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Freie TV verliert seit 2020 eine Stunde täglich pro Zuschauer
Nur 6,7 % der Neustarts von 2023 übertrafen den Senderschnitt. Die freie TV-Nutzung sank seit 2020 um fast eine Stunde täglich, während das Hauptprogramm einbricht.
Freie TV verliert seit 2020 eine Stunde täglich pro Zuschauer
Wie viele Spanier setzen sich noch jeden Tag vor das freie Fernsehgerät? Weniger als je zuvor. Nur ein Monat des Jahres 2023 – August, genauer gesagt – verbesserte die Konsumwerte des Vorjahres. Alle anderen Monate zeigten Rückgänge. Das konventionelle Fernsehen schloss sein schlechtestes Geschäftsjahr seit Beginn der Aufzeichnungen ab, und die Schwelle für einen Erfolg in der Branche ist so stark gesunken, dass kaum 6,7 % der neuen Formate den Schnitt ihres Senders um einen Punkt übertrafen, laut einer Studie der Beratungsfirma Geca, zitiert von El País. Die übrigen 67,8 % scheiterten.
Anders ausgedrückt: Von drei neuen Formaten sahen zwei niemand, der nicht ohnehin schon zuschaltete.
Fast eine Stunde weniger TV pro Tag seit 2020
Die Daten von Barlovento Comunicación sind unerbittlich. Im Jahr 2022 schauten die Spanier 190 Minuten täglich freies Fernsehen, 24 Minuten weniger als 2021 und 50 Minuten weniger als 2020. In 2023 beschleunigte sich der Rückgang: Januar verzeichnete 18 Minuten weniger pro Person und Tag (-8%), Februar 13 weniger (-6%), März 24 weniger (-11%) und April 17 weniger (-9%). Mai, Juni und Juli dämpften den Einbruch auf zwei bis vier Minuten, aber September, Oktober und November verloren erneut. Geca meldet für den vorletzten Monat sogar noch drastischere Rückgänge: 25 Minuten weniger als im gleichen Monat des Vorjahres.
Addiert man alles zusammen: Seit 2020 haben die Zuschauer fast eine tägliche Stunde weniger ferngesehen. Das Ritual, bei dem die ganze Familie vor dem Fernseher sitzt, findet in kaum noch einem Wohnzimmer statt.
Das Hauptprogramm hat seit 2018 die Hälfte seines Publikums verloren
Die Prime Time, jenes Zeitfenster, in dem sich Werbetreibende drängen und Sender ihre teuersten Wetten platzieren, befindet sich im freien Fall. Große Premieren am Abend, die vor fünf Jahren mühelos zwei Millionen Zuschauer erreichten, kämpfen nun darum, die Millionengrenze zu überschreiten. 2019 erzielte MasterChef Celebrity 4 2,5 Millionen und Gran Hermano Vip 7 erreichte 2,1 Millionen. In 2023 blieben sie bei 1,2 und 1,1 Millionen, mit Marktanteilsverlusten von mehr als zehn Punkten beim Reality-Format, das dennoch weiterhin eine der stärksten Marken von Telecinco bleibt.
Die Paradoxie des Jahres wurde von Mediaset geprägt. Man entfernte Sálvame, den großen Schurkenkönig der Nachmittagsprogramme, und La Fábrica de la Tele kündigte seinen Rückzug an, in Erwartung einer Neugründung. Das vielleicht erfolgreichste Produkt des Jahres, De viernes, ist eine Umgestaltung des klassischen Nachtprogramms. Alles ändert sich, damit sich fast nichts ändert, aber Köpfe rollen dabei auf dem Weg.
Warum verliert das freie Fernsehen Zuschauer?
Die tieferliegenden Gründe wiederholen sich und keiner ist neu: die Zunahme von Streaming-Plattformen, Verhaltensänderungen nach der Pandemie, mehr kostenlose Angebote, eine alternde Zuschauerschaft und ein Generationenwechsel hin zum Internet. Aber es gibt konkrete Verschärfungen, die jene nennen, die das Gerät noch einschalten. Zwanzig Minuten Programm und dreißig Minuten Werbung. Sendungen, die um elf Uhr abends beginnen und mitten in der Nacht enden. Geklonte Formate. Persönlichkeiten, die seit Jahrzehnten die Studios besetzen. Und das Gefühl – schwer zu quantifizieren, unmöglich zu ignorieren –, sein Leben mit dem Anschauen eines Quizshows zu verschwenden.
Hinzu kommt die Kritik am Informationsangebot. Manche behaupten, bestimmte Sender widmeten mehr als fünf Stunden täglich der Politik und ein Großteil ihres Programmschemas bestehe aus Diskussionsrunden. Dies ist eine weit verbreitete Wahrnehmung: Unterhaltung sei durch Kommentar ersetzt worden. Ob diese redaktionelle Linie die Flucht der Zuschauer erklärt oder nur eine bequeme Ausrede ist, darüber herrscht keine Einigkeit.
Die Alterslücke: Traditionelles Fernsehen ist ein Land für Alte
Die Zahlen von 2022 zeichnen einen generationellen Abgrund. Kinder sahen 1 Stunde und 16 Minuten pro Tag; junge Erwachsene 1 Stunde und 9 Minuten; jüngere Erwachsene 1 Stunde und 56 Minuten. Die Reiferen zwischen 45 und 64 Jahren stiegen auf 3 Stunden und 55 Minuten. Und die Rentner über 65 Jahre auf 5 Stunden und 38 Minuten. Internetfernsehen erreichte täglich 10,4 Millionen Zuschauer, und 1,8 Millionen davon schalteten keine einzige Minute traditionelles Fernsehen ein, fast doppelt so viele wie im Vorjahr.
Im März waren die Gruppen, die am meisten Internetfernsehen konsumierten, die 25- bis 44-Jährigen (55 Minuten gegenüber 112 Minuten freiem TV) und die Kinder von 4 bis 12 Jahren (51 gegenüber 70 Minuten). Im aktuellen Tempo werden die Kinder das Fernsehen ihrer Eltern und Großeltern früher oder später überholen.
Wohin entwickelt sich das TV-Modell?
Eine Strömung der Analyse besagt, dass das freie Fernsehen dazu verdammt ist, zu schrumpfen, bis es von technologisch überlegenen Plattformen gekauft oder geschluckt wird, die personalisiertes Video-on-Demand anbieten können. Eine andere weist auf ein Produktproblem hin: Wenn nichts Interessantes geboten wird, ist das Medium egal. Eine dritte stellt fest, dass der junge Zuschauer nie zu einem festen Sendeplan zurückkehren wird, unabhängig davon, ob der Inhalt gut ist oder nicht. Das Modell aus starren Zeiten, Massenwerbung und gefangener Zielgruppe blutet an allen drei Fronten gleichzeitig.
Bleibt ein Trost für jene, die jahrelang über Gehirnwäsche und Manipulation diskutierten: Wenn der Trend anhält, wird es in einigen Jahren niemanden mehr geben, über dessen Indoktrinierung man debattieren muss. Es wird niemanden mehr geben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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