Spanien: Lange Wartezeit auf Bluttests bei Drogenkontrollen

In Spanien dauern negative Blutergebnisse nach positiven Speicheltests oft einen Monat. Betroffene zahlen selbst für Gegenproben, während Bußgelder bereits verhängt werden.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Lange Wartezeit auf Bluttests bei Drogenkontrollen
Drogentests in Spanien: Falschpositive Ergebnisse und einmonatige Wartezeiten

Jenifer war gerade von der Arbeit gekommen, als sie an einer Alkohol- und Drogenkontrolle in Andés, Navia (Asturien), angehalten wurde. Sie blies 0,0. Die Überraschung kam mit dem Speicheltest: positiv auf Kokain und Methamphetamin. „Das ist unmöglich“, sagte sie den Beamten. Sie war 29 Jahre alt, hatte zwei Kinder und keinerlei Absicht, sich als jemand anderes auszugeben. Sie verlangte eine Gegenprobe, wurde zum Krankenhaus Jarrio begleitet, zahlte 31 Euro für die Blutanalyse und wartete. Einen Monat später war das Ergebnis negativ. Die Strafe war jedoch bereits verhängt: 1.000 Euro und sechs Punkte im Führerschein.

Kokain im Speichel, null Promille Alkohol: Ein wiederkehrendes Szenario in Navia

Dieser Fall ist kein Einzelfall. Am Samstag, dem 26. Juni, erlebte ihr Schwager Daniel R. dasselbe Schicksal bei einer Kontrolle in La Colorada, ebenfalls in Navia. Er testete positiv auf Kokain. „Ich habe das nie genommen, ich habe nicht einmal je einen Joint geraucht“, beteuerte er. Er bestand darauf, ins Krankenhaus zu gehen: Man entnahm ihm Blut und auch Urin, obwohl man ihn warnte, dass der Urin nicht nötig sei. Der Urintest fiel negativ aus. Das Blutergebnis würde, wie man ihm sagte, „einen oder zwei Monate“ brauchen. In der Zwischenzeit verlor er anderthalb Stunden Ruhezeit und sein Auto stand sechs Stunden am Straßenrand.

Als er die Beamten darauf hinwies, dass diese Tests fehlerhaft seien, lautete die Antwort, das Gerät sei zugelassen und funktioniere korrekt. Es ist dasselbe Muster, das in einem anderen Fall beschrieben wird: Ein Beamter testete nach einer Verfolgungsjagd positiv, verlangte eine Gegenprobe und erhielt ein negatives Ergebnis. Zugelassen bedeutet nicht unfehlbar.

Welche Medikamente können bei einem spanischen Drogenschnelltest positiv anschlagen?

Die Vereinigung Europäischer Autofahrer (AEA) erstellte einen Bericht, in dem sie behauptet, dass die Einnahme bestimmter Medikamente den Test auslösen kann. Auf der Liste stehen gängige Namen: Ibuprofen, Dextromethorphan in Romilar, Diphenhydramin im Bisolvon-Hustensaft, Doxylamin in Dormidina oder Promethazin im Actithiol-Antihistaminikum. Nichts Exotisches, alles aus der Hausapotheke.

Die Empfehlung des Verbandes lautet, ein ärztliches Attest mitzuführen, das bescheinigt, dass diese Medikamente die Fahrtüchtigkeit nicht beeinträchtigen. Der Hinweis ist nicht zu unterschätzen: Wer ein frei verkäufliches Hustenmittel nimmt, könnte sich irgendwann am Straßenrand rechtfertigen müssen, warum sein Speichel positiv getestet wurde. Und zu dieser Stunde hört niemand zu.

Speichel-Drogentest: Erkennt Konsum über 24 Stunden, nicht den aktuellen Zustand

Die Wirkung von Kokain hält zwischen zwanzig Minuten und einer Stunde an. Der Speicheltest hingegen erkennt es, wenn es in den letzten 24 Stunden konsumiert wurde. Opioide — Morphin, Codein oder Heroin — wirken vier bis sechs Stunden, sind aber noch bis zu drei Tage danach nachweisbar. Hierba wirkt bis zu drei Stunden und hinterlässt einen ganzen Tag lang Spuren im Speichel. Gleiches gilt für Beruhigungsmittel, Amphetamine und Methamphetamin.

Die praktische Konsequenz ist unbequem: Das Gerät misst nicht, ob man unter Einfluss steht, sondern ob etwas innerhalb des letzten Tages im Körper war. Ein Joint am Samstag und ein Lenkrad am Montag landen im selben Verwaltungsregister.

Die Grenzwerte, die die spanische Verkehrspolizei anpassen kann

Bei Alkohol gibt es einen festgelegten Grenzwert und eine objektive Zahl, ab der die Übertretung unbestreitbar ist. Bei Drogen existiert dieser gesetzliche Schwellenwert nicht. Die AEA argumentiert, dass diese Tests „keine Rechtssicherheit garantieren“ und dass die Cut-off-Werte nach Belieben der Dirección General de Tráfico (DGT) erhöht oder gesenkt werden können. Tatsächlich musste die Guardia Civil den Wert erhöhen, weil die Mehrheit der Tests positiv ausfiel.

Ein Gericht in Vitoria-Gasteiz forderte einst, per Gesetz klare Grenzen festzulegen. Das Verfassungsgericht billigte die Rechtmäßigkeit der Tests. Auch die Widersprüche helfen nicht weiter: Es gibt Speichelproben, die positiv auf THC oder Kokain testen, während das Blut Methamphetamin bestätigt, oder umgekehrt. Mit diesen Mitteln wird die Unschuldsvermutung zu einer Verwaltungssache.

Asturien: Positive Alkoholtests sinken, positive Drogentests steigen

Die Daten der AEA zeichnen zwei Kurven, die sich annähern. Im Jahr 2019 wurden 2.876 Fahrer mit einer über dem zulässigen Wert liegenden Alkoholkonzentration festgestellt. Während der Lockdowns sank die Zahl 2020 auf 1.081 und erholte sich 2021 teilweise auf 1.855: ein Rückgang von 35% gegenüber vor der Pandemie.

Bei Drogen passiert das Gegenteil. Von 808 positiven Fällen 2019 sank die Zahl 2020 auf 369, und zwischen 2019 und 2021 stieg sie um 27%. Zwei gegenläufige Trends auf derselben Straße: weniger Betrunkene, mehr Drogenabhängige, oder zumindest mehr Entdeckte. Der Unterschied zwischen beidem ist genau der Gegenstand des Streits.

Wer zahlt die 31 Euro und die Stunden, um die Unschuld zu beweisen?

Die Gegenprobe muss der Fahrer vorfinanzieren. Im asturischen Fall waren es 31 Euro für die Analyse im Krankenhaus, mit einem Beamten als Zeugen und zwei Blutproben auf dem Weg ins Labor. Dazu kommt die Zeit: von halb zwölf Uhr nachts bis drei Uhr morgens bei einer Kontrolle, ohne die Wartezeit von einem Monat auf das Ergebnis. Einige vertreten die Ansicht, dass diese Kosten von der DGT getragen werden sollten.

Eine weitere häufige Kritik betrifft die Anreize. Wenn Anzeigen in die Monatsstatistik eingehen, gibt es keinen Grund, keine davon zu verwerfen, und der Bestrafte muss sich selbst um Einspruch kümmern. Auf der anderen Seite wird das Offensichtliche betont: Fahren unter Einfluss jeglicher Substanz ist eine Ordnungswidrigkeit, egal ob legal oder illegal, und das Problem der Drogen am Steuer nimmt zu.



Der Knoten bleibt eng geknüpft. Es gibt ein Recht auf eine Gegenprobe, aber sie kommt zu spät. Es gibt dokumentierte Klagen über mangelnde Rechtssicherheit, aber keinen gesetzlichen Grenzwert, der sie ausräumt. Es gibt ein Verfassungsgericht, das zustimmt, und ein Gericht, das Grenzen forderte. Genau die beiden Dinge fehlen, die kein Betroffener zurückbekommt: ein rechtzeitiges Ergebnis und die Stunden, die ihm am Straßenrand gestohlen wurden.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (171 Antworten).

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