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Garzón: Geld für Renten sei unbegrenzt verfügbar
Eduardo Garzón behauptet, das Geld für die Finanzierung der Renten sei unbegrenzt. Die eigentliche Debatte dreht sich jedoch nicht um den Druck von Geld, sondern um Inflation und die Zahlungsbilanz.
Ein Ökonom tweetet, dass Geld unbegrenzt verfügbar sei und daher die Renten bezahlt werden können. Die Reaktion kam prompt und nannte zwei Stichworte: Inflation und Venezuela. Eduardo Garzón, Bruder des ebenfalls als Ökonom und Politiker tätigen Alberto Garzón, brachte erneut die Moderne Geldtheorie (MMT) ins Gespräch. Diese besagt, dass ein Staat mit monetärer Souveränität niemals „pleitegehen“ kann. Kritiker wenden ein, das Problem sei nicht die Druckerpresse, sondern wie schnell diese teures Geld erzeugt. Die Diskussion hat gerade erst begonnen.
In einer zweiten Nachricht untermauerte Garzón sein Argument mit einer viralen Analogie: „Stellt euch vor, ein Mathematiklehrer sagt, er könne keinen Unterricht geben, weil ihm die Zahlen ausgegangen sind. Genau so ist es, wenn ein Politiker behauptet, dem Staat gehe das Geld aus.“
Was ist die von Garzón zitierte Moderne Geldtheorie?
Die MMT geht in ihrer vereinfachten Darstellung von einer einfachen Prämisse aus: Ein Staat, der seine eigene Währung emittiert, erhebt keine Steuern zum Ausgeben, sondern gibt zuerst Geld aus und besteuert danach. In diesem Modell wird die Grenze der Staatsausgaben nicht durch das Geld bestimmt, sondern durch die reale Produktionskapazität der Wirtschaft und die Inflation, die entsteht, wenn man über das Ziel hinausschießt.
Hier beginnt der Dissens. Eine Zahl ist kein Gut; Geld hingegen ist ein Anspruch auf knappe Güter und Dienstleistungen. An dieser Stelle hinkt die Analogie. „Dieses Geld ist durch nichts gedeckt, also druckt einfach weiter – die Inflation wird euer kleinstes Problem sein“, fasst eine der häufigsten Antworten zusammen. Die Kritik leugnet nicht, dass der Staat Geld schaffen kann. Sie leugnet, dass dieses Schaffen kostenlos ist.
Woher kommt das im Umlauf befindliche Geld wirklich?
Ein Fakt, der in der hitzigen Debatte oft untergeht: Der Großteil des Geldes wird von keiner Zentralbank gedruckt. Laut einem Teilnehmer des Diskurses entstehen rund 97 % des Fiat-Geldes durch private Kredite – eine Bank und ein Kreditnehmer schaffen es aus dem Nichts bei der Unterzeichnung eines Hypothekenvertrags –, während nur 2 % vom Staat generiert werden. In diesem Sinne ist Geld eine Schuldverschreibung an den Inhaber: Wer es akzeptiert, tut dies im Vertrauen darauf, dass der andere produziert und zahlen kann.
Daraus ergibt sich eine weitere Idee: Wenn Geld gedruckt wird, stammt der Spielraum nicht aus dem Nichts, sondern aus den Ersparnissen der Menschen bei der Bank. Zuerst wird die Kaufkraft der Einlagen verwässert, und wenn diese privaten Ersparnisse verschwunden sind, tritt die offene Inflation der Preise zutage. Das ist keine Magie. Es ist eine stille Steuer, über die niemand abstimmt.
Venezuela, Argentinien und das Argument, das die MMT umgeht
Der offensichtlichste Gegenangriff nennt Ländernamen. Für Kritiker emittieren Argentinien, Venezuela und Kuba ihre eigene Währung, doch keine davon kann noch viel kaufen. Wenn Geld wirklich unbegrenzt wäre, warum kauft ein venezolanischer Schein dann kaum noch ein Brot? Die Antwort der MMT-Befürworter ist differenziert und taucht selten in Tweets auf: Monetäre Souveränität erfordert, dass keine Schulden in ausländischer Währung bestehen, was laut ihrer Ansicht alle drei Volkswirtschaften verletzen.
Selbst wenn man diesen Nuancen zustimmt, bleibt der Kernpunkt. „Wenn ihr mich mit erfundenem Geld bezahlt, gebe ich euch erfundene Waren und Dienstleistungen“, fasst ein anderer Nutzer zusammen: Das Vertrauen in die Währung lässt sich nicht per Dekret verordnen. Und wo es schwindet, importiert man später die Inflation aus dem Ausland.
Der Außenhandel: Wo die MMT tatsächlich Schwächen zeigt
Es gibt einen Punkt, an dem selbst Kritiker eine erkennbare Grenze der Diagnose eingestehen: die Zahlungsbilanz. Ein Land mit monetärer Souveränität kann seine Ausgaben zwar in eigener Währung finanzieren, aber wenn es weit mehr importiert als exportiert und gleichzeitig die Geldmenge ausweitet, fließt ein Teil des neuen Geldes in den Kauf ausländischer Produkte, die in anderen Währungen notiert sind. Das Ergebnis: importierte Inflation.
Mit Deutschland und Japan als Beispiel wird das Argument präziser. Japaner akzeptieren Euro, solange die Eurozone etwas herstellt, was sie kaufen wollen. Erst die Kombination aus einem schweren Handelsdefizit und einer aggressiven Geldmengenausweitung löst den Sturm aus. Dort, und nicht bei der Druckerpresse, liegt die wahre Schwachstelle der Erzählung.
Vom Geld zu Revolutionen: Wie sich die Diskussion entwickelte
Wie üblich driftete das Thema ab. Von der MMT sprang man zur Geschichte der liberalen Revolutionen, zur Frage, ob England wegen seiner Friedfertigkeit oder wegen seines politischen Fortschritts eine Großmacht wurde, zu den drei Revolutionszyklen des 19. Jahrhunderts und zum Westfälischen Frieden. Dieser Sprung bestätigt eines: Wenn die ökonomische Debatte nicht abgeschlossen wird, öffnet sich die historische.
Dazwischen der übliche sarkastische Humor. Ob man die Renten bald mit Panini-Stickern zahle oder ob der Staat jedem Bürger eine Million verteile. Wenig Scherz bei einem Thema, das in jeder Eckkneipe für hitzige Debatten sorgt. Diese Kneipen zu schließen kostet weniger, als den Hahn der Druckerpresse zuzudrehen.
Wenn Garzón teilweise recht hat, warum verteidigt dann niemand diese Position lautstark aus einer Zentralbank heraus? Vielleicht war die Frage nie, ob Geld vorhanden ist, sondern wie viel Wert übrig bleibt, wenn man ihn fertiggestellt hat.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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