IBEX im November 2012: Der Crash, den viele erwartet hatten

Der IBEX steuerte auf einen Abgrund zu: Die CNMV verlängerte das Verbot von Leerverkäufen und Bankia startete eine Kapitalerhöhung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

IBEX im November 2012: Der Crash, den viele erwartet hatten
Der IBEX im November 2012: Der Crash, den viele erwartet hatten

Halloween 2012. Während die Hälfte des Landes Kostüme suchte, gingen einige Investoren davon aus, dass der IBEX auf dem Weg zum Abgrund sei. „Road to the abyss“, fasste einer am 31. Oktober zusammen. Der Absturz kam in diesem Monat nicht. Auch nicht, wie gesagt wurde, im September oder Oktober. Und jener November widersprach der Prognose vieler: Der Index brach nicht so ein, wie es als sicher galt.

Ein Forum-Nutzer schrieb es ungeschminkt: Die Niveaus des Leitindex spiegelten nicht die Realität der meisten Spanier wider. Das Dilemma schien binär. Entweder würde der IBEX die Härte, die man auf der Straße sah, einpreisen, oder diese Härte war nicht so groß, wie die offizielle Erzählung suggerierte. Die Zeit löste während dieser Wochen die Zweifel nur widerwillig.

CNMV schließt die Tür für Leerverkäufe bis Januar

Der erste kalte Duschkopf kam vom Regulierer. Die CNMV (spanische Börsenaufsicht) verlängerte das Verbot von Leerverkaufspositionen bis zum 31. Januar, eine Maßnahme ohne klares Rückkehrdatum. Der meistdiskutierte Effekt: Wer gegen den Markt wetten wollte, gerade wenn er es am dringendsten tat, verlor sein Werkzeug.

„Wenn morgen Leerverkäufe erlaubt werden“, wiederholte ein Nutzer. Dieses Morgen kam nie. Der Sektor, der am stärksten unter dem Verbot litt, war genau der, der die größten Probleme hatte. Das Fieberthermometer zerschlagen, statt das Fieber zu senken: So lasen es manche.

Bankia oder die Kunst, Aktionäre zu verwässern

Was den Monat erschütterte, war die Kapitalerhöhung von Bankia. Es wurden 8.408 Millionen Aktien gehandelt, die theoretisch etwa 5,8 Milliarden Euro kapitalisierten. Bestehende Aktionäre hatten das Recht, neue Titel in einem Verhältnis zu kaufen, das bei vielen Unruhe auslöste: Bezugsrechte zu 0,533 Euro, Aktien zu 0,401. Die Buchhaltung wurde kompliziert.

„Es geht darum, die aktuellen Aktionäre zu verwässern“, lautete die verbreitete Berechnung. Manche stoppten die Zeit: Am Montag oder Dienstag würde der Markt über Wertvernichtung abrechnen. Der Vergleich lag in der Luft: Bankia war nur ein Drittel dessen wert, was Popular wert war. Für viele war die Bankenbranche nichts zum Kaufen, sondern zum Beobachten aus der Ferne, bis ein Aktiensplit stattfand. Dies war bereits bei Jazztel und Colonial passiert.

Santander: Eine Dividende, die nicht zur Gewinnzahl passte

Der Fokus richtete sich auf den Riesen aus Santander. Die kursierende Rechnung war unbequem: Der tatsächliche Gewinn je Aktie des Santander lag zwischen 0,3 und 0,5 Euro, während die Bank versprach, etwa 0,6 Euro über Scrip-Dividenden auszuschütten. Die Zahlen passten nicht. Wenn alle Aktionäre die Bar-Dividende forderten – indem die Bank die Rechte zurückkauft –, konnte die Lage chaotisch werden.

Auf der anderen Seite des Atlantiks verlor die Wall Street beim Schlusskurs die 200-Tage-Linie, und der Dow Jones gab 50 Punkte in zehn Minuten nach. Der VIX, der Angst-Index, stieg um 6%. Der Geist des Fiscal Cliff – das fiskalische Kliff, das die größte Volkswirtschaft der Welt bedrohte – schwebte über jeder Sitzung.

Kapitalflucht und das Handbuch für Experten

Mit einem schwindelerregenden IBEX wandte sich das Gespräch dem Praktischen zu: Wie bringt man Geld aus Spanien raus? Nicht metaphorisch. Die im Vordergrund stehende Zahl besagte, dass im September 30.997 Millionen Euro einflossen, was die Frage aufwarf, ob die Kapitalflucht gestoppt war oder nur den Besitzer wechselte. Handbücher kursierten: Konten in der Schweiz oder England, Überweisungen in Paketen von 50.000 Euro ohne Gebühren bei einigen britischen Banken, Plattformen, die Währungsumtausch verbilligten.

Manche, bereits in Nordeuropa ansässig, warnten vor der Kälte. Andere prahlten mit ihrer Weitsicht: Ein Konto in Luxemburg für Euro, eines in Großbritannien für Pfund, zwei heimische Institute als Hauptquartier. Die Grenze von 1.000 Euro Bargeld – ab der Identifizierung verlangt wird – wurde zum technischen Detail des Monats.

Moody's, Fiscal Cliff und ein europäischer Haushalt mitten in der Nacht

Die internationale Ebene bot keine Verschnaufpause. Moody's entzog den Rettungsfonds der Eurozone die Triple A-Bonität, ein Schritt, der für manche eher symbolisch als real wirkte. Parallel dazu wurde eine Einigung über den europäischen Haushalt angekündigt, laut einem Nutzer innerhalb von nur 24 Stunden. Als wäre die Farce, dass „man ihn nicht genehmigen könne“, plötzlich zerbrochen.

Der japanische Nikkei stieg 5,64% in drei Tagen. Die Wall Street verlor die 200-Tage-Linie und schien sie am nächsten Tag mühelos wiederhergestellt zu haben. Die Schlussfolgerung der Skeptiker: Auf schlechte Daten reagierte man mit Schlagzeilen über das fiskalische Kliff, und alle kauften.

Anekdote für das Archiv: Google schloss einen Handelstag bei 666 Dollar. Die Zahl, gelesen als das Malzeichen des Tieres, erfreute jene, die in den Kursbändern Zeichen suchten.

Die Roadmap: Fall auf 7.200 und danach Anstieg auf 8.700

Der oft wiederholte Pfad hatte zwei Stationen. Erstens: Fall. 7.580 Punkte als „Vor-Höllen-Niveau“, mit Ziel in der Zone von 7.200–7.208 zunächst. Zweitens, wenn alles passte, eine Rallye Richtung 8.400 und in der optimistischen Version ein Jahresabschluss über 8.700.

Manche markierten ein Minimum nahe 6.975 Punkten, mit Stop-Loss-Empfehlungen, die an ein Überlebenshandbuch grenzten. Nicht fehlte, wer im Chart direkt einen Santander unter 2 Euro sah. Telefónica half im Hintergrund auch nicht: Da die Breitband-Berichte seit August eingefroren waren, nahmen manche schlechte Quartalszahlen als gegeben hin.

Deflation oder Inflation: Die Droge des billigen Geldes

Eine der meistzitierten Argumentationen des Monats betraf Stimulierungsmaßnahmen. Ein Nutzer verteidigte dies mit einem Bild: Inflation ist wie Drogen geben an einen Süchtigen, der nach dem Kater wiederbelebt wirkt und geheilt scheint, obwohl er süchtig bleibt und auf dem Weg zum Friedhof ist. Die Alternative war Deflation, bis Preisniveaus erreicht sind, die einen Neustart ermöglichen.

Gegenüber stand das Argument des billigen Geldes und seines Kalenders. Man behauptete, Perioden schwacher Dollar und teurer Rohstoffe fielen mit Anpassungsphasen in Europa zusammen, während starke Dollar und billige Rohstoffe mit Expansion und Kreditwachstum korrelierten. Da Spanien nicht abwerten konnte, war der einzige Weg, den Gürtel enger zu schnallen, über Preise.

Teure Atomkraft, Breitband und die Dividenden-Debatte

Im Energiebereich verteidigte ein Nutzer eine unbequeme Überprüfung: Atomenergie, auf dem Papier billig, erwies sich in der Praxis als sehr teuer, besonders wenn Versorger gezwungen werden, Kraftwerke vorzeitig zu schließen und zudem die Endlagerung zu übernehmen. Große deutsche und französische Unternehmen hatten zu sehr vom Atom abhängt und suchten nun Schutz in Offshore-Windkraft.

Und im Telekommunikationssektor lenkte eine bodenständige Analyse den Blick auf den Churn, die Kundenabwanderungsrate. Einen Kunden zu halten kostete bereits ein Fünftel dessen, was es kostete, einen neuen zu gewinnen, und das gesamte Geschäft der Betreiber hatte sich um diese Obsession herum neu organisiert. Mit weit verbreiteter Portabilität war der Heilige Gral der Telekom-Branche schwer fassbar geworden.

Warum der erwartete Crash nie kam

Es gibt eine Erklärung, die kursierte und die niemand ganz widerlegen konnte. Eine Notiz von Bank of America Merrill Lynch wies darauf hin, dass die Exposure von Hedgefonds gegenüber Aktien bei 40% lag, dem höchsten Stand seit Jahren. Sie erinnerte an das Muster: Wenn diese Exposure 35% überschritt, fiel der S&P 500 durchschnittlich um 4% bis 5% in den folgenden vier Wochen. Im Juli 2007, bei 40% Exposure, verlor der S&P 40%.

Übersetzt: Der Markt war voll geladen mit geborgtem Optimismus, und das endete historisch gesehen nicht gut. Aber der Abgrund kam im November nicht. Die Propheten blieben mit geschärfter Sense und ohne Arbeit zurück. „Geduld“, sagten jene, die die Erholung vorhergesagt hatten. Und dieses Mal zahlte sich Geduld aus.

Und hier die verwirrende Tatsache. Während die halbe Welt den Kollaps wettete, schrieb jemand nieder, dass es besser sei, „mit chirurgischer Präzision einzusteigen oder draußen zu bleiben“, weil man in wenigen Monaten viel niedrigere Preise sehen würde. Der Markt weigerte sich einmal mehr, weder denen recht zu geben, die den großen Crash erwarteten, noch denen, die auf ihre eigene Tasche schielten. Nur dem, der keinen Finger rührte.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (3055 Antworten).

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