Huerta de Soto analysiert Mileis zehn Davos-Punkte im Detail

Analyse von Mileis Rede in Davos: Von Adam Smith als lauem Sozialdemokraten bis zur 58%igen Enteignung durch den Staat, während Argentinien die Kosten trägt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Huerta de Soto analysiert Mileis zehn Davos-Punkte im Detail
Mileis zehn Punkte in Davos, Vorlesung für Vorlesung seziert

In einem Hörsaal, vor der Kamera und ohne Tafel, zerlegt ein Wirtschaftsprofessor in sechs Minuten die Rede, die Javier Milei auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos gehalten hat. Der erste Teil dient der Aufzählung der Thesen des argentinischen Präsidenten; der Rest liefert „Fakten en masse“. Die aufgezeichnete und verbreitete Sitzung ist zu einem Referenzdokument des liberalen Gedankenguts geworden und zum Ausgangspunkt einer anhaltenden Debatte: mehr als 100 Millionen Tote, die dem Sozialismus zugeschrieben werden, eine Wirtschaftswissenschaft, die seiner Meinung nach spanisch statt österreichisch heißen sollte, und eine schonungslose Abrechnung mit Adam Smith.

Die zehn Punkte, mit denen Milei sein Glaubensbekenntnis in Davos zusammenfasste

Die Analyse beginnt beim Wesentlichen. Die Menschheit habe 200 Jahre grenzenlosen Wohlstands erlebt, das Ergebnis aus individueller Freiheit, Respekt vor Privateigentum und dem kapitalistischen System. Darauf bauen sich die Thesen auf: Der Sozialismus verarmt und hat jeden Ort ruiniert, an dem er angewandt wurde; zudem unmoralisch, hat er über 100 Millionen Menschen dahingerafft.

Argentinien dient als wiederkehrendes Beispiel. Nach der Annahme einer liberalen Verfassung wurde es eines der reichsten Länder der Welt; später ruinierte es sich durch sozialistische Politik. Die Schlussfolgerung lautet, dass der Westen in Gefahr ist, weil er die Marktprinzipien verraten hat, auf denen sein Wohlstand beruhte. Milei definiert den Sozialismus dann als Etatismus neu, also jedes System institutioneller Aggression gegen die menschliche Freiheit, und behauptet, dass er angesichts des Erfolgs des Kapitalismus neue Opfer für den Kulturkampf sucht: Feminismus, Egalitarismus und Ökologie, unter anderem.

Die Liste der Verdächtigen wird kompromisslos erweitert: Kommunisten, Faschisten, Sozialdemokraten und Christdemokraten wären vom Etatismus infiziert. Der Vortragende fügt die amerikanischen Neoliberalen und die Republikanische Partei hinzu. Die Rede endet mit einem Loblied auf die Freiheit und die unternehmerische Funktion.

Adam Smith als „lau“ und IBMs Monopol als Beweis

Ab hier wechselt die Sitzung den Gang. Adam Smith wird als ein für die Wirtschaftswissenschaft schädlicher, lauer Sozialdemokrat dargestellt: Er gab die subjektive Werttheorie auf, adoptierte eine objektive Theorie, die später dem Marxismus zugrunde lag, und sah den Markt als Suche nach statischem Gleichgewicht. Wenn das ein Verteidiger des Liberalismus sei, so die Argumentation, dann möge Gott herabkommen und es sehen.

Der Rest der Urteile folgt kaskadenartig. Juan Domingo Perón erscheint als Hauptverantwortlicher für Argentiniens Ruin, weil er dort Mussolinis etatistisches Modell angewandt habe. Monopole sind nicht unbedingt schlecht: Entscheidend ist, ob der Alleinverkäufer nur übrig blieb, weil er den Markt besser bediente, oder wegen staatlicher Privilegien – wenn nicht, frage man IBM. Die Feinde der Freiheit verhalten sich nach dieser Lesart wie Wiesel, die das Ei von innen auffressen und die Schale intakt lassen: Die Demokratie korruptiert sich zur Volksdemokratie, die Gerechtigkeit zur sozialen Gerechtigkeit, der Rechtsstaat zum Wohlfahrtsstaat.

Es gibt in seiner Version zwei Freiheitsbegriffe: den richtigen, die Abwesenheit von Zwang, und den entweihten, das Recht, alles zu tun, was man will, was die Nutzung staatlicher Zwangsmacht zur Herbeiführung des Paradieses legitimieren würde. Und eine grundlegende Unmöglichkeit: Die Organisation der Wirtschaft von oben scheitert immer, da kein Leitorgan die Informationen verarbeiten kann, die von 8 Milliarden Menschen erzeugt werden; Technologie löst das nicht, sie vervielfacht das Volumen.



Die Rechnung, die Argentinien bereits zahlt

Das Publikum dieser Lektion ist ökonomisch, aber der Puls ist argentinisch. Die Preise in den Supermärkten des Landes haben sich den spanischen angenähert, bei der höchsten Jahresinflationsrate der Welt. Zwei Monate nach Amtsantritt ist die häufigste Klage, dass alles doppelt so teuer sei, und die Regierung hat Strompreiserhöhungen zwischen 65 % und 150 % für April angekündigt, zusätzlich zu teurerem Gas in Flaschen. Parallel dazu überstieg die Abwertung des Pesos gegenüber dem Dollar 50 %, was für manche die Bestätigung einer unvermeidbaren Anpassung ist und für andere die direkte Ursache des Schlagins Portemonnaie.

Wie viel enteignet der Staat: 58 % oder 65–70 %?

Eine der am meisten diskutierten Passagen ist fiskalischer Natur. Die Zahl, die der Analyse der Sitzung zugeschrieben wird, besagt, dass der Staat 58 % des realen Einkommens (sieben Zwölftel) einbehält. Dem gegenüber steht eine andere Strömung, die die Enteignung auf 65–70 % beziffert, und daran erinnert, dass die Stimmenkauf-Maschinerie von den Arbeitern bezahlt wird, denen bis Juli alles, was sie verdienen, als Steuern abgezogen wird. Die Divergenz ist mehr als numerisch, sie betrifft die Tragweite: Wenn der Ausgangspunkt bereits höher ist, gerät jede Kürzungsdiskussion aus dem Lot.

Die Gegenposition: Die UdSSR, der Gini-Koeffizient und ein Kapitalismus, der nur konzentriert

Nicht alle unterschreiben. Dem liberalen Narrativ stellt sich eine unbequeme These entgegen: Der Kapitalismus produziere keinen Reichtum mehr, sondern konzentriere ihn nur noch, weil die Kapitale Anfang der 90er-Jahre aufgehört hätten, unternehmerisch tätig zu sein, und auf Spekulation umgeschwenkt seien, die profitabler und sicherer sei. Der Wohlstand käme in dieser Lesart vom technologischen Fortschritt und nicht von einer konkreten Wirtschaftspolitik.

Auch der Vergleich mit dem sowjetischen Block ist nicht friedlich. Es wird daran erinnert, dass die liberale Demokratie mehr als zweihundert Jahre brauchte, um sich zu stabilisieren, und dabei Millionen Tote forderte, und verteidigt, dass die zaristische Autokratie zu wenig und zu spät getan habe. Die Entgegnung ist schlagkräftig: Als die Oktoberrevolution stattfand, regierte der Zar nicht mehr, und es hatten freie Wahlen in einem verfassungsgebenden Prozess stattgefunden. Andere weisen auf den Gini-Koeffizienten als irreführendes Thermometer hin, der in Venezuela, Kuba oder Nordkorea eine gleichmäßigere Verteilung zeichnen kann als in Spanien.

Die Diskussion leitet über zu größeren Fragen: Ob die Wirtschaft unbegrenzt wachsen kann, ob Freiheit gekauft oder verkauft werden kann und was geschehen würde, wenn auch Maschinen liberal würden. Niemand schließt den Kreis.

Der Reibungspunkt, der ungelöst bleibt

Es bleibt eine Kluft, die sich durch das ganze Thema zieht. Ein Teil argumentiert, dass die Freiheit, nicht die Maßnahmen, die Menschen aus der Armut geholt habe, und dass der Markt eine Reihe subjektiver Bedürfnisse sei, die nicht planbar sind. Der andere antwortet, dass eine perfekt liberale Wirtschaft wie der Kommunismus sei: eine moderne Utopie, die nie existiert hat. Zwischen beiden steht ein Faktum, das irritiert: Dieselbe Analyse, die dem Staat den Diebstahl von 58 % des Einkommens zuschreibt, räumt im Munde anderer ein, dass die reale Zahl noch schlechter sei. Wenn die Diagnose bereits unvollständig ist, wird das Rezept allein diskutiert.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (855 Antworten).

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