Genetik widerlegt den Mythos des blonden deutschen 'Ariers'

Wissenschaftliche Daten zeigen, dass das europäische Blondideal ein Mythos ist, da die ältesten Haplogruppen im Balkan statt in Deutschland liegen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Genetik widerlegt den Mythos des blonden deutschen 'Ariers'
Der blonde 'Arier', den selbst Hitler nicht erfüllte: Genetik zeichnet Landkarte neu

Das europäische weiße Ideal — blond, helläugig, groß — wurde nicht einmal von denen erfüllt, die es predigten: Der NS-Führer war klein, hatte einen Schnurrbart und war weder blond noch blauäugig. Diese Kluft zwischen Ideal und Realität stützt einen Großteil einer Online-Debatte darüber, ob das deutsche Volk besser als jedes andere das repräsentiert, was unter der „weißen Rasse“ verstanden wird. Die Spur führt dorthin, wo niemand sie vermutet hat: zu den Haplogruppen.

Die Germanen, die Rom stürzten, waren keine Deutschen

Das Erste, was in sich zusammenfällt, ist die Chronologie. Es waren germanische Völker, von denen ein Großteil der Westeuropäer abstammt, die das Weströmische Reich zu Fall brachten, nicht die direkten Vorfahren der heutigen Deutschen. Diese siedelten östlich der Elbe und vermischten sich mit slawischen Bevölkerungen, während die Goten aus Skandinavien stammten: Sie betraten nie das heutige Deutschland. Der modernen Deutschland den Untergang Roms zuzuschreiben, ist ein Zeitsprung von Jahrhunderten.

Über den späteren Aufstieg herrscht weniger Einigkeit. Eine Strömung betont, dass die deutsche Technologie im Zweiten Weltkrieg führend war und die Alliierten nur knapp siegten, bis hin zu dem Punkt, an dem mehrere Mächte koordiniert werden mussten, um sie zu bezwingen. Dem steht ein einfaches Argument entgegen: Einen Krieg zu verlieren, auch wenn es knapp ist, bedeutet dennoch, dass man verloren hat, und zwei aufeinanderfolgende Niederlagen innerhalb von dreißig Jahren zeichnen kein Volk, das dazu bestimmt ist, zu herrschen.

Das arische Ideal, das selbst seine Erfinder nicht erfüllten

Auf physischer Ebene bricht der Standard von selbst zusammen. Als Beispiele werden Beethoven genannt, 1,52 Meter groß und mit dunklem Haar; Einstein mit braunen Augen; Leibniz ebenfalls mit braunen Augen. Keiner passt in die blonde Form, die als Gipfel der Spezies verkauft werden soll, und alle drei sind Deutsche.

Die Führungsebene, die dieses Ideal zur Staatsdoktrin erhob, bestand ebenfalls nicht aus dem Filter, wie verschiedene Beiträge daran erinnern. Um die Unzuverlässigkeit dieses Kriteriums zu verdeutlichen, wird auf einen deutsch-spanischen Schauspieler verwiesen, der in beiden Ländern als Einheimischer durchgehen könnte. Der Phänotyp, so heißt es, trägt kein Herkunftsetikett.

Genetik zeichnet Landkarte neu: I1, I2, R1a und R1b

Der technischste Teil folgt, wenn die Diskussion auf Haplogruppen übergeht, DNA-Linien, die väterlich vererbt werden. Die verwendeten Daten: Die Haplogruppe I ist die älteste in Europa, mit einer Präsenz von etwa 40.000 Jahren. Als die Indoeuropäer, Träger der R-Linie, um etwa 6.000 v. Chr. eintrafen, war diese bereits seit über 30.000 Jahren vorhanden. Aus diesem Stamm gehen I1 hervor, die unter den Nordics vorherrscht, und I2, die eine hohe Präsenz auf dem Balkan aufweist.

Die Konsequenz zerstört jedes Kriterium der Reinheit. Wenn das skandinavische I1 europäische Altertümlichkeit belegt, belegt das balkanische I2 sogar noch mehr; doch diejenigen, die dieses Argument anführen, fügen hinzu, dass in dieser gleichen Bevölkerung das östliche R1a und Beiträge nicht-europäischer Herkunft koexistieren. Die Mutation für helles Haar und helle Augen geschah, so wird behauptet, erst nach der Ankunft der Indoeuropäer und blieb auf Skandinavien beschränkt. Das Merkmal, das als Markenzeichen des Weißen verkauft wird, ist evolutionär betrachtet ein später und lokaler Unfall.

An einem Ende des Austauschs wird behauptet, dass die Mutation der blauen Augen von europäischen Neandertalern stammt, eine Behauptung, die andere aufgrund fehlender Beweise sofort zurückweisen.

Wo liegt die Grenze des Weißen? Niemand zeichnet dieselbe Karte

Die Vorschläge drängen sich gegenseitig beiseite. Einer verortet den Kern im ehemaligen Karolingerreich — Frankreich, Westdeutschland, Österreich, Italien bis Rom und England — und lässt Spanien und Russland aufgrund kultureller Fremdheit außen vor. Ein anderer antwortet, dass gerade die Engländer und die Spanier die beiden repräsentativsten Völker seien. Ein dritter deutet auf Litauen und Preußen. Ein vierter behauptet, wenn man nach der ältesten Linie geht, liege die Bevölkerung mit der höchsten I-Haplogruppen-Last auf dem Balkan, was wiederum damit kontert wird, dass diese Bevölkerung selbst andere Einflüsse mit sich führt.

Die Rolle Spaniens und seines ehemaligen Imperiums zieht die größte verbale Feindseligkeit auf sich. Ein Großteil des Austauschs verstrickt sich mehr in gegenseitigen Abwertungen als in Daten, wobei das hispanoamerikanische Erbe auf der einen Seite als Waffe benutzt wird und die Ausdehnung des spanischen Imperiums auf der anderen Seite eingefordert wird. Dazwischen eine unbequeme Beobachtung: Dem Ideal selbst fehlt die Hälfte Europas, denn es gibt Leute, die daran erinnern, dass mehr als nur ein Bayer oder Österreicher den Filter nicht bestehen würde, den man anderen aufzwingen will.

Mit diesen Voraussetzungen lässt sich das Problem nicht lösen. Das geografische Kriterium schließt aus, was die Genetik einschließt; die Genetik lässt aus, was die Ästhetik einschloss; und die Ästhetik wird nicht einmal vom Porträt derer erfüllt, die sie predigten. Die Frage bleibt unbeantwortet, nicht weil Daten fehlen, sondern weil jede Definition von „weiß“ dazu dient, jeweils andere Menschen auszuschließen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (102 Antworten).

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