Estás usando un navegador desactualizado. Es posible que no muestre este u otros sitios web correctamente. Debe actualizar o usar un navegador alternativo.
Hollywood ignoriert irische Sklaverei
Die IRA war nicht marxistisch, die INLA schon. Irland litt unter englischer Unterdrückung und Hungersnot, doch Hollywood bevorzugt profitablere Opfergeschichten.
Irland: Die weiße Sklaverei, die angloamerikanisches Kino verschweigt
Warum gibt es Dutzende Filme über afrikanische Sklaverei in Amerika, aber praktisch keine über Iren, die als Arbeitskräfte in der englischen Karibik verkauft wurden? Diese Frage klingt im Mainstream-Kino wie Häresie, hat aber eine unbequeme Antwort: Das Narrativ des 20. Jahrhunderts wurde auf einer konkreten Hierarchie der Opfer aufgebaut. Die These besagt, dass das irische Volk von seinem englischen Nachbarn einem Regime der Knechtschaft und Demütigung unterworfen wurde, das an Brutalität anderen, kinotauglicheren Episoden in nichts nachsteht. Es fügt eine verwirrende Nuance hinzu: Alle Weißen sind Brüder, selbst wenn sie sich gegenseitig umbringen.
Es geht jedoch nicht nur um Sarracena, sondern auch um Propaganda. Zeitgenössische Plakate, die im Material kursieren – mit dem Iren als betrunkener Affe, dem Spanier als Fanatiker und dem Russen als Wilder dargestellt – zeigen, dass die Briten das politische Marketing lange vor der modernen Werbung beherrschten. Über diese Stiche heute zu lachen ist leicht. Zu verstehen, warum sie funktionierten, weniger.
Warum hassten Engländer und Iren einander, obwohl beide katholisch waren?
Das religiöse Argument bricht in sich zusammen. Bevor Heinrich VIII. Rom den Rücken kehrte, prügelten sich Engländer und Iren bereits enthusiastisch. Der gemeinsame Katholizismus verhinderte Jahrhunderte der Massaker, Kolonisierung und Enteignung nicht. Der Glaube war die Ausrede, nicht die Ursache.
Was die Achse verschob, war die Reformation: Von da an wurde der katholische Ire zum verdächtigen Untertan eines protestantischen Königreichs. Land wurde geraubt, Mieten auferlegt, und die Kartoffelhungersnot Mitte des 19. Jahrhunderts tat den Rest. Der Film Black 47, der genau in diesem Kontext spielt, porträtiert ein Land, in dem Hunger kein meteorologischer Unfall, sondern das Ergebnis bewusster politischer Verwaltung war.
Die IRA war nicht marxistisch: Ein weit verbreiteter Irrtum
Hier muss man differenzieren, denn die Unwissenheit ist gewaltig. Die IRA war nie eine marxistische Gruppe. Diejenige, die es war, hieß INLA und bombardierte sogar die IRA selbst. Sie zu verwechseln ist, als würde man einen Karlisten für einen Anarchisten halten, weil beide Baskenmützen trugen.
Die IRA definierte sich durch zwei Achsen: irischen Nationalismus und Katholizismus. Kein Arbeiterinternationalismus. Deshalb hinkt der automatische Vergleich mit linksterroristischen Organisationen so sehr. Die Analogie im Material – mit der ETA – trägt nur beim bewaffneten Teil, nicht bei der Ideologie. Und die Tatsache, dass die IRA der Sechziger Jahre in der eigenen Community abfällig als I Ran Away (Ich bin davongelaufen) bezeichnet wurde, zeigt, wie sich das Blatt wendete.
Blood Sunday: Als Fallschirmjäger die Spielregeln brachen
Vor jenem Sonntag sah ein Großteil der katholischen Bevölkerung Nordiriens die britischen Soldaten als Einschüchterungskraft gegen protestantische Paramilitärs. Diese Wahrnehmung wurde an einem Nachmittag zerstört. Eine friedliche Demonstration für Bürgerrechte endete damit, dass Fallschirmjäger in die Menge schossen.
Danach folgte die Spirale. Morde, Vergeltungsschläge, Hungerstreiks, bei denen junge Männer lieber starben, als nachzugeben. Patrick Radden Keefes Buch Say Nothing rekonstruiert fünfzig Jahre dieses Konflikts, ausgehend vom ungelösten Mord an einer Witwe mit zehn Kindern. Es ist mit gerichtlicher Genauigkeit dokumentiert und liest sich wie ein Noir-Roman.
Das Bataillon San Patricio: Iren, die die Seiten wechselten
Eine der kuriosesten wiederentdeckten Episoden ist die des Bataillons San Patricio: Ein Kontingent von Deserteuren – Deutsche, aber vor allem Iren –, die die US-Armee verließen, um sich den mexikanischen Reihen anzuschließen. Der Grund war nicht Geld. Es war Religion: Zusammen mit Protestanten gegen Katholiken zu kämpfen, war ihnen unerträglich.
Dieses Detail ist wichtig, weil es die Idee widerlegt, dass die weiße Solidarität als Block funktionierte. Das tat sie nicht. Religiöse Loyalität wog schwerer als Hautfarbe, was vieles in der Bündnispolitik des 19. Jahrhunderts erklärt.
Irland und Spanien: Eine unbequeme Parallele
Das Material deutet auf eine Ähnlichkeit hin, die vielen unangenehm sein dürfte: Spanien und Irland teilen eine Vergangenheit des verlorenen Imperiums, tief verwurzelten Katholizismus und ein schwieriges Verhältnis zum mächtigen Nachbarn. Manche zitieren sogar Studien, die den genetischen Ursprung eines Teils der irischen Bevölkerung auf der Halbinsel vermuten, aufgrund der Schiffswracks der Armada Invencible an der irischen Küste.
Die Legende der Black Irish – dunkelhaarige Iren, angeblich Nachfahren jener Schiffbrüchigen – ist wahrscheinlich falsch. Aber Legenden, die drei Jahrhunderte überleben, sagen oft etwas über die Erzählenden aus. Nicht über die Toten, sondern über die Lebenden, die einen Spiegel brauchen.
Am Ende hat die Frage, warum Hollywood keinen großen Blockbuster über irische Knechtschaft gedreht hat, eine einfache und zynische Antwort: Weil der Bösewicht angelsächsisch und protestantisch wäre, was das Drehbuch kompliziert macht. Besser bei den üblichen Schurken bleiben, die ihre Rollen schon kennen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (124 Antworten).
Großbritannien und Frankreich erklärten 1939 Deutschland den Krieg, nicht umgekehrt. Die Debatte, warum Hitler England ohne Invasion bombardierte, geht weiter.
Die Debatte um die Abstammung der heutigen Griechen kollidiert mit bevölkerungsgenetischen Studien, die trotz Invasionen eine erhebliche Kontinuität zeigen.