Ibex 35 im Januar 2012: Gefangen zwischen 8.400 und 8.600 Punkten

Der spanische Leitindex Ibex 35 bewegte sich im Januar 2012 kaum, während Short-Verkaufsverbote für Finanzwerte und ein schwacher Euro dominierten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ibex 35 im Januar 2012: Gefangen zwischen 8.400 und 8.600 Punkten
Der Ibex 35 startet 2012 in einer engen Spanne zwischen 8.400 und 8.600 Punkten

Der Ibex 35 begann das Jahr 2012 mit einer Bandbreite von 200 Punkten (8.400–8.600), die sich bis zur Erschöpfung wiederholte. Und nein, sie wurde nicht durchbrochen. Die Monatsdaten deuteten auf einen Markt hin, dessen Richtung durch das Verbot von Leerverkäufen bei Finanzwerten, die Liquiditätszufuhr der EZB und einen Euro bestimmt war, der auf historische Tiefs sank. Das Szenario war so flach, dass sich ein Großteil der Diskussionen auf die Zählung der Kontrakte des Ibex-Futures konzentrierte. Wenn der Index sich nicht bewegt, bewegen sich die Narrative.

Was geschah mit dem Ibex 35 in der Range um 8.400 Punkte?

Die Schlüsselzahl des Monats war eine einzige, wie ein Mantra wiederholte: 8.400–8.600. Auf dieser Seitwärtsbewegung basierte die gesamte Handelsstrategie. Das Muster war fast mechanisch — kaufen unten, verkaufen oben — und funktionierte gerade gut genug, damit niemand aussteigen wollte. Aber diese Bequemlichkeit birgt ein Problem: Wer die Index-Range auf einzelne Werte überträgt, liegt falsch. Eine Analyse der Monatsmitte wies schonungslos darauf hin: Wenn der Ibex seitwärts läuft, kann der konkrete Wert gerade seine Gewichtung ändern oder seinen eigenen Einbruch vorbereiten.

Einige behaupteten, der DAX stehe kurz vor dem Entgleisen: Da die deutsche Lokomotive mit den 6.000 Punkten kokettierte, klang die Warnung vor einem mittelfristigen Crash nicht mehr nach Übertreibung. Andere entgegneten, solange dieses Niveau nicht unterschritten werde, bestehe Spielraum, um Anleger zu verwirren. Der objektive Referenzpunkt war da, ob man ihn glaubte oder nicht.

Warum Endesa und Telefónica der Umweg waren, um gegen den Ibex zu wetten

Das Verbot von Leerverkäufen bei Finanzwerten im Selektivindex schuf einen Markt für Ersatzanlagen. Da Banken nicht direkt leer verkauft werden konnten, richtete sich das Bären-Geld auf andere Schwergewichte: Endesa und Telefónica fungierten wochenlang als Short-Proxy für den Index. Wenn der Ibex fiel, ging es über diese Titel. Die Logik war offen bekannt: Die weniger finanzlastigen Werte, die als „bestraft“ galten, ermöglichten genau diese Wette, ohne gegen die Regulierung zu verstoßen.

Das Interesse an diesen Strömen führte zum Thema Wertpapierleihe. Es wurde Posten für Posten diskutiert, welche Unternehmen am meisten geliehenes Kapital für Short-Positionen trugen. Laut den im Thread geteilten Daten erschien Iberdrola mit konkreten Zahlen: Rund 520 Millionen Aktien verliehen, mit einer täglichen Ausweitung von fast 8 Millionen. Gamesa, bei dem etwa 20% des Kapitals in geliehenen Händen lagen — rund 50 Millionen von 250 —, galt als Liebling der Leerkäufer, und Investmentbank-Wetten sahen ein Potenzial bis zu 2,48 Euro, unterhalb sogar seines Buchwerts von 2,50 Euro.

Wer den Ibex-Future kontraktweise verfolgt

Es gab eine Art Analyse, die sich täglich wiederholte und die kaum ein Medium reproduzierte: das Volumen der „Leoncios“, die minütliche Zählung großer Pakete von Ibex-Futures-Kontrakten. Einzelne Trades wurden mit Namen und Nummern notiert. Ein Kauf von 3.441 Kontrakten mitten in der Verfallswoche. Ein Verkauf von 210 Kontrakten, getarnt als 185. Ein Sprung des Saldos von −269 auf −147 in nur fünf Minuten durch plötzliche Käufe. Die Lesart dieser Zahlen ist der alte Marktverdacht: Große Hände hinterlassen Spuren, und diese Spuren sind mehr wert als jede Agenturmeldung.

Es ist verlockend, all dies auf die Frage zu reduzieren, ob der Index steigt oder fällt. Die ehrlichste Schlussfolgerung des Monats, geschrieben von jemandem, der sich selbst als wortkarg beschreibt, aber jahrelang vor dem Markt sitzt, deutete auf etwas anderes hin: Die Richtung richtig zu liegen ist fast egal, wenn die Operation durch Überhebelung scheitert. Wichtig ist, wann man einsteigt, wann man aussteigt und mit welcher Größe. Der Rest ist Barphilosophie.

Monti, Ungarn und ein Euro auf Tiefständen

Das makroökonomische Umfeld half der Ruhe nicht. Mario Monti brüstete sich und erklärte, Italien sei aufgrund seines Defizits „besser positioniert als Spanien“, obwohl er eine historisch höhere Verschuldung einräumte. Ungarn verhandelte „ohne Bedingungen“ Hilfen des IWF und der EU. Der Euro näherte sich der Marke von 1,2802, einem Niveau, das die Teilnehmer als „Angst oder Tod“ tauften. Und Rating-Herabstufungen waren an der Tagesordnung: Eine Agentur hatte Frankreich verschont, aber was mit Spanien geschehen würde, war unklar.

Den letzten Stoß versetzte der Makro-Datenpunkt. Das US-BIP lag bei 2,8%, während der Konsens 3,1% erwartet hatte. Die Reaktion der Indizes war wie immer: Erst werden alle Daten falsch interpretiert, dann richtig. Diese Choreografie — der anfängliche Stolperer und die Erholung, die Leerkäufer ratlos zurücklässt — beschrieb ein Teilnehmer präziser als jeder Analystentisch.

EZB-Liquidität und die Prophezeiung von QE3

Unter dem ganzen Lärm zeichnete sich der wahre Hebel ab: die monetäre Injektion. Die Indizes, einschließlich der amerikanischen, schienen eine neue Runde quantitativer Lockerung und mehr Geld der EZB vorwegzunehmen. Die These war klar: Immer näher an der globalen Hyper-Injektion, und damit dem „Himmelssturz“ der Börsen. Die begleitende Warnung war auch nicht originell: Dieses Geld muss in drei Jahren zurückgezahlt werden, und wenn es nicht geht, gibt es eine weitere Roll-over-Runde und weiter geht’s. Die Inflation, hieß es, werde auftauchen, wenn die Banken wieder Kredit vergeben und die EZB die Liquidität nicht zurückzieht.



Da der Thread vor Ende Januar die 4.000 Antworten überschritt, hatte die Debatte nichts geklärt. Der Ibex blieb in seiner Range gefangen, Leerkäufer suchten weiterhin Umwege außerhalb der Finanzwerte, und der Euro atmete schwer. Die häufigste Prognose für 2012 war ein −10% p.a., mit der Einschränkung, dass eine Rezession eingepreist war, aus der der Ausstieg unklar war. Was dieser Januar lehrte, ist, dass man recht haben kann bezüglich der Richtung und trotzdem verlieren kann. Der Markt belohnt keine Propheten. Er belohnt jene, die rückwärts gehen können, um zu überleben.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (4025 Antworten).

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