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Vom nordischen Noir zu Pradera: der Kanon, der wirklich packt
Vom Noir von Lapidus und Larsson bis zur Doktrin von Víctor Pradera: der Kanon, den Leser suchen, die alle Bestseller schon verschlungen haben.
Vom nordischen Noir zu Pradera: Was lesen die, die alles schon gelesen haben?
Es gibt einen Moment im Leben jedes Viellesers, in dem die Bestsellerlisten nichts mehr taugen. Man hat Luca de Tena, Puzo, Dumas und sogar García Márquez' Macondo gelesen, und das Regal verlangt nach etwas anderem. Ein Gespräch, das mit der Bitte um Bücher beginnt, die einen «in Atem halten», mündet nach mehreren Ausscheidungsrunden in ein deutlich weniger begangenes Gebiet: den Noir der harten Schule, Kultautoren und, in einer unerwarteten Wendung, die politische Doktrin des spanischen Traditionalismus der dreißiger Jahre.
Der erste Filter funktioniert wie eine Aussortierungsmaschine. Jede Empfehlungsrunde —Winslow, Ellroy, King, Hammett, Capote, Highsmith— kommt mit derselben Antwort zurück: schon gelesen. Die Messlatte steigt, bis sich das Kriterium vom Titel zum Autor verschiebt. Da tauchen die Namen auf, die den Liebhaber vom Sammler trennen: Jim Thompson, David Goodis, Chester Himes, Charles Willeford, James Sallis, Derek Raymond und George Pelecanos. Die Beschreibung ist nicht freundlich: Fabriken für Galle, Verlierer im Nebel aus Alkohol, Harlemer Cops, die zum Lachen und zum Zusammenzucken zugleich bringen. Kein Papphelden-Epos.
Jens Lapidus und die Verpackung des nordischen Noir
Der Sprung nach Nordeuropa kommt mit Easy Money. Über Jens Lapidus fällt das Urteil zwiespältig aus. Pro: ein umgeschulter Strafverteidiger, der über Drogengeschäfte und Geldwäsche schreibt, als hätte er selbst auf der anderen Seite des Tisches gesessen. Contra: die Prosa besteht aus groben Pinselstrichen, und in den Fortsetzungen sieht man das Gerüst. Dazu eine Warnung übers Marketing: Er wurde verkauft, als wäre er der neue Wallander, obwohl er damit nichts zu tun hat.
Bei Stieg Larsson wird es rauer. Die Trilogie um Verblendung wird als Flughafenthriller abgetan, mit einer Botschaftsschicht, die ihm viel zu groß ist. Man räumt ein, dass das Familienrätsel packt —daher der weltweite Erfolg—, aber man stellt klar, dass der Autor kein Stilist war, dass die Protagonistin in gewisse Eigenheiten verfällt und es überflüssige Absätze gibt. Die Frage nach der Lesereihenfolge wird fast als Provokation abgetan: Lisbeth ist in allen drei Bänden dieselbe Leiter.
Hat Víctor Pradera den Movimiento Nacional beeinflusst?
Der Faden wechselt das Register, wenn El Estado Nuevo (Der neue Staat, 1935) von Víctor Pradera ins Spiel kommt. Die Antwort relativiert den Mythos: Es ist durchaus reine Doktrin —Katholizismus als Fundament, organische Stimmrechte, Korporatismus, die Beerdigung des Liberalismus und des Parteienparlaments—, aber sie war nicht die alleinige Quelle des Regimes. Pradera starb 1936 und erlebte nicht einmal die Umsetzung des Vorworts. Was sich durchsetzte, war seine organische Architektur der Cortes (des spanischen Parlaments) mit dem Familien- und dem Gewerkschaftsdrittel, befreit vom karlistischen Föderalismus, den er verteidigt hatte. Man behielt das Möbel und warf die Wurzel weg.
Das Gespräch schließt das Thema nicht. Offen bleibt der Vergleich mit Donoso Cortés' Discurso sobre la dictadura (Rede über die Diktatur) und die Frage, wie sehr Franco sich auf diese Intellektuelle stützte oder einfach lose Teile recycelte. Niemand liefert eine runde Antwort. Das ist eben das, wenn man Krimis mit gegenrevolutionärer Doktrin mischt: Am Ende sieht das Regal seltsam aus, aber gut sortiert.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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