Ibex 35: Inverse ETFs, die Marke von 6.708 Punkten und ein Markt im Casino-Modus
Juli 2010. Der spanische Aktienindex Ibex 35 notiert um die 9.000 Punkte, der Sommer verspricht flache Kurse ohne Volumen, und die Frage auf den Handelsplattformen lautet nicht ob kaufen, sondern wie absichern. Die Antwort, die an Gewicht gewinnt, hat einen technischen Namen: inverser ETF. Ein Produkt, das den Index nach unten abbildet, keine täglichen Abrechnungen erfordert und keine Finanzierungskosten für Leerverkäufe verursacht. Die erste Reaktion auf diese Idee ist ein Bar-Scherz: „Das ist etwas für Arme“.
Fünfzehn Jahre nach jenem Sommer ist das Instrument, das damals mit Misstrauen betrachtet wurde, in jedem Kleinanlegerdepot üblich. Die grundlegende Debatte bleibt jedoch unverändert: Wer verdient, wenn sich der Markt bewegt, und wer zahlt die Rechnung?
Was ist ein inverser ETF und was kostet der Handel damit?
Die Mechanik ist einfach. Ein ETF bildet Indizes, Anleihen oder Rohstoffe sowohl long als auch short ab; er ist kein standardmäßig gehebeltes Produkt – obwohl es Versionen Ultra gibt, die das -200% oder -300% des Indexes in einer einzigen Sitzung anstreben –, und leitet die Dividenden des zugrunde liegenden Korbes weiter. Die jährlichen Kosten liegen zwischen 0,2% und 0,4%, verglichen mit der täglichen Finanzierung, die CFDs mit sich bringen.
Der Haken liegt in der Broker-Provision. Ein bestimmter Intermediär berechnet 13 Euro pro Kauf oder Verkauf: Bei Einstieg und Ausstieg wird doppelt gezahlt. Der damalige Hauptemittent war französisch, im Besitz einer französischen Bank, und garantierte Liquidität durch ständige Orders über Tausende von Produkten. Die Frage blieb unbeantwortet: Was passiert mit diesem Geld, wenn der Emittent insolvent wird?
Die vollständige Kostenaufstellung und die Liste der gehebelten Short-ETFs, die jenen Sommer kursierten, samt ihren Tickern und Börsenplätzen, finden sich im Originalmaterial.
Die Manipulationsthese: Der Index steigt, um Shorties auszusitzen
Es gibt eine Strömung, die behauptet, der Markt habe sich 2010 nicht aufgrund von Fundamentaldaten bewegt, sondern nach Design. Der S&P durchbricht eine bearishe Trendlinie „wie Butter“, Bewegungen verlangsamen sich ohne erkennbaren Grund und europäische Indizes steigen, während der amerikanische fällt. Die häufigste Lesart: Starke Hände wollen keine Begleitung durch Bären und erzwingen den Margin Call der Kleinen vor der Trendwende.
Dagegen stehen die Skeptiker dieser Theorie. Ein Tageschart kann die Trendlinie durchbrochen haben und nichts bedeuten; die Anpassung der Linie an die Kerzenextreme erzählt eine andere Geschichte. „Man muss auf den Tagesschluss warten“, wird gewarnt. Und das unbequeme Argument taucht auf: Warum so viel Mühe, den nächsten Monat vorherzusagen, statt heute Position zu beziehen?
Schatzamt, IBM und ECRI: Die Daten, die die Woche bewegten
Konkrete Zahlen sind wichtig. Das spanische Schatzamt (Tesoro Público) musste Ende Juli 24 Milliarden Euro ausgeben und platzierte eine syndizierte Emission von 6 Milliarden mit einer Nachfrage von über 14 Milliarden, was die Skeptiker beruhigte. IBM meldete einen Gewinn je Aktie von 2,61 US-Dollar, über den Erwartungen, obwohl die Umsätze darunter blieben. Und der wöchentliche ECRI-Indikator fiel auf -10,5% vom vorherigen -9,8%, sein niedrigster Stand seit Mai 2009.
Die Woche begann theoretisch bearish und endete seitwärts: Der Stoxx legte 0,29% zu, der S&P verlor 0,05% und der Ibex gewann 0,99%. Der letzte Freitag des Monats schloss mit lächerlichen Gewinnen — 0,01% beim S&P, 0,07% beim europäischen Index —, die allen das Gefühl hinterließen, auf ein „großes Ding“ gewartet zu haben, das nie kam.
Vom kostenlosen Chart zum Hochfrequenzhandel: Wie rüstet sich der Daytrader?
Nun zur schweren Artillerie. Plattformen wie ProRealTime oder VisualChart kosten mehr als 130 Euro monatlich, und manche fragen sich, ob sich die Zahlung lohnt oder ob der kostenlose Broker-Chart reicht. Die Antwort ist ebenso direkt wie unangenehm: Daytrading ohne Echtzeitdaten ist wie „ein Maschinengewehrnest mit einer Hand am Rücken stürmen“. Der Markt ist Arbeit, und Arbeit erfordert Werkzeuge.
Die kostenlose Alternative existiert — Demo-Plattformen mit Echtzeitdaten im Austausch gegen Marketinganrufe — und die Indizes werden mit Linien und Fibonacci-Retracements gezeichnet, die, wie einer der Analysten selbst zugibt, funktionieren, weil die Leute daran glauben.
Die 6.708 Punkte: Die bearishe Projektion, die niemand sehen will
Die meistzitierte Berechnung des Sommers basiert auf einem einfachen Datum. Der Ibex 35 fiel von 11.566 auf 8.563 Punkte. Die Projektion auf 161,8% dieser Welle setzt den Boden bei 6.708 Punkten. Die Zahl kursierte halb im Scherz, passte aber zum pessimistischsten Szenario: eine kurzfristige Erholung innerhalb eines langfristigen Abwärtstrends.
Für andere ist die Zählung mittelfristig bullish und lässt sogar Überwinden der 12.200 zu. Niemand hat eine Kristallkugel, und die Autoren der Niveaus nahmen selbst an, dass es „bloße Zufälle“ sein könnten. Der größte Feind war nie die Richtung des Indexes, sondern die Gewissheit, richtig gelegen zu haben.
Am Montag, um 11.08 Uhr, notierte der Ibex bei 9.938. Zwölf Minuten später bei 10.001. Fast 70 Punkte in Windeseile: Die gesamte Spanne einer Sitzung, konzentriert in zwei Kerzen eines Fünf-Minuten-Charts.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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