Iberien: Was wäre, wenn Spanien und Portugal ein einziger Staat wären?

In einer Debatte wird eine Fusion von Spanien und Portugal erörtert: Ein Nutzer rechnet mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 12,6 %, gegenüber 6 % in Portugal und 14 % in Spanien.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Iberien: Was wäre, wenn Spanien und Portugal ein einziger Staat wären?
Iberien: Das Land, das sich keiner zu berechnen traut

6 % Arbeitslosigkeit in Portugal, 14 % in Spanien. Mit diesen beiden Zahlen auf dem Tisch hört die Frage auf, was wäre, wenn beide Länder einen einzigen Staat bildeten, ein Gesellschaftsspiel zu sein und wird zu einer unbequemen Übung in politischer Arithmetik. Laut einer Berechnung, die in der Debatte kursiert, läge der daraus resultierende Durchschnitt bei 12,6 % und wäre damit weiterhin ein vergleichskatastrophaler Wert in Europa. Und da beginnt das Problem: Für diesen Nutzer löst die Union niemandens Probleme, sie verteilt nur die mangelhafte Note.

Der Einwurf, getätigt im Rahmen einer wirtschaftlichen Diskussion, öffnet ein Spektrum, das von historischer Romantik bis zur kältesten Fiskalrechnung reicht. Denn der Iberismus hat zwei unvereinbare Versionen. Auf dieser Seite der Grenze träumt man von einer achtzehnten Autonomen Gemeinschaft; auf der anderen von einer Fusion auf Augenhöhe. Niemand hat bisher erklärt, wie sich eine feindliche Übernahme mit einer Ehe vereinbaren lässt.

Die Rechnung, die die Begeisterung zerstört

Die Rechnung ist einfach und vernichtend. Portugal bringt einen Arbeitsmarkt mit halb so hoher Arbeitslosigkeit wie Spanien ein; Spanien bringt eine fast fünfmal größere Bevölkerung ein. Das gewichtete Ergebnis ist kein neues Land, es ist Spanien mit einer etwas gesünderen atlantischen Provinz. Die 12,6 % durchschnittliche Arbeitslosigkeit verlassen das europäische Schlusslicht keineswegs.

Manche gehen weiter und behaupten, die Union wäre ein finanzieller Aderlass in Richtung Norden. Das Argument: Das spanische Autonomiesystem würde Lissabon überfinanzieren, um sich dessen Loyalität zu sichern, genauso wie es bei anderen Regionen geschieht. Das Gesetz der kommunizierenden Röhren, nennen sie das. Portugal würde bei der Finanzierung gewinnen, und Spanien würde die Zeche zahlen.

Der portugiesische Einwand ist kein wirtschaftlicher, er betrifft den Status. Vom souveränen Staat mit Jahrhunderten der Geschichte zur Region einer fremden Verwaltung zu werden, lässt sich nicht mit Transferzahlungen kompensieren. Zumal die Sprache, anders als Katalanisch oder Baskisch, eine internationale Sprache mit eigenem Gewicht ist. Da hilft kein Scheck.

Warum Portugal nicht die 18. Autonome Gemeinschaft sein will

Weil es das Kommando verlieren würde. Das ist die Schlussfolgerung, die immer wieder mit anderen Worten wiederholt wird. In einer Union, deren Hauptstadt weiterhin Madrid wäre — oder im schlimmsten Fall Lissabon —, hätten die Portugiesen eine Stimme, aber keine entscheidende. Das Kastilische würde aufhören, Staatssprache zu sein, und würde zu einer Sprache unter vielen ohne Sonderstellung. Für viele ist das keine Fusion: Das ist eine Absorption mit guten Manieren.

Die historische Erinnerung spricht dagegen. Manche behaupten, bis ins 19. Jahrhundert hinein hätten die Könige von Portugal sich selbst als Könige von Spanien betrachtet, und alle Halbinselkönigreiche hätten von der Wiedervereinigung geträumt. Der Streit ging nie darum, ob man sich vereinigen sollte, sondern darum, wer befiehlt. Wie die Saat, so die Ernte.

Der Name des Konstrukts: Iberien, Hispanien oder Spanien

Hier zerbricht der Konsens an semantischen Fragen. Manche verteidigen Iberien als neutralen geografischen Begriff, der für beide akzeptabel ist. Andere entgegnen, der historische und politische Name sei Spanien, und bis ins 15. Jahrhundert hätten die portugiesischen Monarchen sich Könige der Spanien genannt. Der Protestbrief eines portugiesischen Königs an die Katholischen Könige wegen der Aneignung des Titels ist das zitierte Beispiel.

Der Namensstreit ist nicht trivial. Wenn der Name bereits Konfliktstoff birgt, multipliziert die Machtverteilung ihn. Und da kommt die Innenpolitik ins Spiel: Eine Union mit Portugal würde das politische Kräftefeld unvorhersehbar verschieben. Manche rechnen damit, dass die PSOE (Spaniens sozialistische Partei) jede Wahl gewinnen würde. Andere sehen in dem Vorhaben eine Möglichkeit, den jetzigen Staat abzuwickeln und eine Konföderation unter einer gemeinsamen Monarchie zu errichten.

Was die Zahlen des einen und des anderen Landes sagen

Über die Arbeitslosigkeit hinaus füllt sich der Vergleich mit Kränkungen. Es wird angeführt, dass Portugal bei Erwerbstätigenquote, Kriminalität, Suiziden, Wachstum, VPI und Immobilienpreisen besser dastehe. Dass die Portugiesen einfache Leute seien, die sich nicht dafür schämen, ein armes Land zu sein, und die, ganz langsam, Spanien bei den wichtigen Indikatoren überholen. Wenn das stimmt, ändert sich die Frage: Wer braucht wen?

Die am häufigsten gegebene Antwort lautet, dass die Union für Spanien interessanter ist als für Portugal. Und dass sie trotzdem nicht zustande kommt. Die Engländer würden es nicht zulassen, sagen manche; die Eliten beider Länder auch nicht, sagen andere. Der Iberismus wäre eine geopolitische Operation, die niemand mit echter Macht Anreize hätte durchzuführen.

Bleibt die Zahl, die aus dem Rahmen fällt. Vor mehr als einem Jahrzehnt sahen die befragten Portugiesen die Integration wohlwollend. Heute, nicht ansatzweise. Krise, Politik und der Lauf der Zeit haben die Romanze abkühlen lassen. Iberien wird eine mentale Landkarte bleiben. Und eine Arbeitslosenquote von 12,6 %, die keiner unterschreiben will.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (61 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver