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Gotham Insights und der angebliche San José-Deal: Zweifel und 74 Antworten
Ein Gotham Insights zugeschriebener Bericht präsentiert die spanische Grupo San José als Börsenschnäppchen. Keine Website, keine Historie und 74 Antworten, die alles anzweifeln.
San José und der Geisterbericht von Gotham Insights: 74 Antworten und null Beweise
Wer zur Hölle ist Gotham Insights, und warum löst ein Bericht über einen spanischen Baukonzern eine Debatte mit 74 Antworten aus? Die ohne Prüfung veröffentlichte Meldung behauptete, Grupo San José sei ein Börsenschnäppchen. Das Problem: Eine kurze Suche liefert nur drei Seiten Ergebnisse, alle Kopien derselben Pressemitteilung. Keine Unternehmenswebsite, keine Historie. Der Name erinnert an Gotham City Research, die Firma, die den Gowex-Betrug aufdeckte, aber das hier ist etwas anderes. Es riecht nach Schleichwerbung im Gewand unabhängiger Analyse.
Der Schatten von Gotham City Research und der Gowex-Präzedenzfall
Der Vergleich liegt nahe. Gotham City Research wurde berühmt, indem es den Gowex-Betrug aufdeckte – ein Unternehmen mit jahrelanger Geschichte und geschönten Bilanzen. Jener Bericht bewegte echtes Geld. Der jetzige, Gotham Insights zugeschrieben, hat nicht einmal eine Website. Drei Seiten Ergebnisse, alle Klonen. Nur der Name klingt vertraut. Die Finanzcommunity wittert es: "Es stinkt gewaltig", fasst eine Analyse zusammen, die im Thread kursiert. Der Verdacht ist nicht, dass die Analyse schlecht ist, sondern dass sie als Analyse gar nicht existiert. Es ist Marketing.
Die Zahlen von San José: 355 Millionen in Cash und 500 Millionen langfristige Schulden
Die Grupo San José verfügt über 355 Millionen Euro in Cash, um eine Schuld von 160 Millionen Euro zu bedienen, so die in der Diskussion genannten Zahlen. Soweit, so gut. Aber das Kleingedruckte besagt, dass das Unternehmen mehr als 500 Millionen Euro langfristig schuldet. Die Firma reduziert ihre Schulden, ja, aber die Gewinnmarge liegt bei 2,4%. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei etwa 15. Das Wachstum der letzten fünf Jahre gleicht einer Achterbahn. Der Cashflow einer Geisterbahn. Mit diesen Voraussetzungen braucht das angebliche Schnäppchen viele Erklärungen. Und der Bericht liefert keine.
Der Bausektor: Blase wie 2008 oder Stabilisierung?
Die Debatte spaltet sich in zwei Lager. Die eine Seite behauptet, die aktuelle Lage habe nichts mit 2008 zu tun: Es gibt keine Immobilienblase, die Preise steigen in bestimmten Gebieten, und der IBEX steht dort, wo er hingehört. Die andere Seite zählt Parallelen auf: geopolitische Spannungen, explodierende Staatsschulden, der IBEX auf Vorkrisenniveau und eine Geldpolitik, das Mittel von 2008 so lange angewendet hat, bis eine Inflation entstand, die sie nicht mehr kontrolliert. "Wenn du eine Infektion mit Antibiotika bekämpfst und die Krankheit resistent wird, hast du ein Problem", fasst ein Beitrag zusammen. Die medizinische Metapher ist diskutabel, aber der Punkt ist klar: Das Mittel wirkt nicht mehr.
Bau als einziger Ausweg: sozialer Wohnungsbau und Build to rent
In einem Punkt herrscht Konsens: Das Bauwesen trägt die Beschäftigung. Eine Baugenehmigung für Neubau schafft mehr Aktivität als hundert Sanierungen. Das immer wieder genannte Rezept: Bauland umwidmen, gekoppelt an bezahlbaren Wohnungsbau, oder es für 75 Jahre für Build-to-rent-Projekte zur Verfügung stellen. Das britische Modell von Boris Johnson mit seinem "Build build build" wird als Vorbild zitiert. Die Kritik: In Spanien wird das aus ideologischer Vorurteilskraft nicht einmal erwogen. "Das würde ihnen überhaupt nicht passen", wirft jemand ein. Die Frustration ist real, aber die fehlende Zahl ist, wie viele dieser Genehmigungen bereits erteilt wurden.
Der vorsichtige Anleger: 10% des Portfolios im Risiko und Q1 2021 bei 4,5 Euro
Das Profil des vorsichtigen Anlegers zeichnet sich in der Diskussion ab. "Es ist kein schlechtes Unternehmen, aber für mein persönliches Profil passt es im Moment nicht", erklärt eine Stimme. Die These: Wer bereits 10% des Portfolios im Risiko abgesichert hat, fügt nichts mehr hinzu. Die Prognose: Die Aktie könnte auf 8 Euro fallen, im ersten Quartal 2021 sogar auf 5. Die 2% Dividende kompensieren das Risiko nicht. Die Schlussfolgerung: San José ist kein Schnäppchen, sondern ein kampflustiges Unternehmen, das Schulden abbaut, aber den Aktionären nicht genug Gewinn liefert. "Jeder Immobilien-REIT bringt mehr", urteilt ein anderer.
Öffentliches Geld und das Manna der EU-Fonds
Die Frage, die im Raum steht: Woher wird das Geld kommen? Die spanischen Baukonzerne warten auf die europäischen Aufbaufonds. "Alle, absolut alle, große, mittlere und kleine, haben Projekte in Afrika im Wert von Milliarden abgelehnt", versichert ein Beitrag. Sie warten auf das Manna. Die Ironie: Der Sektor, der sich als Wirtschaftsmotor präsentiert, hängt von Subventionen ab. Und währenddessen öffnen die Banken nicht die Geldbörse: "Momentan sind die Banken im Modus: Nur gucken, nicht anfassen", ist zu lesen. Ohne Finanzierung kein Bau. Und ohne Bau bleibt das Schnäppchen auf dem Papier.
Unter diesen Vorzeichen wirkt der Bericht von Gotham Insights weniger wie eine Analyse und mehr wie ein Klopfen an die Tür der Leichtgläubigen. Wenn das Schnäppchen so sicher war, warum es dann erzählen? Die Antwort ist, wie immer: Wer die Analyse verkauft, wird für die Analyse bezahlt – nicht für das Schnäppchen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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