Franquistische Repression: Debatte um Schuld der Hingerichteten

Eine These behauptet, 95 % der Nachkriegshingerichteten seien wegen Blutverbrechen verurteilt worden; Kritiker sehen darin eine Verharmlosung politischer Morde.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Franquistische Repression: Debatte um Schuld der Hingerichteten
Franquistische Repression: Die 5 % Unschuldigen, die die 95 % leugnen

Ein andalusischer Republikaner kämpfte bis Valencia. Nach dem Krieg verbüßte er fünf Jahre Haft mit Zwangsarbeit, bevor er begnadigt wurde. Er starb in der Demokratie an Krebs. Sein Schicksal ist Teil einer Kontroverse, die Spanien noch immer nicht abgeschlossen hat: Wie viele der Hingerichteten im Bürgerkrieg und danach hatten Blut an den Händen, und wie viele wurden nur wegen ihrer Ideen getötet? Die Antwort ist heute alles andere als friedlich.

95 % der Hinrichtungen: Eine These, die das historische Gedächtnis spaltet

Eine verbreitete Version besagt, dass mindestens 95 % der 15.000 Hingerichteten Blutverbrechen begangen hatten – als Täter oder Anstifter –, während die übrigen 5 % ihre Vorgesetzten waren. Befürworter argumentieren, dass ohne solche Verbrechen die Strafe oft umgewandelt wurde und der Verurteilte nach wenigen Jahren freikam, egal ob er politische Autorität, Armeebefehlshaber oder Kommissar war. Als Beleg dienen Familienberichte: Ein internationaler Brigadist, dessen Todesstrafe umgewandelt wurde, oder ein Kommunist, der floh, gefasst wurde und schließlich frei kam, ohne hingerichtet zu werden. Ein Teilnehmer fasst es so zusammen: Wenn ein Verwandter nach dem Krieg erschossen wurde, war er wahrscheinlich aus dem schlimmsten Schlag.

Dagegen steht ein ebenso scharfer Einwand. Es geht nicht darum, dass diese konkreten Fälle nicht existierten, sondern darum, dass ein Narrativ zur Schönfärberei konstruiert wurde. In der Nachkriegszeit, so die Kritiker, wurden unschuldige Menschen nur deshalb erschossen, weil sie „Mitglied von“ waren oder „bestimmte Ideen“ vertraten, und dieses Phänomen wird auf Anekdoten reduziert, um keine unbequemen Fragen aufzuwerfen. Das Problem, geben beide Seiten zu, ist, dass kein Zensus den Streit beenden kann: Zahlen werden als Munition genutzt, nicht als Daten.

Wird auch die republikanische Repression geschönt?

Ein Teil der Analyse antwortet mit Ja, oder zumindest damit, dass sie viel weniger erwähnt wird. Es wird argumentiert, dass die Repression der Republikaner während der Republik und des Krieges – Morde, Brandstiftungen in Kirchen und Klöstern, Plünderungen – kaum in den Medien vorkommt, während die franquistische Repression ständig wiederholt wird. Es ist sogar von einem „Gesetz des selektiven Gedächtnisses“ die Rede, und man fordert, dass die Verurteilung sich auf die Verbrechen beider Seiten erstreckt. Die Gegenargumente sind bekannt: Ein Regime, das aus einem Putsch hervorging und vier Jahrzehnte lang Bestand hatte, kann nicht mit denselben Maßstäben gemessen werden wie eine Republik im Krieg.

Dazwischen taucht ein unbequemes Argument für alle auf: Beide Seiten haben Gräueltaten begangen, vor dem Krieg gab es Wildheit auf beiden Seiten, und nach dem Krieg traf die Bestrafung diejenigen, die Blut an den Händen hatten. Andere entgegnen, dass die Gleichsetzung von Siegern und Besiegten genau die Operation ist, die verhindert, hinzuschauen, wo wen begraben wurde.

Die Debatte verlagert sich in die Archive: Sanjurjo, Beigbeder und Berlin

Im technischsten Abschnitt verlässt die Diskussion die Schlagzeilen und geht zu den Dokumenten über. Die Frage: Gab es Kontakte zwischen den spanischen Verschwörern und Nancy-Deutschland vor dem Putsch? Bezüglich José Antonio Primo de Rivera wird auf einen Vortrag des deutschen Historikers Walther L. Bernecker aus dem Jahr 1986 verwiesen, wonach der Gründer der Falange angab, nur einmal in Berlin gewesen zu sein, im Mai 1934. Von General Sanjurjo lassen sich Reisen nach Berlin nach dem linken Wahlsieg 1936 nachweisen, mitten in der Vorbereitung des Aufstands, erwähnt in einer Meldung der Pravda und in einem Brief des Karlisten Ricardo Serrador.

Das Detail, das die Recherche verkompliziert: Diese Besuche finden sich nicht in den deutschen diplomatischen Protokollen. Eine Seite erklärt, es habe keine offizielle Mission gegeben, sondern geheime Verhandlungen – mit Admiral Canaris als Ansprechpartner –, und die SS habe einen großen Teil der Abwehr-Archive und Canaris’ persönliches Tagebuch zerstört. Die andere Seite kontert, dass das Fehlen dokumentarischer Spuren in einem Fonds, der unzählige Papiere enthält, kein Beweis sei: Es sei höchstens eine Hypothese. Und dabei bleibt es.

Familien, Straßengräben und die ausstehende Bilanz

Unter den Statistiken liegen Biografien. Da sind jene, die sich an einen Brigadisten erinnern, dessen Strafe umgewandelt wurde, und jene, die fordern, dass die Vergessenen in Straßengräben und Massengräbern „ans Licht kommen, allein aus Gründen der historischen Aufarbeitung“. Es fehlt nicht an Kritik, dass weder das alte Regime noch die späteren Regierungen genug getan haben, um ihre Toten exhumieren zu lassen, und an Forderungen, diese Bemühungen auf Opfer beider Seiten auszudehnen, mit DNA-Beweisen und würdigen Begräbnissen. Der wiederholte Vorwurf: Fast ein halbes Jahrhundert später ist die Arbeit immer noch halb fertig.



Mit 15.000 gezählten Hinrichtungen und einer Spanne von 95 % bis 5 % Schuldigen, je nachdem, wer rechnet, dreht sich der Streit nicht darum, wie viele starben, sondern warum. Das ist der Knoten, der weiterhin offen bleibt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (290 Antworten).

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