Gas geben gegen den Blinker: Der Autobahn-Krieg

Zwischen 120 und 150 km/h ist die Strafe gleich, doch das stoppt nicht den Kampf um die Spur. Das Beschleunigen gegen den Blinker spaltet die Fahrer.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Gas geben gegen den Blinker: Der Autobahn-Krieg
Der Blinker verpflichtet, gibt aber kein Vorfahrtsrecht: So verliert man die Spur

Das Setzen des Blinkers ist Pflicht. Es berechtigt zu nichts. Zwischen diesen beiden Gewissheiten – der von der Norm festgelegten und der von denen wiederholten, die am Ende vom Gas gehen – findet auf jeder Autobahn täglich ein Streit statt: jener, der ausbricht, wenn ein Fahrer seinen Spurwechsel ankündigt und der daneben fahrende durch Beschleunigung reagiert. Die Szene ist so alltäglich, dass sie kaum jemand als Verkehrsverstoß wahrnimmt, und sie konzentriert einen Großteil der Vorwürfe, die sich Autofahrer gegenseitig machen. Der häufigste Vorwurf: „Ihr seid Mörder“. Der zweite: „Die wissen nicht einmal, wofür der Blinker da ist“.

Wer hat recht, wenn zwei Autos um dieselbe Spur kämpfen?

Die kurze Antwort, die wenig schmeckt: Der Blinker gewährt keine Vorfahrt. Er ist ein verpflichtendes Signal, das eine Absicht anzeigt, kein Durchfahrtsrecht. Wer die Spur wechseln will, muss dies tun, wenn die Zielspur frei ist oder wenn das herannahende Fahrzeug in einem Abstand ist, der es ermöglicht, den Sicherheitsabstand ohne Bremsen einzuhalten. Übersetzt: Wenn jemand kommt, muss man warten. Diese Formulierung lässt jene argumentationslos zurück, die glauben, dass das Aktivieren des Hebels ausreicht.

Der Gesetzestext allein erschöpft die Angelegenheit jedoch nicht. Das Beschleunigen, um die Lücke zu schließen, führt nach Ansicht derer, die darunter leiden, nicht zu einer verwaltungsrechtlichen Sanktion, und hier beginnt das Problem: Das Verhalten, das Kettenbremsungen verursacht, den Sicherheitsabstand des Hintermanns bricht und das Risiko von Auffahrunfällen vervielfacht, bleibt unbeantwortet. Manche behaupten, dass dieses Fahrerverhalten die Ursache für einen großen Teil der Unfälle auf Schnellstraßen sei. Dies ist ein grober Vorwurf ohne unterlegte Zahlen, aber er weist auf etwas Unangenehmes hin: Geschwindigkeitsüberschreitungen werden viel besser geahndet als aggressives Fahren.

Vom Warnsignal zur Blockade: Die Eskalation, die kaum jemand zugibt

Warnung, Beschleunigung, Bremsen, Hupen und im schlimmsten Fall absichtliche Blockade der Spur. Die Abfolge erscheint ohne Scheu in den Berichten derer, die sie praktiziert haben: derjenige, der die Spur wechselte, um dem Beschleuniger den Weg abzuschneiden, der, der hupt und dann beleidigt, der, der gesteht, dass er absichtlich stehen blieb, um die Lücke zu schließen. Die Eskalation hat ihre passive Variante: Wer rechts mit zulässiger Geschwindigkeit fährt und den Tempomat aktiviert lässt, oder wer langsam vom Gas geht, um den dicht Auffahrenden dazu zu zwingen, endlich zu überholen. „Eier pflücken“, nennt es einer der Beteiligten.

Dann sind da noch die Lastwagen, die mit anderen Karten spielen. Ihr Blinker bedeutet, dass sie die Spur benötigen und es sich nicht leisten können, zwei Sekunden zu warten: Ein LKW abzubremsen und wieder anzufahren ist nicht kostenlos. Demgegenüber riskiert derjenige, der beschleunigt oder die Geschwindigkeit hält, um nicht nachzugeben, einen Aufprall auf ein Fahrzeug, das dreißig Mal schwerer sein kann als seines. Die Diskussion darüber, wer recht hat, wird im Moment des Aufpralls irrelevant.

Die Rechnung, die den Streit vermeidet: Rechte Spur, 90 km/h und drei Minuten

Es gibt einen Ausweg, der keinen Streit gewinnt: Mit dem Strom fahren. Auf einer täglichen Strecke kostet das Fahren auf der rechten Spur bei etwa tatsächlichen 90 km/h hinter den Lastwagen, laut geteilten Berechnungen, drei Minuten mehr Zeit und ist pro 100 Kilometer 1,5 Liter günstiger beim Kraftstoffverbrauch, mit dem zusätzlichen Vorteil, nur ein Zehntel der feindlichen Manöver zu erleben. Wer es ausprobiert hat, beschreibt es als Nachgeben gegenüber der offensichtlichen Wahrheit.

Das ist nicht der einzige Vorteil. Bei dieser Geschwindigkeit reduziert sich die Überwachung auf ein Fahrzeug vor und eines hinter einem, im Gegensatz zu den sechs oder sieben, die man kontrollieren muss, wenn man im schnellen Bereich fährt. Es erklärt auch, warum die rechte Spur auf vielen Morgenabschnitten oft die flüssigste ist, sobald man die zu Langsamen und die, die mit Mühe am Gas bleiben, abzieht. Und dabei entgeht man der Falle der Sanktionen: Auf Straßen mit einer Begrenzung von 120 km/h ist die Geldstrafe zwischen 120 und 150 km/h identisch, und Punkte werden erst ab 150 km/h abgezogen, was manche dazu bringt, den Tempomat auf Werte einzustellen, die nicht haltbar sind.

Die Autobahn als Spiegel: Das Problem ist immer der andere

Der Attributionsfehler funktioniert nur in eine Richtung. Wenn uns jemand den Weg abschneidet, ist der andere eine Gefahr; wenn wir jemandem den Weg abschneiden, ist der andere ein Langsamfahrer. „Und die Leute“, heißt es, was so viel bedeutet wie „alle Leute außer mir“. Die Anekdote, die diesen Mechanismus zusammenfasst, ist die der Bürokollegin, die eines Tages erzählt, dass ihr die Fensterscheiben des Firmenwagens nach Verlassen einer Mautstation eingeschlagen wurden und der Angreifer floh. Die Anwesenden im Raum, so wird berichtet, lächelten und dachten, was sie wohl vorher getan habe.

Gegen diese Logik hilft keine Kampagne. Selbst die Fahrer, die sich selbst als reizbar beschreiben, geben zu, dass sie mit den Jahren versuchen, gelassener zu werden, auch wenn es ihnen schwerfällt, besonders wenn sie knapp überholt werden. Andere haben direkt ihre Strategie geändert: Mit Abstand und Luft überholen, akzeptieren, dass derjenige, der mit 140 km/h auf der linken Spur kommt, irgendwann bremsen oder allein verunfallen wird, und aufhören, das Leben für eine Zwei-Sekunden-Lücke zu riskieren.

Ohne spezifische Sanktion für den Beschleuniger und ohne Sanktion für den, der sich vordrängelt, ist es vorhersehbar, dass sich das Verhalten kurzfristig nicht ändern wird: Mehr Fahrzeuge, mehr Dichte und dieselbe Reibung auf demselben Asphalt. Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass der Druck von anderer Seite kommt – Versicherungen, Unfallstatistiken, Daten – und dass das Manöver aufhört, folgenlos zu bleiben, bevor jemand entscheidet, es gesetzlich zu regeln. Bis dahin bleibt die Strategie mit der größten Unterstützung die langweiligste: Rechte Spur und lasst sie vorbei.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (368 Antworten).

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