Spanische Staatsbürgerschaft am laufenden Band: die Akte, die die Tür öffnete

Ein 93-jähriger Mexikaner erhielt die spanische Staatsbürgerschaft unter Berufung auf einen Urgroßvater, geboren 1821. Drei Kinder und zwei Enkel haben den gleichen Weg bereits beantragt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der Pass, der vererbt wird, ohne die ursprüngliche Akte zu prüfen

Ein 93-jähriger mexikanischer Staatsbürger erhielt die spanische Staatsbürgerschaft mit der Behauptung, sein Urgroßvater sei 1821 in Burgos geboren. Seine Eltern waren Mexikaner, geboren 1902 und 1905. Sein Großvater, ein Mexikaner, geboren 1857. Der Vorfahre, auf den sich die Akte stützte, starb 1889, ein halbes Jahrhundert vor Beginn des Bürgerkriegs. Von diesem Ausgangspunkt aus haben drei Kinder und zwei Enkel die Staatsbürgerschaft bereits auf Grundlage seiner Akte beantragt.

Der Fall, dokumentiert von THE OBJECTIVE, ist keine isolierte Ausnahme: Er ist die Systematik. Quellen des spanischen Konsulats in Mexiko beschreiben ein Verfahren, bei dem die Beamten, sobald feststeht, dass das Elternteil oder der Großelternteil bereits Spanier ist, den Nachkommen die Staatsbürgerschaft gewähren, ohne die Stammakte erneut zu prüfen. Die Annahme ist, dass die ursprüngliche Entscheidung rechtmäßig ergangen ist. Wenn nicht, pflanzt sich der Fehler fort.

Was das Gesetz sagt und was in der Praxis angewendet wurde

Die achte Zusatzbestimmung des Gesetzes 20/2022 begrenzt den Anwendungsbereich auf "Kinder und Enkel". Urenkel werden nicht erwähnt. Theoretisch ist auch kein Nachweis politischer Verfolgung oder Exil erforderlich: Die Anweisung vom 25. Oktober 2022, unterzeichnet von der damaligen Generaldirektorin für Rechtssicherheit und öffentlichem Glauben, Sofía Puente Santiago, führte eine extensive Auslegung ein, die Nachkommen von Exilierten von denjenigen trennte, die außerhalb Spaniens von einem ursprünglich spanischen Vater, einer Mutter, einem Großvater oder einer Großmutter geboren wurden. In der Praxis entfiel damit die Pflicht, den Exilstatus nachzuweisen für eine breite Masse von Antragstellern, und es wurde eine allgemeine Exil-Vermutung eingeführt.

Das Ergebnis zeigt sich in den Konsulatsstellen. Dieselben Quellen behaupten, dass 90 % der im Zuständigkeitsbereich Mexikos gewährten Einbürgerungen dieser Dynamik entsprechen. Ein Beamter hielt seine Zweifel in einer handschriftlichen Notiz fest, die an die Akte geklebt war: "Achtung! Kein Anspruch. In Kürze stornieren." Den befragten Quellen zufolge setzte sich eine ausdrückliche Anweisung des Botschafters Juan Duarte durch, und der damalige Generalkonsul unterzeichnete die Akte.

Der Dominoeffekt, den niemand überprüft

Das Problem ist nicht nur der ursprüngliche Fall. Es ist das, was danach kommt. Jede irreguläre Einbürgerung wird zur Dokumentengrundlage der nächsten, und die Verwaltung öffnet die Stammakte nicht wieder. Der Mechanismus verwandelt einen Verwaltungsfehler in ein erworbenes Recht für einen ganzen Familienzweig. Im dokumentierten Fall haben fünf direkte Verwandte die Kette in Gang gesetzt.

Manche verteidigen das System mit dem Hinweis, es wende einfach das Prinzip des legitimen Vertrauens an: Wenn der Staat die Staatsbürgerschaft gewährt hat, obliegt es nicht dem Kind nachzuweisen, dass der Vater sie irregulär erhalten hat. Dagegen steht das Gegenargument: Legitimes Vertrauen kann einen nichtigen Akt nicht absichern, schon gar nicht, wenn das Konsularpersonal selbst schriftlich gewarnt hat.

Wer mit diesem Pass wählt

Die Staatsbürgerschaft ist nicht nur ein Reisedokument. Sie verleiht das Wahlrecht bei spanischen Wahlen. Die Debatte über die Auslandswahl und darüber, ob ein tatsächlicher Wohnsitz oder eine physische Anwesenheit mit DNI (spanischem Personalausweis) verlangt werden sollte, wird von dieser Art von Akten durchzogen. Ein ohne vollständige Überprüfung gewährter Pass ist auch eine potenzielle Stimme.

Der Vergleich mit dem öffentlichen Gesundheitswesen taucht im Gespräch als diffuses Gefühl auf: Es wird argumentiert, dass die Ausweitung von Rechten auf neue Eingebürgerte bereits überlastete Dienste belasten wird. Im Material gibt es keine Daten, die diese Auswirkung beziffern. Es ist eine geäußerte Sorge, keine gemessene Tatsache.

Was noch zu klären bleibt

Die Akte von Felipe Salvador Ruiz de Velasco ist bewilligt. Seine Verwandten haben ihre beantragt. Aus den verfügbaren Informationen geht nicht hervor, dass die Stammakte überprüft oder die Eintragung storniert wurde. Die handschriftliche Notiz ist vorerst die einzige dokumentierte formelle Warnung.

Wenn die extensive Auslegung Bestand hat, wird die Kette weiter funktionieren: Jeder neue Spanier auf diesem Weg öffnet die Tür für seine direkten Nachkommen. Wird sie korrigiert, muss entschieden werden, was mit den Tausenden bereits unterzeichneten Akten geschieht. Beides ist nicht billig. Und die politische Rechnung des zweiten Szenarios hat noch niemand erstellt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (24 Antworten).

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