Gonzalo Miró und der Faschismus-Vorwurf nach Fotozerstörung

Die Debatte um Gonzalo Mirós Aussage über Faschisten in Institutionen zeigt, wie sehr der Begriff politisch verwässert wurde.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Gonzalo Miró und der Faschismus-Vorwurf nach Fotozerstörung
Eine zerbrochene Fotomacht niemanden zum Faschisten

Ein zerbrochenes Foto im Parlament reicht aus, um den abgenutztesten Wortschatz der spanischen Politik anzukurbeln. Der Satz, der die Gemüter erhitzte – „Wir haben normalisiert, dass Faschisten in den Institutionen sitzen“ – wird dem Kommentator Gonzalo Miró zugeschrieben. Er hat dazu geführt, dass sich halb Spanien darüber streitet, was Faschismus genau ist und wer das Wort verwenden darf. Auslöser war laut den kursierenden Materialien eine Geste im Parlament: Jemand zerschlägt ein Foto, und innerhalb von weniger als sechsundzwanzig Sekunden taucht das Epitheton „faschistisch“ auf, wiederholt bis zu fünfmal. Die Szene wirkt eher wie ein automatischer Reflex als wie eine Analyse.

Worüber diskutiert man, wenn über Faschismus gesprochen wird?

Das Kernproblem ist nicht das Adjektiv, sondern seine Inflation. Wenn alles unter dieses Label fällt, verliert es jede Bedeutung. Manche argumentieren, der Begriff sei zu einer sofort einsetzbaren rhetorischen Waffe geworden: Wer anderer Meinung ist, ist ein Faschist. Die Gegenreaktion ist symmetrisch und etwas trickreich: Wenn alles Faschismus ist, dann ist nichts mehr Faschismus. Zwei Analyserichtungen, die paradoxerweise im Wesentlichen übereinstimmen – das Wort hat an Schärfe verloren – und sich nur darin unterscheiden, wer es zuerst abgenutzt hat.

Beunruhigend ist die Asymmetrie der Reaktionen. Ein identischer Akt, ausgeführt von anderen Händen, hätte unterschiedliche Konsequenzen gehabt, so wird argumentiert. Maßstab ist nicht die Tat, sondern wer sie begeht. Das ist mehr als eine ideologische Debatte; es ist ein Problem der Spielregeln.

Der Lebenslauf des Meinungsbeiträgers und der Verdacht des Privilegs

Viele Beschwerden richten sich nicht gegen den Inhalt des Satzes, sondern gegen den Sprecher. Die wiederkehrende Frage lautet einfach: Welche Qualifikationen hat dieser Herr, um als Leitfigur der öffentlichen Meinung zu gelten? Es gibt keine bekannten Studien, keinen ausgewiesenen Beruf, aber dafür eine Villa in einer Luxuswohnanlage. Die verbreitete Erklärung ist unbequem: Seine Mutter war Direktorin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (RTVE) und zuständig für Filmfördermittel, und sein Pate soll ein ehemaliger Regierungschef gewesen sein. Nach dieser Lesart entsteht eine Kaste von Meinungsbeiträgern, finanziert mit Steuergeldern, die sich als Stimme des Volkes ausgibt.

Die unbestrittene Zahl: Vierzig Jahre in einer der teuersten Wohnanlagen Madrids gelebt, ohne je einer regulären Arbeit nachgegangen zu sein, so die oft wiederholte Berechnung. Der Rest ist Interpretation.

Der doppelte Maßstab des Parlaments als TV-Studio

Hier wird die Analyse interessanter. Im Parlament dürfen keine Pamphlete oder Propaganda gezeigt werden, erinnern einige. Aber die schwebende Frage ist, was passiert wäre, wenn ein anderer die Geste vollzogen hätte: Zum Beispiel Fotos von zerstückelten Föten, platziert von einem anti-abortistischen Abgeordneten. Die Antwort lautet, dass die institutionelle Reaktion völlig anders ausgefallen wäre. Dies ist keine beweisbare These, sondern eine Intuition darüber, wie Regeln funktionieren, wenn der Übeltäter die „richtigen“ Farben trägt.

Was überprüfbar ist, ist die Show: Das Plenum verwandelt sich in ein Talkshow-Studio, bezahlt mit dem Geld aller. Politik als Unterhaltung hat ihren Preis, und dieser Preis heißt Glaubwürdigkeit.

Die Normalisierung, die niemand sehen will

Es gibt einen unbequemen Konsens bei der Diagnose: Das Besugoe ist zur Routine geworden. Dass Vizepräsidenten oder mehrere Minister sich als Kommunisten bezeichnen und niemand blinzelt; dass ein Moderator ohne Lebenslauf vom Staat bezahlt wird; dass Institutionen beherbergen, was früher als marginal galt. Die Diskussion dreht sich nicht darum, ob dies gut oder schlecht ist, sondern ob sich noch jemand daran erinnert, wann es aufgehört hat, uns zu überraschen.

Den Schlusspunkt setzt die irritierende Tatsache: Während darüber gestritten wird, ob ein kahlköpfiger Mann ohne Beruf Faschist oder Antifaschist ist, machen Wohnungspreise, Gehälter und Hypotheken weiter ihren Weg. Spektakelpolitik zahlt keine Miete.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (169 Antworten).

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