Notendurchschnitt 9,68 und 50 Bestnoten: Der Ingenieur, den Oxford holte
Ein Faktum sprengt die Statistik: Antonio Tabanera, 25 Jahre alt, aus Segovia, schließt sein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an der Universidad Politécnica de Madrid mit einem Notendurchschnitt von 9,68 ab und hat in seinem gesamten akademischen Leben keine Prüfung nicht bestanden. Seine schlechteste Note im Studium war eine 7 in Thermodynamik. Und diese 7 war zudem die höchste Note unter den 420 Studierenden, die diesen Kurs belegten.
Dass jemand zwischen Bachelor- und Masterstudium 50 Bestnoten ansammelt, ist außergewöhnlich. Dass er dies ohne Aufhebens erzählt und es einfach dem Fleiß zuschreibt („viel Zeit investieren“), macht es unangenehm. Denn die Erzählung vom individuellen Verdienst prallt auf eine Frage, die niemand vollständig beantwortet: Ist das Talent, Methode oder beides, verkauft als sarracena Vorbild?
Wie viele Bestnoten passen in ein Ingenieurstudium?
Der erste Hürde ist arithmetischer Natur. Manche haben nachgerechnet und kommen zu keinem konsistenten Ergebnis: Ein alter Diplomstudiengang hatte etwa 30 Fächer über fünf Jahre verteilt; ein aktueller Bachelor umfasst rund 32 Fächer pro Jahr und etwas mehr als 40, wenn man sie in Semester aufteilt. Um auf 50 Bestnoten zu kommen, müsste man laut dieser Rechnung bei fast allen Prüfungen eine 10 erreicht haben.
Der Zweifel hat Substanz, da der Protagonist selbst klarstellte, dass die halbe Hundert Bestnoten Bachelor und Master zusammenzählt. Addiert man beide Abschlüsse, passt die Bilanz besser. Aber der Verdacht war bereits geweckt: Sind diese so runden, journalistisch verwertbaren Zahlen das vollständige Zeugnis oder nur der Teil des Zeugnisses, der erzählt wird?
Die EBAU-Note 12,8, mit der niemand angibt
Es gibt ein Detail, das die Geschichte vom Wunderkind ins Wanken bringt. Bei der spanischen Hochschulzugangsprüfung (EBAU) erreichte er eine 12,8. Das ist keine schlechte Note, aber er räumt selbst ein, dass sie für seinen Studiengang „relativ niedrig“ war: Die meisten seiner Kommilitonen wurden mit 13 oder mehr aufgenommen. Auch in der Schule war er kein Schüler mit lauter Einsen; seine schlechteste Note dort war eine 8 in Sport, obwohl er bereits Leichtathletik betrieb und Medaillen gewann.
Die Abfolge ist wichtig. Er stieg durch die Hintertür der Zulassungsvoraussetzungen ein und drehte im ersten Studienjahr alles um, bis er sich unter den Besten platzierte. Das widerlegt die These vom magischen Zauberstab und stärkt die These der Methode: 6, 7 oder 8 Stunden täglich in der Bibliothek, plus Wege, Pausen und sogar Trainingszeiten, die zum Wiederholen der Theorie oder Lesen wissenschaftlicher Artikel genutzt wurden. Er fasst es ohne Pathos zusammen: Wenn man das, was man studiert, leidenschaftlich liebt, vergehen die Stunden, bevor man es merkt.
Stipendien, die gehen, und Gehälter, die nicht zurückkommen
Hier bricht der Konsens. Ein Teil verteidigt diese Stipendien vehement – die Fundación la Caixa finanziert seine Promotion in Oxford –, weil sie der einzige Weg sind, damit jemand ohne Vermögen in der internationalen Liga mitspielen kann. Ein anderer Teil entgegnet, dass öffentliches Geld Menschen ausbildet, die dann von ausländischen multinationalen Unternehmen abgeworben werden: Heute arbeitet er mit Rolls-Royce an wasserstoffbetriebenen Strahltriebwerken.
Die Zahlen, die in dieser Debatte kursieren, reichen von einem hypothetischen Vertrag über 160.000 Pfund plus einen Bonus von 50 % für ein solches Profil bis zu den 30.000 Euro brutto, die er angeblich verdienen würde, wenn er zurückkehrt und den ersten Job annimmt, den ihm eine spanische Beratungsfirma anbietet. Zwischen dem einen Szenario und dem anderen liegt ein ganzes Land, sowie seine Lieblingsfrage: Wie viel ist es wirklich wert, Talente auszubilden, die danach auswandern?
Talent, Anstrengung und die unbequeme Frage
Keine Antwort fasst den Ton der Unterhaltung besser zusammen als die Frage, ob dieser junge Mann ein Leben jenseits der Bücher gehabt hat. Sie taucht als Spott auf, als Abrechnung mit dem Streber, der zum Medienhelden wurde, und erhält sofortige Gegenreaktion von der anderen Seite: Die Erfolge einer Person verblassen nicht vor ihrem Liebesleben. Hinter dem Scherz steckt eine ernsthaftere Debatte darüber, was Erfolg bedeutet. Manche behaupten, wahrer Triumph sei, viel zu lachen, ein würdiges Gehalt zu haben und eine Familie, die einen liebt. Und andere kontern, dass genau diese Werteskala die Alibi-Lüge der Mittelmäßigkeit sei.
Eine weitere Grundlinie zieht sich durch das Thema: Der tatsächliche Nutzen all dieser Anstrengung. Es wird argumentiert, dass seine Arbeit letztlich von einer Maschine übernommen wird, dass acht Stunden täglich lernen, um Prüfungen zu bestehen, wenig Wettbewerbsfähigkeit zeigt, oder dass er in einem Beamtenwettbewerb ausbrennen wird, während sein Chef eine Zigarre raucht. Dem gegenüber stehen jene, die in ihm den Spanier sehen, der in der ersten wissenschaftlichen Liga spielt, und bedauern, dass die Medien Berühmtheiten aus Fußballstars machen statt aus denen, die versuchen, die Motoren der Zukunft zu entschlüsseln.
Seine Promotion läuft weiter, und seine berufliche Zukunft ist noch unentschieden. Die Kernfrage bleibt offen: Wenn dieser brillante Ingenieur morgen bei einem britischen Unternehmen unterschreibt, haben wir dann ein Talent verloren oder endlich die Rechnung dafür beglichen, dass wir es nicht bezahlt haben?
Analyse basierend auf der Berichterstattung über den Fall.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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