Homelander: Wenn absolute Macht auf die Bosheit eines Wahnsinnigen trifft

Die Figur aus The Boys, gespielt von Antony Starr, tötet die Wissenschaftler, die ihn gefoltert haben, und lässt eine Zeugin am Leben, damit sie sich an seine Macht erinnert. Warum er so grausam ist.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Homelander, der Superheld aus The Boys, richtet die Verantwortlichen des Labors hin, in dem er aufwuchs, und verschont nur eine ältere Frau, damit seine Macht im Gedächtnis eines Menschen verankert bleibt. Die von Antony Starr verkörperte Figur macht aus Rache ein Schauspiel und aus Freundlichkeit eine Bedrohung.

The Boys ist seit Jahren in aller Munde, aber es gibt Figuren, die nicht veralten. Homelander, der im Labor erschaffene Superheld, der diesem Text den Titel gibt, ist eine davon. Sein Name lässt sich mit „Patriot“ übersetzen, und jenseits von Umhang und Flagge verkörpert er einen der ältesten Albträume der Fiktion: das Experiment, das sich gegen seinen Schöpfer wendet. Die Prämisse erinnert an die Geschichte vom Monster, das der Kontrolle seines Erschaffers entkommt, nur dass die Kreatur hier weder ungeschickt noch irrational ist. Sie besitzt Intelligenz und Kräfte, die sie weit über alle anderen Menschen stellen.

## Ein Labor, ein Kuchen und eine angekündigte Rache

Die Szene, die die Figur am besten zusammenfasst, ist keine Schlacht. Es ist ein Besuch. Homelander erscheint in dem Labor, in dem man ihn in seiner Kindheit schmerzhaften Tests und Eingriffen unterzog. Er kommt mit einem Kuchen als Geschenk und einem charmanten Lächeln. Er kündigt an, es sei ein Höflichkeitsbesuch, er wolle nur vorbeischauen, um Hallo zu sagen. Alles wirkt herzlich, fast festlich. Genau diese Fassade der Freundlichkeit macht die Situation unerträglich: Der Zuschauer weiß, dass darunter ein Todesurteil liegt.

Der erste Verantwortliche des Labors stirbt lebendig in einem Schmelzofen verbrannt, vor den hilflosen Blicken der Arbeiter. Die Szene ist brutal, aber wirklich erschreckend ist die Gelassenheit, mit der Homelander seine Rache vollzieht, als würde er eine Routineaufgabe erledigen. Er schreit nicht. Er verliert nicht die Nerven. Er macht Witze und begeht eine Sekunde später eine Gräueltat. Diese Unberechenbarkeit, mehr noch als die Gewalt, macht ihn zu einer so verstörenden Figur.

## Demütigung als Schauspiel

Der zweite Verantwortliche ist ein dicker, glatzköpfiger Mann, den Homelander beschuldigt, sich in der Vergangenheit über ihn lustig gemacht zu haben, als er ihn bei der Selbstbefriedigung in dem Raum erwischte, in dem er in seiner Kindheit eingesperrt war. Er demütigt ihn vor allen Kollegen und zwingt ihn, sich vor den Augen der anderen zu befriedigen. Nachdem er sich ausführlich an seiner Scham ergötzt hat, droht er, ihm einen Laserstrahl in den Schritt zu feuern, falls er keine Erektion bekommt.

Darin liegt der Schlüssel zur Figur. Homelander will ihm keine Chance geben, sich zu retten. Was er will, ist sein Leiden zu verlängern, sich an seiner Angst zu amüsieren und zu beweisen, dass er die absolute Kontrolle über das Leben anderer hat. Die Drohung ist ein Todesurteil, verkleidet als grausames Spiel. Als der Mann keine Erektion bekommt, beruhigt ihn Homelander mit scheinbarer Freundlichkeit, sagt ihm, es sei nichts, er solle ruhig bleiben. Und gerade als die Spannung vorbei zu sein scheint, feuert er seinen Laserstrahl auf den Schritt seines Opfers. Der Mann wird tödlich verletzt und verblutet, während Homelander lacht.

## Warum er Barbara am Leben lässt

Die Wissenschaftler, etwa zehn an der Zahl, begreifen, dass ihnen dasselbe Schicksal droht. Trotz des Schreckens, den sie gerade miterlebt haben, hegen sie noch eine letzte Hoffnung: dass Homelander seinen Rachdurst gestillt hat und beschließt zu gehen, ohne ihnen etwas zu tun. Diese Hoffnung ist auch die des Zuschauers, der die Figur mit einer Mischung aus Faszination und Angst betrachtet, ohne zu wissen, was ihr nächster Schritt sein wird.

Doch der Albtraum ist nicht vorbei. Homelander schaltet den Rest des Teams aus und verwandelt das Labor in ein Schlachthaus. Der Raum ist mit Blut und menschlichen Überresten bedeckt. Niemand kommt lebend heraus. Niemand – außer Barbara, einer älteren Frau, die ebenfalls zum Team gehörte. Manche könnten darin deuten, dass er sie am Leben lässt, weil er gewisse Zuneigung für sie empfindet oder weil eine besondere Verbindung zwischen beiden besteht. Die Erklärung passt viel besser zu einem der grundlegenden Züge seiner Persönlichkeit: dem Narzissmus.

Homelander braucht nicht nur das Gefühl, anderen überlegen zu sein; er braucht auch, dass andere diese Überlegenheit anerkennen. Er will bewundert, gefürchtet und vor allem erinnert werden. Barbara am Leben zu lassen ist eine Art sicherzustellen, dass jemand überlebt, um zu erzählen, was geschehen ist, und Zeugnis seiner Macht abzulegen. Es genügt ihm nicht, gesiegt zu haben. Er braucht einen Sieg, der bekannt ist.

## Die Paradoxie des mächtigsten Wesens

Darin liegt einer der Schlüssel zur Figur. Homelander besitzt eine praktisch unbegrenzte Macht, braucht aber dennoch etwas so Menschliches wie die Anerkennung anderer. Er kann töten, wen er will, alles zerstören, was sich ihm in den Weg stellt, und jeden terrorisieren, der es wagt, ihn herauszufordern. Und doch scheint er nicht auf den Blick der anderen verzichten zu können. Das ist seine große Paradoxie: ein Wesen, das an Kraft und Macht fast allen überlegen ist, das aber psychologisch weiterhin von anderen abhängig bleibt, um sein Ego zu nähren.

Und vielleicht ist genau das, was ihn so erschreckend macht. Wir haben es nicht mit einem Monster zu tun, das aus Notwendigkeit tötet, nicht einmal mit jemandem, der allein aus Wut handelt. Wir haben es mit einem Individuum zu tun, das das Leiden anderer in ein Schauspiel verwandeln kann und dabei auch noch Gefallen daran findet. Wenn absolute Macht in die Hände eines solchen Menschen fällt, ist das Problem nicht mehr, wie man ihn aufhält. Die eigentliche Frage ist, ob noch jemand übrig ist, der dazu fähig ist, bevor es zu spät ist.

Die Leistung des neuseeländischen Schauspielers **Antony Starr**, der die Figur verkörpert, trägt einen Großteil der Wirkung. Die Serie funktioniert insgesamt als Kunstwerk ihres Genres, aber im Guten liegt das Beste, und dieser Homelander, der mit einem Kuchen in der Hand lächelt, ist schwer zu vergessen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (0 Antworten).

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