Ibex im März 2013: Rally trotz Zypern-Krise

Der Ibex stieg im März 2013 trotz der Zypern-Rettung. Ziele bei 8.600, 9.400 und 9.700 Punkten; Acerinox vs. Arcelor und die psychischen Kosten des Börsenhandels.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ibex im März 2013: Rally trotz Zypern-Krise
Ibex 35: März 2013 – Das große Plus kam, als die Skeptiker schon gegangen waren

Im März 2013 legte der spanische Leitindex Ibex 35 zu, während in Zypern gerade die Finanzkrise eskalierte. Der Index startete verhalten in den Frühling, festgefahren in der Mitte seiner Handelsspanne, und schloss mit Blick auf die 8.600 Punkte, die sechs Monate zuvor noch utopisch gewirkt hatten. Diese Diskrepanz führte zu einer populären Börsenweisheit: Wenn der große Aufwärtsschub bevorsteht, hat das schnelle Geld bereits Position verlassen. So zumindest sehen es jene, die seit Monaten auf den Ausbruch warten.

Die Zypern-Rettung, die den Ibex nicht belastete

Am 16. März 2013 einigten sich Eurogruppe und IWF auf ein Rettungspaket für Zypern, das auch Eingriffe in Spareinlagen vorsah. Das Parlament in Nikosia lehnte dies ab, offen wurde über einen Euro-Austritt diskutiert – doch die spanische Börse reagierte gegen alle Erwartungen positiv. Ein Analyst fasste es trocken zusammen: „Zypern lehnt den Plan ab, der Euro-Austritt ist Thema, und trotzdem steigt die Börse.“ Die Verwirrung war verständlich.

Die Details der Rettung verschlechterten sich im Laufe der Tage. Beim Bank of Cyprus wurde von einem Haircut von bis zu 60% für Großanleger gesprochen, und die abgewickelte Laiki Bank ließ ihre Kunden Verluste von nahe 80% hinnehmen. Angesichts dieser Zahlen musste der positive Monatsabschluss des Ibex anders erklärt werden als durch Euphorie. Die verbreitete Erklärung war weniger heroisch: Große Akteure bewegten den Index nach Belieben, während Kleinanleger nur auf die Kerzen charteten. Der Rest sei bloße Choreografie gewesen.

Vom „schwachen Index“ zum Ausbruch: Die Prophezeiung der Bullen

Wochenlang dominierte die Erzählung vom Widerstand. Man warnte vor einem „schwachen, festgefahrenen“ Index mit unbequemen Argumenten: Seit September 2012 waren kaum 500 Punkte gewonnen worden, wenig angesichts guter Nachrichten. Man verwies auf Volatilität in Erschöpfungszonen, fallende MACD- und RSI-Werte und eine Widerstandslinie bei 2,40 Euro eines unbekannten Werts. Die Schlussfolgerung lautete stets: Es könnte steigen, aber ich würde mich nicht long positionieren.

Auf der anderen Seite standen die Optimisten. Ihre Ziele waren längst formuliert: erst 8.600, dann 9.400 und sogar 9.700. Das Argument: Der Ibex hänge seinen europäischen Nachbarn hinterher und hole nur auf. Als der Index die 8.500er-Marke überschritt, gab selbst der Pessimist zu, dass diese Idee, die Monate zuvor absurd wirkte, nun Gänsehaut bereitete. Dies ist die klassische Falle: Wenn das Kursziel erreicht ist, weiß man nicht, ob man feiern oder fliehen soll.

Acerinox gegen Arcelor: Fundamentaldaten, die stimmten

Mitten im Makro-Lärm konzentrierte sich ein Teil der Analyse auf das Messbare: Bilanzen. Der Vergleich zwischen Stahlkonzernen beschäftigte mehrere Tage. Acerinox wies eine Nettoverschuldung von 564 Millionen aus und einen operativen Cashflow von 565 Millionen in 2012, fast identisch mit 2007. Arcelor schleppte 16.640 Millionen an Schulden mit sich, und sein operativer Cashflow fiel im selben Zeitraum von 16.532 auf 5.294 Millionen. Die Lesart war einfach: Ersteres übersteht Nachfragekrisen besser; Letzteres bietet mehr Aufwärtspotenzial, wenn der Zyklus dreht.

Nach dieser Logik wurden auch Repsol, ACS, Bayer und vor allem die sogenannten Penny Stocks (kleine, hochverschuldete, volatile Werte) diskutiert, die als Risikobarometer dienten. Die wiederkehrende Warnung: Harte Abstürze bei stark verschuldeten Firmen gingen oft Index-Einbrüchen voraus. Nicht immer trat dies ein. Aber wer zweimal warnte, lag manchmal richtig.

Die „qualvolle Metamorphose“ der Hybridanleihen

Ein weiteres Thema des Monats waren Institute, die Hybridanleihen im Wert von 6,5 Milliarden Euro bedienten. Deren angekündigter Umtausch in Aktien wurde ironisch als „qualvoll“ bezeichnet. Hinzu kamen Aktienzusammenlegungen (Contra-Splits) und Kapitalerhöhungen, was viele Anleger mit vier offenen Excel-Tabellen zurückließ und das Gefühl erzeugte, die Zahlen seien kein Plan, sondern ein Scherz. „Manchmal frage ich mich, ob das alles nicht der beste Gag aller Zeiten ist“, schrieb ein erfahrener Investor.

Die Diskussion driftete zum Dauerthema: Wenn das Management nicht Eigentümer ist, hat das einen Preis. Das Argument: Ein Manager mit Gehalt, aber ohne Aktien, verdient gleich viel, egal ob das Schiff langsam sinkt. Wahre Disziplin entsteht erst, wenn die Vergütung an Dividenden gekoppelt ist. Währenddessen stapelten sich „Schwarze Schwäne“ am Horizont, und das gesamte Ballett stand noch aus.

Vier Excel-Blätter und die Schlaflosigkeit des Anlegers

Nicht alles war Chartanalyse. Der Monat brachte auch das ehrlichste Geständnis der Periode: Ein langjähriger Marktteilnehmer kündigte seinen Rücktritt an – nicht wegen Verlusten, sondern wegen schlechter Gewinne. „Ich leide zu sehr und bin ständig nervös, unabhängig vom Gewinn. Mein Kopf schaltet nie ab, ich rechne ununterbrochen“, schrieb er. Mit gesichertem Leben und ohne Not, Risiken einzugehen, zog er den Ruhestand dem täglichen Verschleiß vor.

Dies beleuchtet ein Problem, über das kaum gesprochen wird: die psychischen Kosten des Tradings. Man kann gewinnen und dennoch krank werden. Die wiederkehrende Empfehlung lautete, ein System zu entwickeln, bevor man es automatisiert, und die Logik zu verstehen, bevor man kauft. Ein anderer fasste seine Methode brutal ehrlich zusammen: „Mein bestes Investment war mein erstes, gekauft ohne Analyse, nur aus Bauchgefühl. Es war eine Vision.“ Glück und Technik werden in diesem Geschäft ewig koexistieren.

Papst Franziskus, PRISA und Paco González: Die Randnotizen des Monats

Im März 2013 wurde Papst Franziskus gewählt, was alte Vorwürfe einer angeblichen Kollaboration mit der argentinischen Diktatur neu befeuerte – Anschuldigungen, die hier nur als gerichtlich nie bestätigte Hinweise wiedergegeben werden. Laut Ironikern lenkten die zyprische Politik und das vatikanische Drama von eigenen Problemen ab.

Unternehmensseitig stach eine scheinbar kleine Nachricht hervor: Paco González gewann den Prozess gegen Radio Cadena Ser mit einer Entschädigung von 2,4 Millionen Euro. Die Berechnung war eloquent: Dieser Betrag entsprach 1,6% der Marktkapitalisierung von PRISA, die bei rund 148,86 Millionen lag. Im Kontext wog ein Arbeitsrechtsstreit so viel wie eine Ecke des Medienimperiums. Und dank der Prozessreform konnte das Unternehmen Berufung einlegen, ohne die Summe zu hinterlegen. Eine weitere Lektion über Justiz und Liquidität für den Sparer.

Wo blieb die Debatte?

Der Monat endete mit dem Gefühl, dass Ibex und Nachrichten auf verschiedenen Planeten lebten. Die Vorsichtigen sahen weiterhin einen Widerstand; die Bullen erwarteten den Sprung. Der Index tat, was er wollte, und ließ beide Seiten sprachlos zurück. So begann April mit dem Versprechen, dass der Index die Neun-Tausender-Marke erreichen werde – eine weitere Prophezeiung, ausgesprochen mit derselben Überzeugung wie die Widerstands-Theorie im Vormonat. Wer zu präzise prognostiziert, zahlt dafür; wer nichts schreibt, wirkt nie dumm. Die Zeit wird zeigen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (3255 Antworten).

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