Ibex scheitert an 11.000 Punkten, Dow Jones auf Hoch seit 2008

Der spanische Leitindex Ibex 35 bleibt unter der Marke von 11.000 Punkten, während der US-Dow-Jones neue Höchststände erreicht und Santander massive Kreditkürzungen ankündigt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ibex scheitert an 11.000 Punkten, Dow Jones auf Hoch seit 2008
Ibex festgefahren bei 11.000, Dow auf Jahreshoch

Wie erklärt es sich, dass der Dow Jones seit Juni 2008 neue Rekorde markiert, während der Ibex 35 die 11.000-Punkte-Marke nicht überwinden kann? April 2011 startet mit genau dieser Widersprüchlichkeit im Fokus. Die saisonale Muster zu Monatsbeginn lud zum Optimismus ein, Portugal wurde gerettet, die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England tagten, und die USA veröffentlichten ihre Arbeitsmarktdaten. Der Dow peilte laut Foren-Nutzern die 12.800er-Marke an. Der Ibex hingegen blieb passiv. Ein häufig zitierter Fazit lautete: Amerikanische Indizes steigen, der spanische Index stagniert, nichts Neues unter der Sonne.

Die April-Saisonmuster und US-Rentenpläne

Die erste Hypothese des Monats war rein saisonal bedingt. In den ersten Apriltagen wiederholt sich ein Muster, das den Einzahlungen in amerikanische Pensionsfonds zugeschrieben wird: Wenn Kapital stark in US-Indizes fließt, profitiert oft auch der Ibex davon. Diese These wurde enthusiastisch verbreitet – durch Videos, Radiobeiträge und Grafiken der letzten Jahre – und deutete darauf hin, dass der spanische Leitindex dem erwarteten Skript folgen würde. Das tat er auch. Das Problem ist jedoch, dass ein saisonales Muster nicht zwischen einem Anstieg von 300 Punkten und einer bloßen Schwankung unterscheidet. Was danach folgte, war ein unerwarteter Rückgang.

Warum spricht Santander von einer Kürzung des ausstehenden Kredits um 300 Milliarden Euro?

Weil die Bank dies offen kommunizierte und der Markt kaum reagierte. Die Verringerung des ausstehenden Kreditvolumens in Spanien um 300 Milliarden Euro innerhalb von drei Jahren ist eine Meldung, die eigentlich Indizes, Wirtschaftstätigkeit und Beschäftigungsprognosen bewegen sollte. Es regnete nur Gleichgültigkeit. Parallel dazu wurde Portugal gerettet, und ein Forennutzer stellte Spanien an die Spitze der Liste für einen möglichen IWF-Eingriff, mit einer Anleiheauktion am Vormittag und der EZB-Sitzung am Nachmittag. Der Kalender jener Woche las sich wie eine Prüfung: deutsche Industrieproduktion, Entscheidungen der Bank of England und der EZB sowie die US-Arbeitslosenquote. Short-Positionen wurden bei 10.865 und 10.787 Punkten platziert. Die 11.000 blieben indes eine unüberwindbare Mauer. Darunter tickte die politische Uhr: Nach den Regionalwahlen vom 22. Mai (Spanien) begannen die Sparmaßnahmen in lokalen und autonomen Verwaltungen, wobei die Arbeitslosenzahlen weiter steigen würden.

Der Ibex scheitert an 11.000: Zutaten eines Markthochs

Die technische Analyse stimmte in der Diagnose überein, divergierte aber in der Schlussfolgerung. Der Index näherte sich den 11.000 Punkten ohne sie zu überschreiten, während der spanische Bankensektor genau am Widerstandsniveau feststeckte und die bullishe Stimmung täglich wuchs. Dieser Cocktail – nahe Hochs, wachsende Euphorie, freundliche Schlagzeilen – ist klassisch für ein Markthoch. Seit dem 6. April warnte der RSI im Stundenchart vor einer möglichen Erschöpfung, und im europäischen Bankenindex löste ein Schlusskurs unter 705 ein Alarmsignal aus. Das bärische Szenario deutete auf die Zone von 10.220–40 Punkten hin, die zuvor als Unterstützung und Widerstand fungiert hatte, und sah 10.580 Punkte als erstes Hindernis bei einer möglichen Erholung. Im Bankensektor lautete der Rat explizit: Kein Buy-and-Hold. Jeder Wert braucht seinen Stop-Loss und sein Kursziel; bei einer mittelgroßen Bank wurde der Stop bei 5,52 Euro nach dem Durchbrechen von 5,10 Euro gesetzt. Nichts davon hindert den Markt daran, noch einmal 3 % zu steigen, bevor er dreht, und genau hier liegt das Problem: Bei engen Stops ist der Spielraum minimal.

VIX auf Tiefständen seit 2007 und sinkendes Volumen: Signale, die nicht zusammenpassen

Es gibt Indikatoren, die beängstigender sind als ein Index auf Allzeithoch. Der VIX erreichte Niveaus, die man zuletzt Anfang bis Mitte 2007 gesehen hatte: Der Optionsmarkt preiste eine Ruhe ein, die nicht zum Hintergrundrauschen passte. Und das Handelsvolumen sank seit Januar kontinuierlich. Weniger Beteiligung, weniger Überzeugung, mehr Abhängigkeit davon, dass große Akteure den Preis stützen. In diesem Kontext kann jeder Tag kollektiver Hysterie halbe Portfolios vernichten, und gehebelte inverse Produkte eignen sich nur für Intraday-Trades: Sie über Wochen zu halten, ist eine teure Art, recht zu haben, aber in die falsche Richtung.

Wie viel QE2 bleibt und wie lange hält das billige Geld an?

Das Kaufprogramm der Federal Reserve umfasst insgesamt 600 Milliarden Dollar, von denen zu diesem Zeitpunkt bereits etwa 510 Milliarden ausgegeben waren. Jeden Nachmittag wurde der Operationskalender veröffentlicht, und jeden Nachmittag passte der Markt seine Erwartungen an: Entweder werden die verbleibenden 90 Milliarden zügig bis Anfang Mai aufgebraucht, oder die Käufe werden langsamer bis Ende Juni gestreckt. Der Unterschied ist nicht kosmetisch. Wenn das billige Geld früher endet, hat die US-Rally ein Verfallsdatum; wenn es gestreckt wird, verzögert sich das Ende, und der Ibex gewinnt Zeit für den Versuch, die 11.000 zu knacken. Manche argumentieren, dass die letzte Aufwärtsbewegung geliehen ist und der Markt genau dies seit Monaten einpreist. Dagegen spricht das Offensichtliche: Solange der Hahn offen steht, will niemand der Erste sein, der short geht. Abwarten.

Makrodaten, die der Markt bewusst ignorierte

Arbeitslosigkeit, Inflation (CPI) und Einzelhandelsumsätze in Spanien. Alle drei schlecht, fast gleichzeitig veröffentlicht, und die Reaktion war eine Rückkehr ins Plus, als kämen die Daten aus einem anderen Land. Der Brent-Ölpreis drehte nach Bekanntgabe der Zahlen, und die spanische Staatsanleihe entspannte sich nach wochenlangem Druck. Für einen Teil des Marktes gab es hier keine Analyse: Es war computerunterstützte Täuschung, finanziert durch die Zentralbank. Für andere war es einfach das Kaufprogramm, das seine Wirkung entfaltete. Wie ein anderer Forennutzer betonte, sind Börsenindizes im Grunde virtuelles Geld, getragen von wenigen, die es aus dem Nichts schaffen können, und der am leichtesten manipulierbare ist genau der Ibex 35: billig, eng gefasst und mit wenigen gewichtigen Werten.

Broker, Algorithmen und Echtzeitdaten: Was hinter den Kulissen passiert

Während einige auf Charts schauten, sahen andere auf Code. In diesen Monaten vermehren sich die Angebote neuer Broker für Aktien, Forex und CFDs, einige ohne klare Aufsicht, andere mit FSA-Registrierung – Plus500, Anyoption und eine wöchentlich wachsende Liste. Die Frage ist berechtigt: Wenn es so viele Vermittler gibt, gibt es dann auch so viele profitable Kunden? Gleichzeitig programmierten technisch versierte Trader eigene Tools, verarbeiteten Echtzeit-Kurse und Java-Grafikbibliotheken mit spezifischen Funktionen für Candlestick-Charts. Die Diskussion wandte sich der Kontrolle unbeaufsichtigter Skripte zu, wie man sie stoppt, ohne den Prozess manuell abzuschießen – etwa durch eine Flag-Datei, die die Schleife prüft – und wie man Last verteilt, wenn ein Modul zehn Sekunden pro Ausführung braucht und den gesamten Entscheidungsstrom blockiert. Details, die nicht in den Nachrichten stehen, aber darüber entscheiden, ob ein Order rechtzeitig ausgeführt wird oder zu spät.

Am Ende fasst der Markt selbst den April 2011 zusammen: Der Ibex legte in vier Tagen 300 Punkte zu, der Dow setzte neue Rekorde, und der spanische Kreditsektor hatte immer noch 300 Milliarden Euro zu viel. Alles passt, wenn man akzeptiert, dass die Börse längst nichts mehr mit der Realwirtschaft zu tun hat. Wer das nicht akzeptiert, dem bleiben nur technische Analyse, Kartenlegen und die Kristallkugel.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (658 Antworten).

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