DGT prüft Zwei-Personen-Regel und Tagesgebühr auf Balearen

Die spanische Verkehrsbehörde DGT erwägt eine Mindestbesetzung von zwei Personen pro Fahrzeug in Großstädten sowie eine tägliche Gebühr für Nicht-Residenten auf den Balearen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

DGT prüft Zwei-Personen-Regel und Tagesgebühr auf Balearen
DGT prüft Zwei-Personen-Regel und Tagesgebühr auf Balearen

Die Dirección General de Tráfico (spanische Straßenverkehrsbehörde) möchte die großen Städte entlasten und setzt dabei auf eine Idee, die wie ein soziologisches Experiment klingt: Mindestbesetzung von zwei Personen pro Fahrzeug in Madrid und anderen Hauptstädten, angelehnt an europäische VAO-Spuren (High-Occupancy Vehicle Lanes). Laut dem ursprünglichen Entwurf befindet sich die Maßnahme noch in der Analysephase. Übersetzt heißt das: Niemand hat etwas unterschrieben, aber die Ballonsonde ist bereits in der Luft.

Begleitet wird dieser Vorschlag von zwei weiteren Maßnahmen, die die Stimmung zusätzlich aufheizen. Die erste ist ein Auto pro Haushalt. Die zweite sieht vor, dass Nicht-Residenten einen Euro pro Tag zahlen, wenn sie bestimmte Straßen befahren – nach dem Modell, das bereits auf den Balearen angewendet wird. Auf Formentera oder Ibiza soll diese Tagesgebühr für Nicht-Residenten erhoben werden, mit zeitlichen Beschränkungen und vorherigen Zugangskontrollen. Mallorca hingegen peilt laut den Daten der Strategie deutlich höhere Tarife an: zwischen 35 und 150 Euro je nach Emissionswert des Fahrzeugs.

Ein Euro am Tag: Entlastung oder Abzocke?

Der erste Kritikpunkt, der überall auftaucht, ist rechnerischer Natur. Ein Euro pro Tag hält niemanden davon ab, im Hochsaison mit dem Auto zu fahren, schon gar nicht, wenn die Kosten auf zwei oder mehr Insassen umgelegt werden. Welche Stauverschlimmerung soll das beseitigen? Die wiederkehrende Antwort ist unbequem: keine, aber es bringt Geld in die Kasse und legt die Verwaltung in die Hände von Mietwagenfirmen und Reedereien, die den Prozess am Ende abwickeln würden.

Manche gehen weiter und behaupten, das eigentliche Ziel sei nicht der Verkehr. Nach dieser Lesart ist die Maßnahme nur ein Teil eines breiteren Mechanismus zur Kontrolle der Mobilität, und der Euro ist lediglich der symbolische Preis für den Eintritt. Dies ist keine These, die mit verfügbaren Daten bewiesen werden kann, aber es erklärt, warum die Debatte von der Straße zu den Grundprinzipien gewandert ist.

Privater Transport infrage gestellt

Die Vorgabe einer Mindestanzahl an Fahrgästen berührt einen tieferen Nerv als jede Gebühr. In der Praxis bedeutet dies das Ende des Konzepts des privaten Transports, so wie er bisher verstanden wurde: Das Auto hört auf, ein privater Raum zu sein, und wird zu einer Ressource, die man gegenüber der Verwaltung rechtfertigen muss. Wer 50 Kilometer von zu Hause arbeitet und keinen passenden öffentlichen Nahverkehr hat, steht ohne klare Lösung da. Und die kreativen Lösungen, die in Foren kursieren – vom Anbieten als bezahlter Beifahrer bis hin zu Tricks, um einen zweiten Insassen vorzutäuschen –, sind der Beweis dafür, dass das Problem nicht mit einer Bußgeldstrafe gelöst wird.

Auch die Symmetrie hilft nicht weiter. Dienstfahrzeuge, Hubschrauber und institutionelle Flugzeuge werden nicht gezählt. Die Regel greift dort, wo Wählerstimmen sind, und nicht dort, wo Privilegien herrschen, und das erkennt jeder.

Balearen als Labor

Die Inselgruppe hat Vorsprung. Dort hat man bereits begonnen, die Überlastung in der Hochsaison durch Vorabkontrollen und Zeitfenster zu reduzieren. Das Problem ist jedoch, dass das baleares Modell für eine Insel mit extremen Tourismusspitzen konzipiert wurde, nicht für eine Binnenstadt mit Pendlerverkehr. Das Rezept ohne Anpassung der Zutaten zu exportieren, lässt den Vorschlag wie eine Schnapsidee wirken.

Politisch setzt man darauf, dass ein Regierungswechsel die Maßnahme rückgängig macht. Es ist dieselbe Logik, die bei anderen Reformen angewandt wurde: Wenn der Nachfolger das vom Vorgänger Geschaffene wieder abreißt, zahlt der Bürger am Ende doppelt für die Unsicherheit.

Was noch niemand erklärt hat

Es fehlen die wichtigen Zahlen. Wie viele Fahrzeuge fahren mit nur einem Insassen? Wie viel Verkehr würde tatsächlich eingespart? Was passiert mit Haushalten, die nur ein Auto haben? Wie wird die Besetzung in einem Tunnel oder an einer Einfahrt kontrolliert? Nichts davon liegt auf dem Tisch. Was es gibt, ist ein Katalog guter Absichten und ein offenes Datum für die Umsetzung.

Bei diesem Grad an Unschärfe ist es wahrscheinlich, dass die Maßnahme im administrativen Limbo hängen bleibt. Aber man sollte sich nicht sicher sein: Der Euro auf den Balearen war auch erst ein Vorschlag und ist nun in Kraft.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (171 Antworten).

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