Ruhestandsgeld bedeutet nicht automatisch Glück
Ausreichend Vermögen für den Ruhestand macht nicht glücklicher. Diese Erkenntnis stammt nicht aus einem Ratgeber, sondern von jemandem, der es am eigenen Konto überprüft hat: Geld bringt kein Glück, selbst wenn im Überfluss vorhanden. Vor zehn Jahren hätte ihm laut eigener Aussage nur 10% seines heutigen Vermögens gereicht, um sich als glücklichsten Menschen auf Erden zu fühlen. Heute kann er in den Ruhestand gehen und ist nicht glücklicher. Er lebt entspannter, hat Essen und Dach über dem Kopf bis zum Lebensende gesichert, doch sein Lebensstandard ist keinen Deut gestiegen.
Das ist keine falsche Bescheidenheit. Es ist die ehrliche Beschreibung dessen, was die Wirtschaftstheorie als Grenznutzen des Geldes bezeichnet: Das erste Gehalt verändert ein Leben, das zwanzigste kaum noch etwas. Ab einem bestimmten Punkt gilt: mehr vom Gleichen.
Wie viel Geld braucht man, um nicht mehr an Geld denken zu müssen?
Die kurze Antwort: Alles, was man nicht hat. Die lange hängt vom Maßstab ab. Das häufigste Szenario ist das Gegenteil eines üppigen Vermögens: 1.200 Euro für acht Stunden Arbeit, plus zwei Stunden U-Bahn-Fahrt hin und zurück, und eine Wohnung, die man sich mit acht Personen teilt. Dort kauft Geld kein Glück, sondern einen Ausweg.
Am anderen Ende steht ein Vermögen von 18 Millionen, das sein Besitzer weiß, dass er es nie ausgeben kann. Zwischen diesen Extremen drängt sich eine unbequeme Schlussfolgerung auf: Um nicht ständig an Geld denken zu müssen, braucht man Geld. Das ist der einzige Nutzen, den fast niemand bestreitet.
Die Paradoxie zeigt sich, wenn jemand mit gesichertem Leben zugibt, dass er mit 1.000 Euro im Portemonnaie bei El Corte Inglés oder Amazon einkauft und zu 99% mit dem vollen Betrag wieder herauskommt. Was ihn in diesem Monat wirklich freute, war eine Creme für 140 Euro für seine Mutter. Weder Autos mit 300 oder 400 PS noch 85-Zoll-Fernseher bewegen ihn noch emotional.
Geld ist Zeit: Die acht Stunden, die nie wiederkommen
Das überzeugendste Argument ist nicht das des Konsums, sondern das der Uhr. Acht Stunden täglich im Büro sind ein Drittel des Arbeitslebens jedes Einzelnen. Wenn Geld dazu dient, diese Stunden nicht verkaufen zu müssen, dann kauft es etwas dem Glück sehr Ähnliches. Manche formulieren es ohne Umschweife: „Geld repräsentiert Zeit. Zeit, die du damit verbracht hast, dir dein Brot zu verdienen.“ Und Zeit, so heißt es weiter, ist direkt Leben – und begrenzt.
Daraus ergibt sich die Szene, die als operative Definition von Glück vorgeschlagen wird: An einem Mittwoch ohne Wecker aufwachen, nicht wissen, welcher Tag es ist, den Tag mit Lesen verbringen und aus Freude arbeiten, ohne andere Sorgen als das Buch und den nächsten Tag. Das kostet Geld. Und daher auch die oft wiederholte Formel: Geld schenkt dir kein Glück, aber es gibt dir viel freie Zeit, um es zu suchen.
„Geld macht nicht glücklich“: Wem nützt dieser Satz?
Eine Strömung bezweifelt die Aussage grundsätzlich. Ihr Argument ist gesundem Menschenverstand geschuldet: Wenn Geld egal wäre, würde niemand acht Stunden täglich für einen Chef durchhalten, um es zu bekommen. Eine andere Linie geht weiter und behauptet, wer dieses Mantra wiederholt, belügt sich selbst, denn die Realität zu beschreiben tut weh und es ist billiger, sie zu verschönern.
Hinzu kommt die ideologische Lesart: Die Idee, dass Geld nicht glücklich macht, funktioniere als Teil einer Erzählung, die ein Modell rechtfertigt, das auf Anhäbung basiert. Der Beweis läge darin, dass es glückliche Menschen ohne einen Cent gibt, sogar in armen Ländern. Der Gegenangriff ist ebenso spitzfindig: Armut führt auch nicht ins Nirvana, und wer das Gegenteil behauptet, hat keines von beiden erlebt.
Onassis, das „reiche arme Mädchen“ und das Gesundheitsargument
Historische Fälle dienen als Belastungsprobe. Barbara Hutton, einst eine der reichsten Frauen der Welt, trug den Spitznamen pobre niña rica (armes reiches Mädchen). Christina Onassis heiratete zweimal, um in Männern die Vaterfigur zu finden, die ihr laut gängiger Erzählung alles außer Aufmerksamkeit gab. Kein Vermögen konnte das Unglück verhindern.
Ernst wird es beim Thema Gesundheit. Man stellt dieselbe Krankheit im Alter von 35 Jahren gegenüber, behandelt entweder im öffentlichen Gesundheitssystem oder in der exklusivsten Privatklinik, und fragt, welche Option bessere Heilungschancen bietet. Dies ist eine Verdachtsäußerung, kein verifizierter Fakt. Ein anderer Kommentar relativiert: Was man mit Geld kaufen kann, ist nie ein echtes Problem; echte Probleme sind andere und lassen sich nicht mit Karte bezahlen.
Geld, Gesundheit und Begeisterung: Das Dreischichten-Rezept
Daraus ergibt sich die Hierarchie mit dem größten Konsens: Geld ist die Basis, darüber liegt die Gesundheit, und über beidem die Begeisterung. Und Begeisterung sollte, wie das Portfolio, diversifiziert werden: Lesen, Gespräche, Kino, Konzerte, Theater, gutes Essen, etwas Sport. Konzentriert man sich auf nur eine Quelle, erschöpft sie sich.
Diese Leiter erklärt auch, warum Geld mit steigender Summe weniger Rendite abwirft. Der Wechsel von einem R5 ohne Klimaanlage und Servolenkung zu einem Auto des 21. Jahrhunderts befriedigt mehr als der Tausch eines teuren Sportwagens gegen einen noch teureren. Es gibt auch eine phasenweise Betrachtung: In Kindheit und Jugend ist Geld unwichtig, im Erwachsenenalter dominiert es, und im Alter verliert es wieder an Gewicht, wo man, wenn überhaupt, damit Gesundheit kauft.
Man darf erwarten, dass die Grenze zwischen ruhigem Leben und Glück weiterhin verschwommen bleibt. Wer Essen und Dach über dem Kopf sicher hat, sagt, er sei entspannter, nicht glücklicher. Wer das nicht hat, schwört, dass er mit ihnen vor Freude tanzen würde. Vielleicht irren beide. Vielleicht sagen beide die Wahrheit.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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