Frauen im Bauwesen: 147.337 Beschäftigte und ein Anteil von 11,1 %
In einer Halle in Badalona haben zehn Teilnehmer gerade das praktische Modul für Malerarbeiten abgeschlossen und beginnen mit dem Bauabschnitt. Zwei sind Männer. Der Rest sind Frauen, die über soziale Einrichtungen vermittelt wurden und auf der Suche nach einem Zertifikat sind, das ihnen den Weg auf eine Baustelle ebnet. Die Initiative wird von der Fundació Laboral de la Construcció (Arbeitsstiftung des Bauwesens) und der Grup Efebé getragen. Ihr erklärtes Ziel ist doppelt: Menschen in Risikosituationen zu integrieren und das Stigma des männlichen Maurers zu brechen. Die Daten bestätigen dies – bis zu einem gewissen Grad.
Ende 2022 waren 147.337 Frauen im Bauwesen bei der Seguridad Social (Sozialversicherung) versichert, was 11,1 % aller Beschäftigten der Branche entspricht. Das sind 7.711 mehr als im Vorjahr und der höchste prozentuale Frauenanteil seit 2016. Die Branche spricht von Fortschritt. Der Haken zeigt sich jedoch, wenn man betrachtet, wo diese Frauen tatsächlich arbeiten.
Wie viele Frauen arbeiten wirklich im Bauwesen?
Das INE (Nationales Statistikinstitut) zeichnet ein Profil, das nicht zum Bild vom Gerüstbauer passt. Die Frau, die 2022 Teil der Branche war, ist durchschnittlich etwa 43 Jahre alt, hat in 85,7 % der Fälle die spanische Staatsangehörigkeit und verfügt in 62,3 % über einen Hochschulabschluss. Die Auszubildende, die sich weiterbilden möchte, ist hingegen jünger – zwischen 36 und 45 Jahren (27,3 %) –, in 89,6 % der Fälle Spanierin und hat oft nur einen Grundschul-, Hauptschul- oder Realschulabschluss (ESO, 28,5 %). Viele arbeiten bereits während des Studiums: 71,1 % kombinierten Ausbildung und Beruf, 80,5 % davon im Präsenzunterricht.
Regional konzentriert sich der Anteil der Auszubildenden an allen Beschäftigten auf Las Palmas (29,96 %), Katalonien (14,1 %) und die Autonome Gemeinschaft Madrid (10,1 %). Übersetzt bedeutet das: Die weibliche Ausbildung im Bauwesen ist ein ungleiches und lokal begrenztes Phänomen, kein nationaler Trend.
Der Flaschenhals: Fast die Hälfte besetzt Verwaltungspositionen
Hier liegt der unbequeme Fakt. 46,8 % der im Bauwesen eingestellten Frauen üben eine administrative Tätigkeit aus. Von der Grup Efebé wird dies als Daseinsberechtigung der Programme gesehen: Wenn die Hälfte des verfügbaren Talents nicht Zugang zu anderen Jobs in der Branche findet, lässt die Branche Kapazität liegen. „Die Ermächtigung für den Zugang zu anderen Jobs in der Branche ist der Schlüssel, um nicht 50 % des Talents unserer Bevölkerung auszuschließen“, fasst Anna Fornt, Geschäftsführerin der Gruppe, zusammen.
Die Auswahl der Teilnehmer erfolgt über die Fundació Ared in Barcelona, die sich der beruflichen Eingliederung sozial benachteiligter Personen widmet. Der Bildungsweg umfasst drei Niveaus, endet mit einem Kompetenz-Zertifikat und bietet eine eigene Jobvermittlung. Der komplette Abschluss ermöglicht zudem den Einstieg ins erste Niveau einer mittleren Berufsausbildung (Formación Profesional) in denselben Fachrichtungen. Ein Teil des Erfolgs, so Fornt, besteht darin, die Teilnehmer wieder ins Bildungssystem zurückzuführen. Der Lehrplan ist weniger spektakulär, als er klingt: Hilfstätigkeiten auf der Baustelle, Herstellung von Mörteln, Klebern und Beton, Gerätevorbereitung, Verputz, Anstrich und Schutzgrundierungen. Am Ende entspricht die Qualifikation der eines Bauarbeiters (Peón).
Die Profile in den Kursen sind vielfältig. Yanet Rubiano, 48 Jahre, kam aus Kolumbien und lebt in L’Hospitalet de Llobregat; sie möchte ihr eigenes Unternehmen für Maler- und Restaurationsarbeiten gründen. Nouria Ariara, 37 Jahre, alleinerziehende Mutter, betont, dass „wir jede Arbeit machen können“ und sieht ihre Zukunft zwischen Malerei und Gipskartonplatten. Jaouadi Achabar, 34 Jahre, hofft, dass der Kurs ihr Arbeitsvisum durch die Regelung der Niederlassungserlaubnis aufgrund von Ausbildung (Arraigo por formación) sichert.
Verdienen Frauen im Bauwesen mehr? 30 % über Mindestlohn und unbefristete Verträge
Das wirtschaftliche Argument ist das stärkste im Narrativ. Laut Grup Efebé gibt es im Bauwesen eine Nachfrage nach Fachkräften und Gehälter, die den interprofessionellen Mindestlohn (SMI) um 30 % übersteigen. Zudem sind 21 % der Verträge von Frauen in der Branche unbefristet. Lucía López, Managerin der Fundació Laboral de la Construcció, führt diese Quote auf die Bemühungen der Arbeitnehmerinnen zurück, sich in einem traditionell männlich dominierten Handwerk zu etablieren.
Die prozentuale Entwicklung ist das schwerst zu diskutierende Zeichen: 2017 machten Frauen 3 % der Arbeitsplätze im Bauwesen aus; 2023 waren es 12 %. Der Großteil des Anstiegs konzentriert sich auf den letzten Zeitraum, und von der Stiftung selbst wird erwartet, dass die Ausbildungsprogramme diesen Wert noch weiter steigern.
Zweifel: Ausbildung ist nicht gleich Beschäftigung
Nicht jeder kauft dieses Narrativ. Einige behaupten, dass solche Kurse seit Jahren angeboten werden, danach aber niemand eingestellt wird und nur Subventionen für Neueinstellungen die Lücke schließen: „Seit vielen Jahren gibt es Kurse für Maurer, Fliesenleger, Elektriker usw. für Frauen. Und die REALITÄT ist, dass sie danach niemand einstellt. Nur wenn diese Einstellungen jetzt subventioniert werden, gelingt es“, fasst eine der häufigsten Einwände zusammen.
Eine andere kritische Linie richtet sich gegen die Bilder, die solche Nachrichten begleiten: Viel Skepsis zielt darauf ab, dass sie den Unterricht und nicht die Baustelle zeigen, und dass das Urteil erst in einem Jahr fallen wird, wenn geprüft wird, wie viele noch aktiv sind. „Willkommen, wenn sie arbeitswillig sind, aber die Fotos, die die Nachricht illustrieren, stammen alle vom Ausbildungskurs und nicht von der echten Baustelle“, lautet ein weiterer verbreiteter Einwand. Auch Verdächtigungen bezüglich Einstellungsquoten und unternehmensinterner Diversitätsziele tauchen auf, sowie eine übergreifende Diagnose: Das eigentliche Problem der Branche ist der Generationenwechsel, die Welle an Gesellen, die nach dem Platzen der Immobilienblase verloren ging und nie ersetzt wurde.
Die historische Zeitreihe fasst die Situation besser zusammen als jedes Klassenfoto: von 3 % im Jahr 2017 auf 12 % im Jahr 2023. Ein enormer relativer Sprung, aber absolut noch bescheiden, mit 147.337 versicherten Frauen und fast der Hälfte in Verwaltungspositionen. Was in einem Jahr mit den zehn Personen aus Badalona passiert, wird mehr aussagen als jede Pressemitteilung.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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