. Die positiven Wachstumsprognosen für 2026 und 2027 (1,0 % bzw. 1,2 %) kompensieren das Defizit nicht. Der Vergleich mit dem Zeitraum 2008–2017, als Spanien eine Verbesserung von 3,2 % verzeichnete, offenbart eine Paradoxie: Das Land wuchs während der Krise bei der Produktivität, stagniert aber in den Jahren des Aufschwungs.

Der Kontrast zu den europäischen Partnern ist deutlich. Deutschland verbessert sich um 1 %, Frankreich um 0,3 % und Italien um 0,2 % im selben Zeitraum. Nur Spanien weist ein negatives Vorzeichen auf. Ökonomen betonen, dass Produktivität der Schlüsselindikator sei, um Löhne zu erhöhen, ohne Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren, und Renten zu finanzieren.

Arbeitskosten steigen schneller als die Produktivität

Wo Spanien tatsächlich führt, sind steigende Arbeitskosten. Die Lohnstückkosten sind seit 2018 um 3,1 % gestiegen, über dem Eurozonen-Durchschnitt von 3 % und Deutschlands Rate, und doppelt so schnell wie in Frankreich und Italien. Die Prognosen für 2026 und 2027 halten dieses Gefälle aufrecht: 3,6 % jährlich gegenüber 3,0 % und 2,7 % in der Eurozone.

Die Banco de España und die Europäische Kommission bekräftigen, dass Arbeitskosten nicht schneller als die Produktivität wachsen dürfen. Die Internationale Arbeitsorganisation formuliert es unmissverständlich: „Ein Lohnwachstum, das systematisch über dem Wachstum der Arbeitsproduktivität liegt, ist nicht tragfähig.“ Das Problem ist nicht, dass Löhne steigen, sondern dass sie auf einer nicht wachsenden Basis steigen.

US-Bericht zum Investitionsklima

Das US-Außenministerium hat seinen Jahresbericht veröffentlicht und nennt regulatorische Hürden, fehlende Markteinheit und den Widerstand der Regierung gegen die Zahlung von Schiedssprüchen im Bereich erneuerbare Energien. „Sie hat sich konsequent der Einhaltung widersetzt“, heißt es im Text. Dennoch betrachtet sie Spanien aufgrund des hohen Wachstums als attraktiv, fasst aber die Probleme zusammen: hohe Steuerlast, steigende Arbeits- und Energiekosten, langsame Bürokratie und uneinheitliche regionale Vorschriften.

Bezüglich der Beschäftigung anerkennt der Bericht, dass die Arbeitslosigkeit auf historische Tiefstände gesunken ist, warnt jedoch, dass die Produktivität schwach bleibt. Mehr als schwach: negativ, wenn man die letzten acht Jahre betrachtet, laut IWF. Der Kreis schließt sich: geringere Produktivität, höhere Kosten, weniger Investitionen.

Der demografische Hintergrund, den niemand betrachten will

Hinter der Datenanalyse steht eine Frage, die der Bericht nicht adressiert: die Zusammensetzung der Erwerbsbevölkerung. Manche behaupten, ohne offizielle Daten, dass Spanien in den letzten Jahren zwischen 560.000 und 700.000 Menschen pro Jahr aufgenommen hat. Der massive Zustrom von Arbeitskräften in Sektoren mit geringer Produktivität – Gastgewerbe, Bauwesen, Pflege – würde den Durchschnitt verwässern, so diese These. Es geht nicht darum, dass Neuankömmlinge nach Herkunft weniger produktiv sind, sondern dass das Wirtschaftsmodell sie in Nischen mit geringer Wertschöpfung absorbiert.

Manche argumentieren, ohne diesen Zustrom von Arbeitnehmern wäre das Rentensystem nicht tragfähig. Das Argument hat eine buchhalterische Logik: mehr Beitragszahler, mehr Einnahmen. Aber es birgt auch eine Falle: Wenn diese Beitragszahler wenig Wert pro Arbeitsstunde generieren, verschlechtert sich das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern langfristig. Produktivität ist kein makroökonomisches Ornament; sie ist die Grundlage von allem.

Die offene Frage

Mit 100 Milliarden Euro an EU-Fonds, einer Wirtschaft, die über dem Durchschnitt wächst, und einem Arbeitsmarkt, der Hunderttausende Menschen pro Jahr aufnimmt, hätte die Produktivität durchstarten müssen. Das ist nicht geschehen. Der IWF liefert keine abschließende Erklärung. Der US-Bericht verweist auf Bürokratie und regulatorische Fragmentierung. Und die Wirtschaftspolitik schaut derweil weg.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (153 Antworten).

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