Gabun: Das Militär annulliert die Wahlen und beendet das Bongo-Regime
Wie lange hält ein Land aus, dem man erzählt, es habe genau das gewählt, was es nicht gewählt hat? In Gabun kam die Antwort am 30. August 2023. Eine Gruppe von Militärs trat im Fernsehen auf und kündigte die Auflösung aller Institutionen, die Annullierung der allgemeinen Wahlen und das Ende des Regimes von Ali Bongo an, der noch am selben Tag mit 64,27 % der Stimmen zur Wiederwahl proklamiert worden war. In Libreville, der Hauptstadt, waren Schüsse zu hören, berichteten Journalisten der französischen Agentur, die im Thread zitiert wurden.
Der Vorfall hat einen eigenen Namen: Komitee für den Übergang und die Wiederherstellung der Institutionen (CTRI). „Wir haben beschlossen, den Frieden zu verteidigen, indem wir das derzeitige Regime beenden“, erklärte einer der Militärs. Es gab keine demokratischen Formalitäten: Zuerst wird das Ergebnis annulliert, dann wird alles aufgelöst und wir werden sehen.
Die 64,27 % und ein halbes Jahrhundert derselben Familie
Ali Bongo erreichte die Präsidentschaft nicht zufällig, so die Teilnehmer des Threads: Er erbte die Macht von seinem Vater, und vor dem Putsch hatte dieselbe Familie das Land seit den 1960er Jahren regiert. Die Wiederwahl mit 64,27 % war der Auslöser, nicht die Ursache. Unter den Teilnehmern wiederholten sich die Verdächtigungen von Wahlbetrug, um sich im Amt zu halten, und einige wiesen darauf hin, dass seine Ehe mit einer französischen Staatsbürgerin das Gefühl nährte, Gabun werde von außen regiert.
Die Bilder, die nach dem Sturm auf die Präsidentenresidenz verbreitet wurden und im Thread selbst gesammelt sind, taten ihr Übriges: Familienbesitz, Paläste mit Möbeln einer bekannten schwedischen Marke, laut einem Kommentar in der Debatte, und eine gewaltige Distanz zwischen dem gezeigten Reichtum und dem Land, in dem er gezeigt wurde. Angesichts des Öls und der Rohstoffe Gabuns ist die unbequeme Frage nicht, warum Bongo fiel, sondern warum es so lange dauerte.
Frankreich, der CFA-Franc und die 400 Milliarden Euro, die Afrika verlassen
Wenn etwas diesen Putsch erklärt, so die am häufigsten wiederholten Lesarten im Thread, dann ist es nicht Moskau: Es ist Paris. Gabun fungierte, nach diesen Nachrichten, als Säule der französischen Macht in Afrika, mit französischer Militärpräsenz vor Ort. Und unter der Armee lag das Währungssystem. Ein 2017 veröffentlichter Artikel, der im Zuge des Putsches erneut geteilt wurde, beziffert die Summe, die Afrika innerhalb der Architektur des CFA-Francs jährlich an Frankreich zahlt, auf 400 Milliarden Euro.
Der Mechanismus ist, immer dieser These folgend, einfach: Wenn ein Anführer in der Zone die französischen Anforderungen nicht mehr erfüllt, blockiert Paris seine Devisenreserven und schließt die Banken des als rebellisch eingestuften Landes. Der Fall der Elfenbeinküste wird als Präzedenzfall angeführt. Es ist eine unbequeme und umstrittene Erzählung, aber sie passt zu der Erkenntnis, dass jeder Machtwechsel in der Region auf zwei Brettern gespielt wird: dem inneren und dem des ehemaligen Kolonisators.
Steckt Russland hinter dem Putsch in Gabun?
Mit den verfügbaren Daten kann niemand dies beweisen, und das sollte man vor allem anderen sagen. Im Thread behauptet ein Teilnehmer, dass Moskau hinter jeder Destabilisierung in den ärmsten Ländern des Kontinents steckt, mit der Zentralafrikanischen Republik als wiederkehrendem Beispiel. Dem gegenüber steht das Spiegelargument: Wenn Russland dahintersteckt, steht Frankreich davor, und niemand hält eine Einflussstruktur über sechs Jahrzehnte aufrecht, nur um sich später über Konkurrenz zu beschweren.
Beweise gibt es keine. Was es gibt, ist eine Bevölkerung, die einer Dynastie und einem wirtschaftlichen Apparat überdrüssig ist, der Souveränität zu einer administrativen Formalität macht. Den Putsch je nach Geschmack des Kommentators als prorussisch oder antieuropäisch zu etikettieren, ist vorerst ein Glaubensakt.
Das chinesische Modell, die Freimaurerei und die Erschöpfung der westlichen Erzählung
Parallel zum Putsch wurde die grundlegende Diskussion wieder eröffnet: Ob das von der Kolonie geerbte institutionelle Paket überhaupt etwas taugt. Manche verteidigen, dass ein Modell starker Autorität und effizienter Verwaltung, im chinesischen Stil, besser zur afrikanischen Realität passt als Demokratien, denen einige Teilnehmer vorwerfen, nur Fassadenwahlen und gekaufte Medien zu exportieren.
Über Ali Bongo kursiert zudem ein Video, in dem er angeblich versprach, den Interessen der Großen Loge des Landes zu dienen. Es ist zur Argumentationsmunition geworden, obwohl es allein nichts beweist. Was es jedoch zeigt, ist der Ton der Zeit: Formale Legitimität reicht nicht mehr aus, um einen Herrscher zu tragen.
Kuriosität: Spanisch in Coco Beach und Äquatorialguinea
Zwei farbliche Details sind in die Konversation gerutscht. Erstens bedeutet „Gabon“ im Baskischen „Guten Abend“, was zu einigen flachen Witzen führte. Zweitens ist in Coco Beach, einer Ortschaft in Gabun an der Grenze zu Äquatorialguinea mit geteilter Souveränität zur Handelsförderung, Spanisch ko-offiziell, so ein Teilnehmer. Und Äquatorialguinea hat Französisch und Portugiesisch als offizielle Sprachen, Idiome, die dort praktisch kaum jemand spricht, stets nach den Nachrichten der Debatte. Der spanische Fußabdruck in der Region ist eher amtliches Bulletin als tatsächliche Nutzung.
Am Ende bleiben drei Gewissheiten und keine Antworten. Ein Präsident mit 64,27 % der Stimmen herrscht nicht mehr. Eine Familie mit einem halben Jahrhundert Macht kann an einem Fernsehnachmittag vertrieben werden. Und jene, die jahrzehntelang erklärten, Afrika brauche Institutionen, standen ratlos da, ob das Problem die Institution, der Mieter oder derjenige war, der das Licht im Palast zahlte. Geografische Ironien, gemäß dem Spiel im Thread: „Gabon“ klingt im Baskischen wie „Guten Abend“, und für Bongo brach die Nacht herein.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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